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Mischpatim: Gesetze für die Freiheit

Immer mehr Menschen haben eine Vorstellung davon, dass im Prinzip alle 613 Ge- und Verbote der Tora, die Gesetze (hebr: Mischpatim), in den Zehn im → Wochenabschnitt Jitro dem Volk Israel vom Berg Choreb herab gereichten Geboten zusammengefasst sind. Für die Völker (und besonders das Volk des scheidenden Luther-Pfarrers Gauck sowie des ihn im Bundespräsidentenamt beerbenden Kirchentagspräsidenten Steinmeier) scheint unter der Paradoxie der von Luther und Papst postfaktisch ins Gegenteil verkehrten Gesetze jedoch noch nicht vordergründig zu sein, dass die Satzungen und Rechtsgeheiße Gottes als Voraussetzung für wahrhaftige Freiheit gedacht sind. Für die Freiheit von der Knechtschaft. Für die Freiheit vom Sklavenhaus Ägyptens und von dessen vermeintlich „menschlichen“ Gesetzen. Eine Freiheit zugunsten der göttlichen Gesetze des Lebens. Schlicht für das Gelingen unseres Lebens! – Unsere Parascha beginnt wie folgt (2.Moses 21,1):Und dies sind die Rechtsordnungen, die du ihnen vorlegen sollst.“ Raschi macht uns darauf aufmerksam, dass hier we ele (und dies sind) und nicht einfach nur ele (dies sind) steht. Wenn die Tora das verbindende we (und) voranstellt, wird zu dem Bestehenden etwas Neues hinzugefügt. Hieße es nicht „und dies sind“, sondern nur „dies sind“ würde Bestehendes für ungültig oder für vergangen erklärt werden. Weitere Zusammenhänge jetzt von unserem Freund aus Ramat Bet Schemesch:

Die beiden Paraschiot Jitro und Mischpatim haben etwas gemeinsam in einer wörtlich übereinstimmenden Bekundung des Volkes Israel. Vor der gleichen Kulisse, dem Berg Gottes, Horeb, geschah zeitlich dazwischen das Ereignis, dem ich in meinen Kommentar vom 19. Januar 2014 die alle Weltgeschichte überragende Bedeutung beigemessen habe. Dabei kann die zweite Bekundung durchaus als eine Wiederholung und insofern auch als Bekräftigung des Willens des Volkes Israel angesehen werden.
Um die Tragweite dieses Volkswillens zu erkennen ist es wichtig, den Blick von dem damaligen Geschehen in die Vergangenheit und in die nähere Zukunft danach zu lenken, aber auch in die für damalige Zeiten ferne Zukunft, sprich in unsere heutigen Tage.

Ebenfalls in meinem → Kommentar vom 19. Januar 2014 wies ich auf die Berufung Moses bei dem brennenden Busch an eben diesem Berge Horeb hin und dass das, was nun besonders in den Abschnitten Jitro und Mischpatim geschieht, Moses als prophetisches Zeichen mitgegeben war. Siehe 2.Moses 3,12: Eben dies wird für dich das Zeichen sein, dass ich dich geschickt habe. Wenn du das Volk aus Mizrajim führst, werdet ihr Gottes Diener werden an diesem Berg (diese und alle folgenden Übersetzungen: Rabbiner Samson Raphael Hirsch, 1808 – 88).

Darauf hin fragte Moses den Heiligen, gelobt sei Er, nach Seinem Namen, damit er sich gegenüber dem Volke Israel auf Ihn berufen könnte. Moses wurde der Heilige Name offenbart, wie ihn selbst Abraham noch nicht gekannt hatte.

Nach dem Krieg gegen Amalek in Refidim kam Moses mit dem Volk Israel am Berge Horeb an (2.Moses 19,1 ff). Am Ort der Berufung Moses wurde nun das ganze Volk Israel von ihrem Erlöser zu Seinem Dienst berufen. Gott sprach zu ihnen zuerst durch Moses. Sie antworteten einhellig (2. Moses 19,8): Alles, was Gott gesprochen, wollen wir tun.

Hierbei ging es allerdings nicht um die Frage, ob man auch das tun kann, was man nicht verstanden hat, oder dass man auch Bedingungen stellen könnte, bevor man zur Tat bereit ist. Hierbei ging es vielmehr um etwas ganz anderes!

Israel war ja gerade aus der Sklaverei errettet worden, wo sie Pharao und den Ägyptern dienen mussten. Bei den ganzen Wundern ihrer Befreiung hatten sie gelernt, dass die Freiheit darin beruht, nun nicht eigenwillig zu werden, sondern im Gegenteil einem höheren Willen gehorchen zu dürfen, den Willen des Schöpfers von Himmel und Erde in die Tat umsetzen zu dürfen, den sie gerade als ihren Erlöser kennengelernt hatten. Es geht hier ganz entschieden nur um die Frage, wessen Diener sie sein wollen, wessen Willen sie in die Tat umsetzen wollen. Sie bekunden aus reinem und ungeteiltem Herzen: Alles, was Gott gesprochen, wollen wir tun.

Hat Israel damit nicht eindeutig bekundet, dass sie nie mehr das tun wollen, womit jemand dem, was Gott gesagt hat, also dem Willen Gottes, widerspricht? Adam hatte sich davon abbringen lassen, das zu tun, was Gott gesprochen hatte. Adam hatte das getan, was die Schlange gesprochen und damit dem Wort Gottes widersprochen hatte.

Abraham hatte zehn Treueprüfungen Gott gegenüber bestanden. Gott hatte ihn dafür gesegnet, mit ihm einen Bund geschlossen und ihm den Segen für seine Nachkommen verheißen und ihm das Land zugeschworen.

So wie wir am Berg Moriah Abraham Gott dienen sahen, sehen wir nun Abrahams Nachkommen am Horeb Gott dienen, der sich ihnen unterdessen nicht nur als ihr Schöpfer, sondern auch als ihr Erlöser offenbart hat.

Das ist die Einleitung zur größten Stunde der Weltgeschichte, in der ER ganz Israel an diesem Berg Horeb erscheint und ihnen das bringt, was sie im Garten Eden zurücklassen mussten, die Früchte vom Baum des Lebens. Kann es etwas geben, wovon das Leben und die Freiheit (Gedicht → Freiheit oder Frechheit?) so unmittelbar abhängt wie das Wort, das Gott gesprochen hat?

Moses führte das Volk hinaus, Gott entgegen aus dem Lager (2.Moses 19,17). Nun stand das Volk nicht vor einem brennenden Busch an dieser Stelle, sondern der Berg Sinai dampfte ganz, weil Gott auf ihn im Feuer sich hinabgelassen … Wo hat je ein Volk so unmittelbar die Nähe des Schöpfers von Himmel und Erde erlebt, wie hier in der Stunde, als ER sich ihnen als ihr Erlöser offenbarte? Die Zehn Gebote hörten sie unmittelbar aus Gottes Mund. Dabei stand Moses bei ihnen wie einer von ihnen. Sie baten ihn aber, er solle nun für sie mit Gott sprechen und dann auch mit ihnen, denn sie fürchteten um ihr Leben.
Die Gegenwart Gottes erlebte Moses auf dem Berge Sinai noch so lange, bis Gottes Offenbarungs-Stätte als Mittelpunkt innerhalb des Lagers Israels eingeweiht war, auch alle Anweisungen zum Bau des transportablen Heiligtums und die daraus resultierenden Gebote von den 613 Geboten der Tora. Erst dann ließ sich die Wolke über der Stiftshütte nieder und Gott sprach mit Moses wie ein Mann mit einem anderen Mann redet zwischen den Cherubim auf dem Deckel der Bundeslade hervor.

So empfing Israel am Berg Sinai bereits auch alle Mischpatim durch Mosche. Am Ende der Paraschat Mischpatim lesen wir dann wieder fast im gleichen Wortlaut und wieder einstimmig in 2. Moses 24, 3 die Worte des Volkes Israel: Alle die Worte, die Gott gesprochen hat, wollen wir vollbringen. Ab Vers 4 – 8 lesen wir:
Darauf schrieb Moses alle die Worte Gottes nieder, stand am Morgen früh auf, baute einen Altar unten am Berge, und zwölf Gedenksteine für die zwölf Stämme Israels,
und schickte die Jünglinge der Söhne Israels, sie brachten Empor-Opfer und opferten Gott Friedensmahl-Opfer von Stieren.
Da nahm Mosche die Hälfte des Blutes und behielt es in den Becken, die andere Hälfte des Blutes aber hatte er an den Altar hin gegossen,
nahm das Buch des Bundes und las es dem Volke vor. Da Sprachen sie: Alles, was Gott gesprochen,wollen wir tun und hören.
Dann nahm Mosche das Blut, goss es gegen das Volk hin und sprach: Seht da das Blut des Bundes, den Gott mit euch über alle diese Worte geschlossen hat.

GesetzeZitat aus dem Hirsch-Kommentar zu 2. Moses 24 Vers 7: Sefer HaBrit (Buch des Bundes): das Vers 4 niedergeschriebene Gesetz, das ihnen bereits Vers 3 mündlich vollständig mitgeteilt und durch ihr Erfüllungsgelöbnis zur Bundesverpflichtung erwachsen war. – na´asse wenischma (wir wollen tun und hören). Oben (24,3) nach der mündlichen Darstellung der Gesetze, genügte das Gelöbnis : na´asse (wir wollen tun). Es waren ihnen ja die Gesetze völlig detailliert zum Bewusstsein gebracht. Demgegenüber war nur „Erfüllung“ zu geloben. Die Schrift enthielt aber nur die Gesetze in ihren kurz gefassten Grundnormen, wie wir sie in der Schrift vor uns haben, die Detail-Darstellung verblieb der mündlichen Belehrung und der Auffassung im Geiste durchs Gehör. Dem zu lesenden, geschriebenen Gesetze gegenüber würde sich das „wena´aseh“-(wir wollen tun)- Gelöbnis nur auf den, ohne mündliche Überlieferung unvollständigen, Wortlaut beziehen. Sie fügten hier daher: „wenischmah“ (und hören) hinzu, und sagten damit: Alles, was Gott gesprochen, nicht nur die uns hier vorgelesenen Grundzüge, wollen wir vollbringen, und zu diesem Ende auch „hören“, d. h.: uns durch Kennenlernen und Beachten des mündlich Verbliebenen in den Stand setzen, den göttlichen Willen wirklich und vollkommen zu erfüllen.
Im „Schma Israel“ erleben wir es täglich, wie es einfach darauf ankommt, sich an Gottes Wort zu orientieren. Das Geheimnis der Tat des göttlichen Willens heißt darin: …und du sollst lieben…

An dieser Stelle möchte ich Dir, lieber Eric, persönlich dafür danken, wie Du im Einleser s. o. das Gesetz Gottes als das Geheimnis des Erlösers zur Freiheit sichtbar gemacht hast als Voraussetzung für die wirkliche Freiheit. Was geschieht heute nicht täglich in der Welt, die von Missionaren und lutherstaatlichen Fake News dieser Voraussetzung der Freiheit völlig beraubt wurde – und alles „im Namen des Volkes“, Demokratie?

Der „Schalom al Israel“ möge bald der ganzen Welt zum Segen werden!

Mehr dazu in „Kernfragen des Judentums“:
Tun oder Verstehen – was kommt zuerst?


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