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BeSchalach: All Jüdischkeit den Himmeln singt

Der ehemalige Großrabbiner Sacks brachte vor drei Jahren einmal diesen denkwürdigen Satz hervor:

Rabbi Sacks Foto: coopermiall

Rabbi Sacks Foto: coopermiall

Die Tora ist Gottes Lied, und gemeinsam sind wir ihre Sänger.“ Mehr dazu weiter unten. Man könnte auch unzählige sowohl intellektuell-verkopfte wie auch der aktuellen Siedlungsbau-Politik gerecht werdende Kommentare über speziell diesen, heuer sogar um Tu biSchwat ergänzten Tora-Wochenabschnitt schreiben, alleine schon wegen der Errettung Israels nach Durchzug – trockenen Fußes – des Schilfmeeres, in welchem das gesamte nachfolgende Heer des Pharao Ägyptens völlig ertrank. Doch könnte es – menschlich, seelisch – nicht viel angebrachter sein, auch einmal die innigsten „Gefühle“ der Juden zu betrachten, nachdem der Feind versank, der sie auslöschen wollte und nach wie vor will? Zumindest was Iran, Abbas und sein Palästinenservolk anbelangt? Die Lobeslieder der Frauen der Juden, die man unter den sechshunderttausend aus Ägypten Ausgezogener nicht einmal mitgezählt hatte, sind sie nicht gefühlsmäßig viel relevanter, emotional engagierter, als die männlichen? Nun, das ist nur ein Grund, warum unser „Schabbat Beschalach“ den Beinamen „Schabbat Schira“ (Schabbat des Liedes) trägt und sogar die Haftara das Siegeslied einer Frau, der Deborah, laut erschallen lässt. Keiner Geringeren als einer Prophetin und Richterin also! Hier geht es um das Gefühl überschwänglicher Freude, das die Rationalität des Kopfes schwerlich hervorbringen kann. Hören wir einmal rein in das Wort der Tora, das jetzt und hier ein Gesang ist:

Parascha „BeSchalach“ (Als ziehen ließ): 2. Moses 13,17 – 17,16 || Richter 4,4 – 5,31
Sabbat-Kommentar

    „Miriam die Prophetin, Ahrons Schwester, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen heraus, ihr nach, mit Pauken und im Tanz. Da entgegnete ihnen Miriam: singet zu Gott, denn hoch, hoch ist Er, Pferd und Reiter hat Er ins Meer geschleudert“. (Schmot – 2.Moses 15,20-21)

Kann „Mann“ glücklicher feiern? Zumal dieses Gefühl in 2. Moses 12,38 („viel Schwarmgemeng [Mischvolk, also Nichtjuden] zog mit ihnen hinauf“) auch alle Nichtjuden übermannt, die auch heute wieder mit den Juden vereint aus ihrem christlichen Ägypten ins Land und Volk Israel ziehen? Für Ramban (Rabbi Mosche ben Nachman) gilt es, nicht nur die Frau sondern auch andere sonst weniger in den Vordergrund tretende Menschen mit gleicher staatstragender Bedeutung in die Mitte der Betrachtung zu stellen. Nachdem schon 20 Verse zuvor das „Schira Mosche“ (Lied des Mosche) erklungen und Miriam bereits erwähnt worden war, möchte die Tora den dritten des Geschwistertrios nicht ungenannt lassen, und erwähnt (als Zeichen des Respekts ihm gegenüber) in besonderer Weise auch Ahron.

Welch krasser Unterschied wird hier sichtbar zwischen dem Respekt Gottes in Seinem Wort und der Respektlosigkeit anderer Menschen und Religionen Ihm gegenüber; gerade heute, da palästinensische Terroristen – nicht anders als die dank Merkel und Schulz nunmehr in Europa angekommenen muslimischen Islamfundamentalisten – unter dem Beifall und Sponsoring der Merkel’schen Bundesregierung → s. ARD-Kontraste vom 25.08.2016: „Deutsche Steuergelder für Terroristen?“ – mit überwältigender Zustimmung der Weltgemeinschaft geradezu Amalekitische Verbrechen gegen Israel vollstrecken. Wegbereiter dieser „neuen deutschen Welle“ war niemand Geringerer als der „Knesset“ Fake News-En­t­re­pre­neur Martin Schulz mit seiner Judenstern ähnlichen Etikettierungspflicht von Siedlungsprodukten beim Export in die europäische Bodenlosigkeits-Union.

Davon unbeirrt postuliert der Ewige, gelobt sei Er, im letzten Absatz unserer Parascha seine Vorhaben mit den sich heute auf den Koran ebenso wie auf das Neue Testament berufen könnenden muslimisch-christlichen Israelhassern:

„Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es Josua ein; denn ich will Amalek unter dem Himmel austilgen, dass man seiner nicht mehr gedenke. Und Mosche baute einen Altar und nannte ihn: Der Ewige, mein Feldzeichen! Und er sprach: Die Hand an den Thron des Ewigen! Der Ewige führt Krieg gegen Amalek von Kind zu Kindeskind.“ (17,14-16)

Weil das vielen Gott- und Weltverbesserern (durchaus auch unter Rabbinern – wie schnell man doch Schoa, UN-Resolutionen, EU-Boykotts und die Existenz des Neuen Testaments gegen Israel vergisst?) dann doch zu weit geht, geht’s bei uns auch gleich weiter mit dem „Gesang“ des ehemaligen (1991 bis 2013) Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the Commonwealth, Prof. Sir Jonathan Sacks:

„Worte sind die Sprache der Vernunft. Musik ist die Sprache der Seele. Das Judentum ist eine Religion der Worte, und doch, wenn immer die Sprache des Judentums sich auf die geistliche Ebene erhebt, bricht sie in Gesang aus, als ob die Worte selbst Ausflucht suchten aus der Schwerkraft der endlichen Bedeutungen. Es liegt etwas in einer Melodie, die eine Wirklichkeit deutet, die außerhalb unserer Reichweite liegt, was William Wordsworth beschrieb, als den „sublimen Sinn /mit etwas viel Tieferem vermischt/dessen Wohnung das Licht von untergehenden Sonnen ist /und der runde Ozean und die lebendige Luft.“ Musik steht im Mittelpunkt der jüdischen Erfahrung: Wir beten nicht, wir dawnen, was bedeutet, wir singen die Worte, die wir zum Himmel richten. Wir lesen die Tora nicht, sondern wir singen die wöchentliche „Lesung“, jedes Wort mit seiner eigenen Kantabilität. Auch rabbinische Texte werden nie nur studiert, wir singen sie mit dem besonderen Sing-sang, den alle Studenten des Talmuds kennen. Jede Zeit und jeder Text hat ihre bzw. seine spezifischen Melodien. Das gleiche Gebet kann mit einem halben Dutzend verschiedener Melodien gesungen werden, je nachdem, ob es Teil des morgendlichen, nachmittäglichen oder abendlichen Gottesdienstes ist, und ob es sich um einen Wochentag oder den Schabbat, um ein Fest oder um einen der Hohen Feiertage handelt. Es gibt verschiedene Kantabilitäten für biblische Lesungen, je nachdem, ob der Text aus einem der Mosebücher, der prophetischen Literatur oder den Ketubim, den „Schriften“, stammt. – Musik ist die „Landkarte“ des jüdischen Geistes, und jede geistliche Erfahrung hat ihre eigene, unverwechselbare, melodische Tonalität.“

Klick → Die Tora als Gottes Lied – der Gesamtvortrag von Rabbiner Sacks,
klick → Tora vom Himmel – Rabbi Sacks‘ Vergleich: Tanach vs Altes Testament.

Und Prof. Yizhak Ahren schreibt in seinem Buch „VERKNÜPFUNGSPUNKTE – Warum gerade dieser Psalm?“
(welches der Unterzeichner einst die Ehre und Freude hatte, redigieren zu dürfen – Verlag: Kiebitz Edition):
„Psalm 66 – Gesang der Erlösten – Den Schabbat, an dem der Wochenabschnitt Beschalach vorgelesen wird, nennt man „Schabbat Schira“, Schabbat des Liedes. Gemeint ist das Lied am Schilfmeer, das die Israeliten nach ihrer wunderbaren Errettung gesungen haben … Auch in Vers 7 des Psalms können wir eine Andeutung auf die Worte im Wochenabschnitt Beschalach entdecken. Die Erlösten sprachen (und wir wiederholen diesen Tora-Vers morgens und abends [stehend] im Gebet): „Gott wird König sein immer und ewig!“ (Schemot 15, 18). Im Psalm steht: „Er herrscht in seiner Stärke ewiglich, seine Augen schauen auf die Völker. Die Ungehorsamen mögen sich nicht erheben!“ Die Ereignisse am Schilfmeer sind eine ewige Lehre, dass Gott das bedrängte Volk erlöst – und die Verfolger bestraft hat. – Erwähnenswert ist, dass unser Psalm ausdrücklich auch die nichtjüdische Welt auffordert, aus historischen Begebenheiten die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Gehet hin und seht die Wirkung Gottes, wie furchtbar im Handeln Er ist über den Menschensöhnen“ (Vers 5). Rabbiner Hirsch schreibt in seinem Kommentar: „Gehet einmal hin, lautet daher der Aufruf an die Völker und ’seht‘ – in Israels Geschichte – die Wirkungen Gottes. In Israels Geschichte liegen sinnlich wahrnehmbare, nicht wegzuweisende Tatsachen da, die Gottes Wirken und Walten demonstrieren.“

Schabbat Schalom,
Ihr Eric Martienssen


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