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3 Trauerwochen – Warum

17. Tamus - Tischa beAw

17. Tamus – Tischa beAw

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Die Völker dieser Welt bauen sich ihre Heiligtümer wie sie wollen, und beschäftigen dort sogar Priester und Pfleger dieser Stätten. Sie betreiben damit ihren Kult, oft genug auch Personenkult, repräsentiert also von Menschen an bestimmten Orten, und bilden darin ihre Schüler aus. Diese Priester und Denkmäler, Tempel und Altäre müssen warten, bis du zu ihnen kommst.

Nicht so sie Kinder der Zeit, schreibt Rabbiner Samson Raphael Hirsch, sie kommen zu dir, … und allgegenwärtig wie die Gottheit, die sie sendet, treten sie zu allen zu gleicher Zeit und erfüllen in einem Moment Millionen mit einem Gefühl und einem Gedanken … . Zuvor schreibt er: Den scheinbar flüchtigsten Elementen hat Gott die Pflege Seiner Heiligtümer anvertraut… (Hirsch auch bzgl.→ Gebet für Wiederherstellung des Tempels, Messias etc.)

Das erste Heiligtum, das der Schöpfer des ganzen Universums, der allein der Ewig Heilige ist, erschaffen hat, war das Heiligtum in der Zeit, der Schabbat. In der Sklaverei in Ägypten war dieses Heiligtum für Israel wie nicht vorhanden. Als Ihr Schöpfer an ihnen als der Erlöser der Menschheit sichtbar in Erscheinung trat, vollbrachte ER Wunder zu ihrer Erlösung und zur Befreiung von ihren Quälern, Seinen Feinden. Bevor Israel zum Berg Sinai kam, wo sie lernen sollten, ausschließlich Ihm, ihrem Schöpfer und Erlöser, allein zu dienen, gab Er ihnen dazu das verloren gegangene Heiligtum, den Schabbat, erneut bereits in der Wüste.

Mit dem Tag ihrer Befreiung aus der Sklaverei gab Er ihnen auch den ersten Einblick in Seinen Kalender, der ganz wesentlich dazu dient, und zwar heute noch, den Erlöser und das Erlösungswerk in diesem Leben im Gedächtnis und in der Lebenspraxis lebendig zu erhalten, also Ihm allein dienen zu können. Von da an dient der Schabbat nicht nur zum Gedenken des Schöpfers und Seines Schöpfungswerkes, sondern ebenso des Schöpfers, dass Er selbst auch der Erlöser ist und es keinen anderen Erlöser gibt. Damit bekam Israel ein weiteres Heiligtum in der Zeit, die Festzeiten, die Fest-Schabbatot, heilig dem Schöpfer und Erlöser, und auch heute noch zu unserer Heiligung.

Wer den heiligen von Gott gegebenen und gebotenen Kalender Israels in die Hand nimmt, findet darin heute leider nicht nur den Heiligen Schabbat jeder Woche und die Heiligen Festzeiten des Jahres, sondern auch Fasten- und Trauertage. Da wird es sehr ernst, und das gehört auch zum Erlösungswerk des Heiligen, gelobt sei Er.
Da gibt es einen Hohen Feiertag, an dem die Heiligung nicht nur wie am Schabbat und am Jom Tov während 25 Stunden nicht verletzt werden darf, sondern an dem sich alle Diener des Schöpfers und Erlösers 25 Stunden kasteien, also auch nichts essen und trinken, also streng fasten sollen. Das ist der Jom HaKippurim der Schabbat Schabbaton. Dieser Tag macht besonders sichtbar, dass Gottes Erlösungswerk mit der ganzen Menschheit heute noch, auch nach Jahrtausenden, noch nicht abgeschlossen ist, und im Jahreszyklus der Mensch auch noch besonderer Zeiten der Sühne und der Versöhnung bedarf.

Die Erlösung aus Ägypten ist historisch einer der wichtigsten Schritte zur Erlösung von der Sünde (Erstes Gebot). Die Geschichte Israels ist also voller Meilensteine auf dem Wege zur Erlösung der ganzen Menschheit. Statt dass es auf diesem Wege immer leichter wird, ist das Gegenteil der Fall. Es spitzt sich alles immer weiter zu. Der Holocaust vor 70 Jahren mit über sechs Millionen ermordeter Juden, ist einer der schwersten Gründe der Trauer für ganz Israel.

Wir sind bei der Frage nach dem „Warum“ der Trauerzeiten im Kalender Israels von der Frage nach den Heiligtümern Israels ausgegangen, und haben diese so weit nur als Heiligtümer in der Zeit erwähnt. Das Geheimnis der Erlösung innerhalb der Feiertage Israels hat einen besonderen historischen Höhepunkt mit Bedeutung über die Weltgeschichte hinaus bis in alle Ewigkeit. Das ist der 50. Tag nach dem Auszug Israels aus der Sklaverei in Ägypten. Es war das erste eigentliche Ziel ihres Weges durch die Wüste, die Begegnung mit dem Schöpfer und Erlöser der Welt, also mit ihrem Erlöser. Da ist zum Heiligtum in der Zeit das Heiligtum im Raum hinzugekommen und zwar als Ort der Aufbewahrung des in aller Zeit und alle Ewigkeit Allerheiligsten, dass ihnen ihr Erlöser an diesem Tage anvertraut hat. Allen Menschen, die dort am Berge Gottes vor ihm standen, hat Er dieses Allerheiligste durch ihre Ohren anvertraut, das Zehnwort, die Zehn Gebote Gottes [→Die 10 Gebote im aktuellen Vergleich]. Wer sich in diesem Leben danach zu richten lernt, braucht sich um die Ewigkeit, nachdem er die Welt verlassen hat, nicht zu sorgen. Diese zehn Gebote gab Gott Israel aber auch schriftlich eingraviert in zwei Tafeln aus Stein zu Moses Händen.

Das hat etwas mit dem Garten Eden zu tun, dem Paradies, das der Schöpfer dem zu Seinem Ebenbild geschaffenen Stellvertreter anvertraut hatte. Die Geschichte vom Sündenfall setze ich als bekannt voraus. Was war der eigentliche Verlust für Adam und Eva, als sie aus dem Garten Eden vertrieben wurden? Nicht nur ihr eigenes Leben, denn sie wussten nun, dass sie sterben würden, sondern der Baum des Lebens, wobei der Genuss von dessen Früchten das Ewige Leben bedeutet hätte. Davon hatte sie die Sünde durch dend Rat der Schlange getrennt. Das war der traurigste Punkt ihres weiteren Schicksals. Hoffnung gab ihnen ihr Schöpfer jedoch in der Verheißung, dass unter ihren Nachkommen Menschen sein werden, die der Schlange „den Kopf zertreten“ werden, also die Sünde überwinden, ihrem Schöpfer und Erlöser allein zu dienen. Der Zugang zum Baum des Lebens wird ihnen wieder geöffnet werden. Das ist dieser 50. Tag.

Diese 50 Tage werden in Israel jedes Jahr einzeln und innerhalb der sieben Wochen gezählt. Vor einem Jahr habe ich durch einen Beitag mit 50 Strophen daran erinnert, in einer Fortsetzung dazu jedoch weitergezählt bis zur 91, dem 17. Tamus. Was mit Adam und Eva im Paradies geschah unter dem Einfluss der Schlange, die die Rolle des Erlösers spielte und den Menschen zu dem Glauben bringen wollte, sie könnte den Menschen von ihrem Schöpfer und Erlöser erlösen, spielt sich seitdem im Lauf der Weltgeschichte immer wieder ab. Menschen werden daran gehindert, Gottes Wort zu folgen und Gott zu dienen. Die sich davon abbringen lassen, ihrem Schöpfer und Erlöser zu gehören, haben in dieser Welt den Vorteil, fast immer der Mehrheit anzugehören und wähnen sich dadurch im Recht, eventuell sogar im Recht, die Minderheit zu beseitigen! Mehrheit bedeutet Macht! Wo bleibt dabei das Recht? Was ist der Maßstab des Rechtes?

Das liegt in Gottes Hand und wurde an diesem 50. Tag einer Minderheit offenbart, die vorher extra dafür aus einer Mehrheit befreit wurde. Von wem? Von dem Allmächtigen, dem Heiligen, gelobt sei ER!
Unter den Befreiten hatte die Schlange aber immer noch Einfluss. Das bekam Moses zu sehen, als er vom Berg Sinai den Maßstab in der Hand trug. Es gab noch kein Heiligtum im Raum, wo er die beiden Tafeln hineinlegen konnte, aber das Volk tanzte um ein goldenes Kalb. Da zerschmetterte Moses die Tafeln am Fuße des Berges. Das war am 17. Tamus. Das Wunder des Schöpfers geschah trotzdem, nachdem Er ein Strafgericht über die Übeltäter brachte, und von ganz Israel wurde dann das Heiligtum gebaut. Der Heilige Israels ließ Moses zwei neue Tafeln aus Stein hauen und auf den Sinai hinauf bringen, wo er denselben Wortlaut eingravierte. Damit wurde das Heiligtum eingeweiht, und in der Wüste das erste Pessach gefeiert, der erste Jahrestag des Auszuges aus der Mehrheit der Sklavenhalter, von den Erlösten vereint mit ihrem Erlöser.

Die Schlange hörte dagegen nie auf, die Rolle des Erlösers zu spielen und brachte es so weit, dass erst 40 Jahre vergehen mussten, bevor das Volk Israel das ihm von seinem Erlöser zugeschworene Land Israel betreten konnte. Dort machte erst nach Jahrhunderten König David Jerusalem zur Hauptstadt und sein Sohn Salomo konnte das nun feststehende Heiligtum errichten an dem Ort, an dem Abraham den Altar gebaut hatte, um nach Gottes Wort seinen Sohn Jizchak darauf zum Ganzopfer (Holocaust) darzubringen. Gottes Gegenwart an diesem Ort hielt Abraham auf und ließ ihn einen Widder (mit zwei Schofar-Hörnern!) an Jizchak´s Stelle opfern. Dem ist wiederum ein Heiligtum in der Zeit gewidmet, das Fest des Blasens, an dem heute noch in allen Synagogen das Schofar, das Widderhorn ertönt, Rosch HaSchana, der Neujahrstag des Sonnenjahres. Es war die zehnte Prüfung Abrahams, aus all denen er als vollkommen hervorging, der Stammvater des Volkes Gottes zu sein, und für seinen Sohn Jizchak desgleichen, dessen Sohn wiederum dann von Gott selbst den Namen Israel bekam.

offen gelassener Putz - in Bau befindlich: Dritter Tempel

offen gelassener Putz – in Bau befindlich: Dritter Tempel

Das Heiligtum, der Ort der Gegenwart des Heiligen, gelobt sei ER, war also der Tempel und Jerusalem die Heilige Stadt an diesem Ort. Das Heiligtum im Raum wurde durch den König Salomo eingeweiht als das Bethaus für alle Völker. Es machte sichtbar, dass Israel, das Volk Gottes, nicht nur eine nationale Aufgabe, sondern eine universale Aufgabe hatte unter allen Völkern, obwohl es immer eine kleine Minderheit blieb inmitten des Völkermeeres. Es blieb aber immer der Fingerzeig Gottes in der Welt, hatte also den Blick der Völker von ihren eigenen (Macht-) Interessen hinzulenken auf den Ewigen, den Schöpfer und Erlöser. Es waren immer nur wenige, die den Blick zum Ewigen fanden und sich auch Israel anschlossen. Die Mehrheit ließ es jedoch dabei bleiben, den Blick nur auf Israel zu richten und fühlte sich berufen, Israel zu richten oder sogar hinzurichten!

Am 17. Tamus hatte Moses die Bundestafeln zerschmettert. An einem 17. Tamus wurden die Stadtmauern von Jerusalem durchbrochen. [Vgl. Tammus 17 / Osirak vor dem irakischen Atomabkommen … und jetzt Iran?] Das Blutvergießen wütete dann, bis am 9. Av das Heiligtum in Flammen aufging. Dem folgte das Galut Bawel (Exil in Babylon). Der Sohn der Königin Esther gab Israel den Befehl, in seine Heimat zurückzukehren und nicht nur die Stadtmauern von Jerusalem wieder aufzubauen, sondern auch den Tempel. In dem zweiten Tempel wurde die Gegenwart des Erlösers Israels wieder sichtbar. Der Raum für das Allerheiligste, die Bundeslade mit den Bundestafeln darin blieb jedoch leer. Die Zerstörung Jerusalems wiederholte sich nach einigen Jahrhunderten, das Land Israel wurde verwüstet und Israel in alle Welt zerstreut.

Die Schlange, die die Rolle des Erlösers spielt, hatte jedoch nicht genug, sondern überschwemmte das Völkermeer mit einer Ersatztheologie, bei der sie die Hauptrolle des Ersatz-Erlösers entgegen dem Erlöser Israels zum Maßstab machte, sich dazu auch noch hinter einem Juden tarnte und an dessen Tod ganz Israel die Schuld zuschrieb. Die Welt schielte zwar immer wieder zu den Juden, wurde jedoch in dem System, das Israel zu ersetzen glaubte, systematisch unfähig gemacht, Israel auch nur zu verstehen oder von Israel zu lernen. Sie sahen jedoch bei Israel Dinge, die sie zwar nicht verstehen konnten, jedoch glaubten, bei ihrem Ersatz-System nachäffen zu müssen. Dazu noch Beispiele:

Die Nichtjuden sahen, dass die Juden am Abend vor Pessach ihre ganzen Häuser nach etwas durchsuchen, verstanden aber nichts vom Bedikat Chamez im jüdischen Kalender. Die Suche wollten sie aber bei ihrem Ersatzfest auch vorweisen können. Wer denkt daran heute noch bei dem Rummel um die Ostereier und Verstecke mit Schokoladen-Hasen etc.? Wer merkt, was für ein Unfug zur Tradition werden kann, getarnt mit süßem Verlangen?

Was ist das höchstpersönlichste Fest im Leben eines Menschen, wenn nicht die Hochzeit? Die Welt sieht auch dabei einen Brauch in Israel, den sie aber wiederum nicht versteht. Dieser wird durch die drei Trauerwochen zwischen zwei Fastentagen im Bewusstsein unvergesslich erhalten. Es ist die Trauer um die Heilige Stadt und das Heiligtum darin, was Israel entbehren muss, bis der Dritte Tempel eingeweiht ist und der Erlöser Israels als der Erlöser des ganzen Welt erscheint, die in dem Moment entgültig mit allem Lügenwerk, Ersatztheologie und Ersatz-Erlöser fertig wird, und damit vermag, der Schalange den Kopf zu zertreten.

Was meint die Welt von den Juden bei einer Hochzeit zu lernen? Den Polterabend? Das Scherben Glück bringen? Einen Aberglauben, der das Brautpaar Zeit kostet, einen Berg von Scherben zu entsorgen? Oder erkennen sie ihren Unverstand durch das Verbot, Israel zu verstehen, das sie aber meinen, ersetzen zu müssen? Natürlich gehören Scherben zum Glück bei jeder jüdischen Hochzeit, aber niemals können sie das Glück bringen. Der Bräutigam ist es, der unter der Chuppa ein Glas zertritt, aus dem man stattdessen hätte Wein trinken können. Dem steht aber auch immer ein Glas voll Wein unter der Chuppa gegenüber, das zur Heiligung gehört, denn die Hochzeit selbst ist eine Heiligung zum Dienst des Schöpfers und Erlösers der ganzen Welt. Das zerbrochene Glas dient zum Gedächtnis an das zerbrochene Heiligtum, das brach liegt bis der dritte Tempel eingeweiht ist, in Jerushalajim Shel Zahav (Jerusalem aus Gold).

Auch bei ganz gewöhnlichen Mahlzeiten am Wochentag ist die Trauer um das Heiligtum in Jerusalem nicht zu übersehen. Da wird dem Tischgebet (Birkat HaMason) der Psalm 137 vorangestellt. Am Schabbat oder Hohem Feiertag wird vor den Tischgdebet der Psalm 126 gesungen, der Blick in die verheißene Rückkehr Israels ins Heilige Land zu ihrem Trost und als ein Zeichen für die ganze Welt.

In Israel, aber auch in jüdischen Haushalten außerhalb des Landes Israel, erinnern noch viel mehr Dinge daran, die Trauer um das Heiligtum das ganze Jahr über nicht zu vergessen, was in den drei Trauerwochen besonders bewusst gemacht wird, zum Beispiel:
In noblen jüdischen Wohnungen wird beim Betreten oft etwas sichtbar, was einen Besucher betreten machen könnte, der es nicht versteht. In den hervorragend tapezierten oder farbig sauber gestrichenen Wänden fehlt zwischendrin bei einer kleinen Fläche in der Wand der Putz, sodass die Ziegel zu sehen sind, oder im Betonhaus ist auf einfarbiger Fläche in Farbe ein kleines Stück kahles Mauerwerk bildlich hineinstilisiert. Daran kann jeder sehen, dass die drei Trauerwochen nicht nur das ganze Jahr über Bedeutung haben, sondern zumindest so lange, bis das Heiligtum des Ewigen Israels wieder steht, dann der dritte Tempel!

Jehonatan Kiebitz
Schalom al kol Israel !


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2 Kommentare to “3 Trauerwochen – Warum”

  1. […] auf Gott hören zu müssen, wie im aktuellen Artikel von Jehonatan Kiebitz beschrieben → warum die drei Trauerwochen vor Tisch’a b’Aw? Damit sein Volk jedoch hören und verstehen konnte, begann Moses seine Rede über Gott in […]

  2. […] Was der Tempel Gottes in Dir und Gottes Volk sein mag, versucht der Herausgebers des Hawdala-Kalenders, Jehonatan Kiebitz, in der Rubrik „Aktuelles“ von Gods-Sabbath.de in diesem Artikel auszudrücken → 3 Trauerwochen – Warum? […]