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CHUKAT – GG Grundgesetz Gottes

4. Moses 19,1 – 22,1 || Richter 11,1-33

Kommentar von Eric Martienssen:
GOTT_MIT_UNS_KoppelDerweil der NATO gläubige Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen in Den Haag vorgestern sein Urteil gegen Russlands Freund auf ewig China in DIE WELT hetzte, scheint uns der aktuelle Tora-Wochenabschnitt „Chukkat“ mit dem „Grundgesetz“ GOTTES – bevor es für deutsche Schöngeister wie bei deren letzten Überfall auf Russland am 22. Juni 1941 (die Worte „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss) wieder einmal zu spät sein könnte – zum Nachdenken über denkbar größtmögliche Gegensätze anregen zu wollen. Welch Geistes Kind bist du?

Zugegeben lenkt das hier gebrauchte Wörtchen Geist des Menschen vom Gesetz Gottes ab wie kein zweites. Doch es mag sogar eine Religion geben, die ihren Geist heilig spricht, gerade weil er dem Gesetz Gottes diametral entgegen steht. In jeder Hinsicht. Nehmen wir zur Veranschaulichung dieses Gegensatzes doch am besten gleich einmal die Sicht auf das Wesentlichste überhaupt: das Wesen des Messias / Maschiach nach Rabbi Ben Maimon (RaMBaM):

    Sollte daher ein König vom Stamme David erstehen, der «seinen Geist der Thora zuwendet» und wie der Stammvater David die Gebote erfüllt, sowohl der schriftlichen wie der mündlichen Lehre, auch ganz Israel veranlasst, nach der Thora zu leben und sie zu befestigen, so kann er für den Messias gehalten werden; nimmt seine Wirksamkeit einen glücklichen Verlauf, besiegt er die Nationen der Umgebung, erbaut den Tempel und versammelt die Zerstreuten Israels, so ist kein Zweifel mehr, dass es der richtige war…(vgl: Mischneh Torah, Hilchath Melachim, Kap. II.)

Der Rabbiner von Nazareth war zwar unbestritten vom Stamme Davids, doch hat er keine „Nationen der Umgebung besiegt“, nicht eine einzige! Dies ist jedoch entsprechend des Grundgesetzes Gottes, der Tora (5. Moses 25,19), unabdingbares Wesensmerkmal dafür, dass es Gottes Messias ist. Der Pontifex, der bis heute von Rom aus über seine eigenen Gesetze wacht, hatte sich, nachdem er Gottes Tempel in Jerusalem (70 u.Z.) zerstörte, die Seinen immer weiter für seine eigenen menschlichen Katastrophen begeistert.

Doch, ganz nüchtern orthodox, gibt bezüglich des ersten Kapitels unseres Lesungstextes auch König David selber zu (Midrasch Tanchuma, Paraschat Chukat): Ich sagte mir, ich muss mir noch viel Weisheit aneignen, und doch ist sie [die Satzung: Rote Kuh] so weit von mir entfernt. – Hier beginnt es, zu menscheln: Das liberale Judentum, das sich dem Neoliberalismus des gesetzlos römisch wilden Westens, der uns heute in die erlogenen Kriege gegen alles „Jüdisch-Bolschewistische“ führt, mit voller Begeisterung an den Hals wirft, dieses liberale Judentum macht sich König Davids demütiges „Defizit an Weisheit“ zum Gesetz, von wegen: was ich nicht verstehen kann, muss ich auch nicht befolgen. Und überhaupt, sind die alten Gesetze Gottes nicht in ihrer alten Zeit zu sehen? Wir müssen sie der neuen Zeit anpassen, das ist das Gesetz für uns liberale Juden! Entsprechend geben jüdisch-liberale Eltern das Grundgesetz Gottes, die Satzungen, nicht mehr im Geist des Ewigen, gelobt sei Er, an ihre Kinder weiter, sondern in ihrem eigenen Geist, nach eigenem Ermessen. So kann ein liberaler Jude schon in zweiter Generation nicht mehr erkennen, was Gott denn überhaupt mit seinen Rechtsverordnungen wollte. – Hier finden wir also den krassesten Gegensatz zum orthodoxen Judentum, das sich über Jahrtausende hinweg mit der Frage diszipliniert, was zuerst kommen muss, das TUN der Tora, oder das VERSTEHEN der Tora (s. Fragen an das Judentum)?

Eines der wichtigsten Prinzipien des „Erstgeborenen Sohnes“, des Judentums im Geiste Gottes, ist der vorauseilende Gehorsam gegenüber den Gesetzen der Tora, die Juden tun „wollen“, bevor sie sie verstehen – also: na’ase [wir werden sie tun / halten] dann w’nischma [und wir werden sie verstehen]. Wörtlich heißt es im 2. Moses 24,7: Alles, was der Ewige gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören! Wer als liberaler, progressiver Jude oder als Christ jemals in der größten Synagoge der „alten Welt“ wie man in den USA sagen würde, also in der Großen Synagoge Budapest einen Gottesdienst besuchte, wird sich wie zuhause gefühlt haben: Eine unendliche, alle Sinne berauschende Schönheit, Orgelmusik, von Gesangsstimmen und Chören himmlisch begleitet, Männer und Frauen sich in freundlichem Verständnis einander zuwendend, während im Hintergrund nur ein geringer Teil der Parascha „angelesen“ wird, damit der Dienst für Gott bloß nicht zu lange dauert. Weltliche Harmonie in Vollendung. Doch sie hat mit Gott, seinen Gesetzen „für“ Seine Kinder – ganz nüchtern, wenn du etwas nicht verstehst: Geh, lerne die Tora – nichts zutun.

Im nächsten Kapitel (20), Trauer! Sie ist keinem von uns fern. Im Gegenteil: sie soll uns nahe gehen. Auch Mosche Rabbenu lässt sie so sehr verzweifeln, dass er, der größte Prophet aller Zeiten aber eben auch ganz und gar Mensch der Gefühle (was für eine Kombination!), den größten Fehler seines für uns alle auf ewig vorbildlichen Lebens begeht. Und hier ist der Grund:

    Und es kamen die Bne Jisrael, die ganze Gemeinde, in die Wüste Zin im ersten Monat, und das Volk ließ sich in Kadesch nieder. Da starb dort Miriam und wurde dort begraben. Und es gab kein Wasser für die Gemeinde… (Bamidbar 20,1-2)

Wie sehr hatte Moses seine Schwester geliebt. Das Judentum, Israel, ist das Volk der Prophetie, doch in erster Linie eine Erinnerungsreligion (daher die Kraft). Also erinnern wir uns. Woran? Natürlich an Ägypten, woran denn sonst:

    (2. Moses 2,3) Da nahm sie für ihn ein Kästchen aus Papyrusschilf, verklebte es mit Erdharz und Pech, legte das Kind hinein und legte es ins Schilf am Ufer des Nils. Seine Schwester stellte sich etwas weiter ab, um zu erfahren, was mit ihm geschehen würde. Da kam die Tochter Pharaos an den Nil, um zu baden, und ihre Jungfrauen wandelten am Rande des Nils und sie erblickte das Kästchen […] und sprach: „Das ist eines von den Kindern der Hebräer“. Da fragte seine Schwester die Tochter des Pharao: „Soll ich hingehen und dir von den Hebräerinnen eine Amme rufen, dass sie Dir das Kind säuge? […] „Nimm dies Kind mit und säuge es mir, ich will dir den Lohn dafür geben!“

Und ihr Lohn war stets die überschwängliche Liebe ihres Bruders Moses – selbst als Mirjam ihm später vorwarf, sich eine kuschidische Frau genommen zu haben, und – ohne Qualifikation und/oder Berufung wie der Bande um Korach in unserer letzten Parascha – sogar darauf beharrte, selbst mit dem Ewigen, gelobt sei Er, reden zu dürfen, deswegen sogar vom Ewigen mit Aussatz, schneeweiß, bestraft wurde. Mosches Liebe für sie blieb unerschütterlich, die sich daran stets erinnerte, was sie für ihn, dem Erstgeborenen Sohn in Ägypten getan hat; somit also auch für ganz Israel. Erinnerung?

. . . . . . . . Ergänzung der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .
Stichpunkte der Parascha Chukkat
nach dem jüdischenHawdala-Kalender (JETZT 5777 bestellen!):
< Rote Kuh - Reinigungswasser. Haderwasser - Kadesch. Mirjams und Aharons Tod. Kupferne Schlange. Sieg über die Könige Sichon und Og. || Jiphtach bezeugt, wie der Ewige Israel das Land der Emoriter gegeben und besiegt die Ammoniter > Psalm 95

Nein, Durst! Keine Erinnerung des Volkes, keine Liebe zu unserer Erretterin und unserem Erretter in Personalunion (der Ewige ist Frau und Mann, Singular und Plural). Jetzt, im vierzigsten Jahr der Wüstenwanderung immer noch der gleiche Zweifel an Gott. Statt Erinnerung an das Erste Gebot:
Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, dem Sklavenhause, geführt hat

der Vorwurf an Moses wegen des Durstes:
Warum habt ihr die Gemeinde des Ewigen in diese Wüste gebracht; nur damit wir und unser Vieh hier sterben? Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt?
Seine heiß geliebte Schwester gerade verloren und dann sowas: Diese himmelschreiende Undankbarkeit, Ungerechtigkeit, Gottverlassenheit. Zur übergroßen Trauer gesellt sich Zorn (wie wir alle das bis zum heutigen Tag noch nach dem Verlust eines geliebten Menschen empfinden), und er sprach:
Hört doch, ihr Widerspenstigen, werden WIR euch wohl aus diesem Felsen Wasser hervorbringen können?“ Und Moses erhob seine Hand und schlug den Felsen zweimal, da kam viel Wasser heraus und die Gemeinde und ihr Vieh tranken.
Indes, als ihm und Aaron zuvor die Herrlichkeit des Ewigen erschienen war vor dem Stiftszelt, da hatte der Ewige, geheiligt sei Er, ganz klar zu Mosche gesagt:
Nimm den Stab, versammle die Gemeinde, und
rede vor ihren Augen mit dem Felsen, dass er sein Wasser gebe!

In der tiefen Trauer um seine geliebte Schwester war Mosche so durcheinander, dass er ungehorsam wurde (…und da kann es auch ganz menschlich schon einmal passieren, dass sich einem fremde Geister wie die der Emoriter in den Weg stellen.) Moses hatte ebenso, wenn auch auf andere Weise wie das Volk, mit diesem Gott, den er doch eigentlich so liebte, gehadert. Von einem Führer erwartet Gott jedoch unbedingten Gehorsam gegenüber Seinem Gesetz, Gottes Wort! Und, vor allem, ohne jede Allüren, Anmaßungen und Eitelkeiten von wegen: werden WIR euch wohl aus diesem Felsen Wasser hervorbringen können! Zur Strafe durfte Moses das Land, darin Milch und Honig fließen, das Land, das den Vätern versprochen ward, „damit ihr [Israel] darin wohnet“, selber niemals sehen.

Besonders (menschlich) herzlich, Schabbat Schalom!


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