Unser aktueller Tora-Wochenabschnitt trägt den Namen „Ki Tawo“ („Wenn du kommst“ … in das [verheißene] Land). Der Begriff „verheißenes Land“ (auch gelobtes Land) bezeichnet in seiner ursprünglichen religiösen Bedeutung das Land Kanaan, welches der Bibel nach dem Erzvater Abraham und dessen Nachkommen versprochen worden war (heute etwa das Gebiet von Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten). Von wem verheißen? „Vom Ewigen, Deinem Gott.“ Hier DEN Ewige Israels meinend, mag mancher darin positivstens auch gern DAS Ewige erkennen – die Schöpfung, Naturgesetz oder das sehnsüchtige Erreichen des Höchsten überhaupt. Weshalb sich – negativstens – das Christentum einen Gott Jesus Christus mit einem alles andere, insbesondere das Judentum, toppen wollenden „heiligen Geist“ erschuf. Dieser verheißt – den Ewigen und das Ewige perfide ausbootender Weise – wörtlich gar das Ewige Leben, in dem ihr [Christen] „an meinem Tische in meinem Königreich auf Thronen sitzen“ sollt, „zu richten die zwölf Stämme Israels.“ (Abendmahlsrede Jesu lt. Lukas-Evangelium 22,30)
Doch bleiben wir kontextuell beim Positiven. Besonders herausragend: dem Hinduismus. Der Religion mit den tausend Göttern. Die große Klammer: Einheitlich glaubt man an die Wiedergeburt! Doch im völligen Gegensatz zum imperialistisch-heiligen Römerglauben und → s. Video → seinen Kriegen (an denen insbesondere das lutherische Deutschland aktuell nun bankrottgeht) in einem zutiefst demütigen Sinn. Denn man kann nicht machen was man will, wird man doch eh nach dem Tod wiedergeboren. Sondern als Mensch mit gutem Karma (Handeln, Wirken) wird man vielleicht als Kind superreicher Eltern wiedergeboren, mit schlechtem Karma aber vielleicht als Maus oder Stein. Heißt bei allerbestem Karma aber auch, dass man diesen ewigen Kreislauf verlassen kann – Moksha bzw. Nirwana im Hinduismus / Nibbana im Buddhismus – also endgültige Erlösung als letztes und höchstes Ziel des menschlichen Lebens.
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Diese Verheißung pur im Heute, live und in Farbe, will uns die Prophetenlesung am Schabbat KI Tawo ganz unten am Ende dieses Schabbat-Kommentars mit viel Liebe (s. auch Artikel Verbindliche Beziehungen leben – wieder erleben, den meine Seele liebt) ins Herz legen. Beginnen wollen wir unseren Kommentar jedoch mit dem Absatz aus unserer Tora-Lesung, den manch ein Kommentator mit der „gegenseitigen Liebeserklärung“ überschreibt.
Parascha „Ki Tawo“ (Wenn du kommst): 5. Mose 26,1 – 29,8 || Jesaja 60
(sowie jeden Morgen im Monat Elul und bis Roschana Raba: Psalm 27)
| Kommentar von Eric Martienssen | → Über uns
- »Du hast es heute bewirkt, dass man von Gott sagt (he’emarta), Er solle dir Gott sein, und du wollest in seinen Wegen wandeln, seine Gesetze, seine Gebote und seine Rechtsordnungen hüten und wollest seiner Stimme gehorchen.
Und Gott hat es heute bewirkt, dass man von dir sagt (he’emircha), du sollst ein nur Ihm angehörendes Volk werden, wie Er dir verheißen hat und sollst alle seine Gebote hüten.« (26,17-18)
»Du hast heute bewirkt, dass man sagt« (Vers 17), ist im Hebräischen lediglich durch zwei Worte wiedergegeben: „he’emarta hajom“. Das auffällige „heute“ (hajom) findet in dem Kommentar „Chadaschim Labekarim“ von Joschua Pollak eine originelle Deutung. Der Zahlenwert der beiden Worte „he’emarta hajom“ beträgt 707 und entspricht dem Wort „Ha-Schabbat“, der Schabbat. Gerade der Schabbat ist der Tag, an dem das Volk Israel Zeugnis von der Herrschaft Gottes über die gesamte Schöpfung ablegt und Ihn zugleich als Leiter der menschlichen Geschichte anerkennt.
Mit unserer Parascha nähern wir uns nicht nur der Schöpfungsgeschichte der ganzen Welt, sondern auch den Rosch Haschana-Neujahrsfeierlichkeiten für den Wiederbeginn der Heiligen Schriften dieses Gottes Israels in zwei Wochen an. Quasi der Erneuerung der Heiligen Schriften, die dereinst auch für alle Menschen gedacht waren, wenn sie sich von ihren römisch-dreieinigen oder für EU-Entschädigungen und 72 Jungfrauen in die Luft sprengenden Götzen verabschieden könnten.
Zu Vers 15 des Kapitels 29 merkt Raschi an: „Ihr habt die Gräuel der götzendienerischen Völker gesehen, damit sich keiner von euch verleiten lasse, um ihnen nach zu wandeln, darum muss ich euch beschwören. Weil die Götzen so verabscheuungswürdig sind, wie Gräuel. So ekelhaft und verächtlich, wie Unrath. Die Götzen von Holz und Stein habt ihr auf freien Plätzen gesehen, weil man nicht zu fürchten hatte, dass man sie stehlen könnte.“ | RASCHI Kommentar zur Tora → klick hier!
Nun kommen wir aber zur auch gern im hinduistisch-buddhistischsten Sinne erlösenden Prophetie für alles hier unten (dereinst im Lande oben) entschädigenden Ermutigung in unserem Prophetenabschnitt Jesaja 60 (1-5):
»…Stehe auf, leuchte! denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des Ewigen ist über dir aufgegangen. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der Ewige auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und Nationen wandeln zu deinem Lichte hin, und Könige zu dem Glanze deines Aufgangs. Erhebe ringsum deine Augen und sieh! Sie alle versammeln sich, kommen zu dir: deine Söhne kommen von ferne, und deine Töchter werden auf den Armen herbeigetragen. Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird beben und weit werden; denn des Meeres Fülle wird sich zu dir wenden, der Reichtum der Nationen zu dir kommen.«
Das ist großteils auch manch eines Freundes persönlichste Hoffnung.
Schabbat Schalom
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