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Sabbat

BEGINN DES SCHABBATS
Sobald am Freitagabend die ersten drei Sterne am Himmel sichtbar sind, beginnt der Schabbat. Man empfängt den Schabbat wie eine Braut, so die bildhafte Vorstellung der Juden. Manche machen sogar beim Schabbat-Segen die Haustür weit auf, um so die Schabbat-Braut in ihr Haus zu lassen und willkommen zu heißen. Nach biblischem Verständnis beginnt der neue Tag am (Vor)abend, denn es heißt in 1. Mose: „es ward Abend und es ward Morgen, der erste Tag“. Der Ehemann geht vor Sonnenuntergang in die Synagoge und die Frau sorgt zuhause für die letzten Vorbereitungen. Mit dem Anzünden der Schabbatkerzen beginnt auch für die Frau im Haus der Schabbat. Von da an darf nicht mehr gearbeitet werden, das schließt auch jede kreative Arbeit mit ein.

SCHABBATBEGINN IM FAMILIENKREIS

Nachdem das Oberhaupt der Familie nach Schabbatbeginn von der Synagoge nach Hause kommt, sind seine ersten Worte: „Schabbat Schalom!“ – er erklärt somit den Schabbatfrieden.

Dann eröffnet man den Abend mit dem bekannten Schabbatlied: „Schalom Aleichem, Malachei HaScharet“ (dt.: Friede mit Euch, ihr dienenden Engel).

Danach lobt der Hausherr und Ehemann seine Frau nach den Versen aus Sprüche 31,10-31, dem Kapitel über „die tüchtige Frau“. Es sind 22 alphabetisch-aufgelistete Verse, die die fleissige Frau loben. (Mein persönlicher Rat an jeden Ehemann!)

Dann wendet er sich den Kindern zu, zuerst den Söhnen und sagt: „Möge Gott dich wie Efraim und Menasche machen.“ (abgl. 1. Mose 48,20) Zu den Töchtern sagt er: „Möge Gott euch wie Sarah, Rivka (Rebekka), Rachel und Lea machen“. Die Worte an die Familie enden mit dem aaronitischen Priestersegen aus 4. Mose 6,24-26: „Jewarecha Adonai ve-jischmerecha: Ja’er Adonai Panav elecha ve-jichunecha: Jissa Adonai Panav elecha ve-jassem lecha SchalomDer Herr segne dich und behüte dich! Der HErr lasse Sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der Herr erhebe Sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“

Danach wird der 23. Psalm gelesen: „Der Herr ist mein Hirte…“. Der Psalm endet mit den Worten, „Du deckst mir reichlich den Tisch… und schenkst mir den Becher überfließend ein„.

Danach spricht man den Segen über den Weinkelch, der mit Absicht bis zum Überlaufen eingeschenkt wird, als Symbol des überfließenden Segens. Manche Juden füllen den Becher mit Wasser und Wein, was Christen an Jesu Tod am Kreuz erinnert, als aus seiner Wunde Blut und Wasser floss.

Zuerst nimmt man den Wein und dann das Brot (im Christentum ist es umgekehrt) und spricht:
Baruch ata, Adonai, Elohenu melech ha-Olam, boree pri ha-Gefen – Gepriesen seist Du, Herr, unser Gott, König der Welt, der die Weinfrucht erschaffen hat.“

? Dann nimmt das Oberhaupt der Familie das Brot und spricht: „Baruch ata, Adonai, Elohenu melech ha-Olam, ha-motzi lechem min ha-Aretz – Gepriesen seist Du, HErr, unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorbringt.“
Dann wird das Schabbatbrot gebrochen, so wie auch der Leib Jesu für uns gebrochen wurde. Das Brot wird mit Salz bestreut, als Zeichen des Opfers; nach dem biblischen Gesetz musste jedes Speiseopfer mit Salz bestreut werden (3. Mose 2,13).

DER SCHABBAT-MORGEN
Nach dem Schabbat-Morgengebet liest man anschliessend aus den fünf Büchern
Mose und dem jeweiligen Prophetenabschnitt. Die Wochenabschnitte aus der Thora wurden in 54 Lesungen aufgeteilt. Zur Zeit Jesu gab es den dreijährigen Lesezyklus und nicht wie heute den einjährigen. In unserer Familie haben wir es zu einer Regel gemacht, tagsüber am Schabbat mit den Kindern über die jeweilige Lesung zu sprechen. Das ist wirklich ein Segen für die Familie!

DAS ENDE DES SCHABBATS
Nach Ausgang des Schabbats treffen sich messianische Juden zum Gottesdienst in ihren Gemeinden. Man ist nun für eine neue Woche „gut aufgetankt“ – für eine gesegnete gute Woche, denn man wünscht sich: Schawua tov!

CHRISTEN UND DER SCHABBAT
Wer sagt, dass der Schabbat heute nicht mehr für den Bibelgläubigen – ob Christ oder Jude – gültig ist?

Vielleicht sollten wir eher fragen: Was hätte Jesus am Schabbat getan? Wäre Er zur Grillparty oder an den Strand gegangen? Oder hätte Er in einer Synagoge den Schabbat geheiligt und aus der Thora gelesen? Markus 6,2 ist nur eine Schriftstelle, die uns eine klare Antwort dazu gibt, aber auch über den Apostel Paulus heißt es in Apg. 18,4: „Und er lehrte in der Synagoge an allen Sabbaten und überzeugte Juden und Griechen.“ Paulus tat dies, obwohl er unterwegs war und nicht in Israel!

Gott wiederholt in den fünf Büchern Mose immer wieder die Aufforderung:
„Schabbtotai tischmeru“ – Meine Schabbate sollst du bewahren! So auch in 3.Mose 19,3 und 30. Fast immer kommt darauf die Frage: „Was? Soll ich als Christ den Schabbat halten?“ Wenn den Christen die Bibel heilig ist, auch heiliger als alle späteren christlichen Traditionen, dann natürlich Ja! Denn es ist biblisch! Eindeutig! Nirgends lesen wir in der Bibel, dass wir den Jom Rischon, den Sonntag, den ersten Wochentag heiligen sollen. Dafür spräche lediglich, dass der Sonntag der Tag der Auferstehung ist. Die Jünger, die Apostel und die Christen der Urgemeinde hielten weiterhin den Schabbat. Mit dem Sonntag setzten sie einen neuen Feiertag ein, den Auferstehungstag, der Tag, an dem sie in ihren Häusern das Brot brachen. Er aber ersetzte nicht den schabbatlichen Ruhetag!

Gewiss: Jesus sagt in Markus 2,28: „Der Schabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Schabbats willen. So ist der enschensohn ein Herr auch über den Schabbat.“ (vgl. auch Matth. 12,8 und Lukas 6,5). Es ist aber falsch zu sagen: „Der Mensch ist Herr über den Schabbat, nicht der Schabbat über den Menschen“. Vielmehr steht hier geschrieben: „BEN-HaADAM HU ADON Ha-SCHABBAT“ – „Der Menschensohn ist Herr des Schabbats„. Es war also nicht gemeint, dass der Mensch (also wir) Herr über den Schabbat ist, wie es oft gepredigt wird. Mit dieser Aussage ist vielmehr gemeint, und das belegen alle drei Stellen in den Evangelien, der „Menschensohn – der Ben-HaAdam“ ist es, der über dem Schabbat steht. Die Bezeichnung „Menschensohn“ finden wir auch bei den Propheten Hesekiel
und Daniel. Jesus ist also der Herr über den Schabbat und nicht wir.

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