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Jüdisch Kind in christlich Hand – Christlich Kind in jüdisch Hand – Teil II

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    Hawdala zwischen zwei Schicksalen | zurück zu Teil I »
    Nach zwei kulturhistorischen Erzählungen von JUDÄUS
    Betrachtung von Jehonatan Kiebitz, Ramat Beit Schemesch

Hirsch Pappenheim stellt für Joseph den Kontakt zur jüdischen Gemeinde her und öffnet ihm die Tür in die „Ungekannte Welt“, die Welt seiner Eltern. Joseph fällt es nicht leicht, auf das ungeheuerste Vermögen in Ungarn zu verzichten und die Flucht nachzuholen, die an seinem Brit-Mila-Tage missglückt war.

. . . . . . . . Ergänzung der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .
Link zum letztjährigen Kommentar zur → Parascha Beschalach (mit Auszügen von Großrabbiner Prof. Sacks), hier Beschalach-Stichpunkte
nach dem jüdischen → Hawdala-Kalender
< Errettung Israels und Untergang Mizrajims am Schilfmeer - Lied des Moses / Sieg Israels über Syrien unter Barak nach Gottes Weisungen - Lied der Deborah > Lesungen: 2. Mose 13,17 – 17,16; Richter 4,4 – 5,31.

Sein Freund, der Hilfsarbeiter, versteht es jedoch, in dem Jüngling die Konsequenz herbeizuführen. Zitat:
„Josef, ich habe Sie von der ersten Stunde unserer Bekanntschaft an nicht verlockt und nicht überredet. Ich weiß, welch ein großes Opfer Sie ihrem Judentum zu bringen im Begriff sind. Aber Sie sind noch frei. Sie können jetzt noch tun und lassen, was Sie wollen. Bleiben Sie, wo Sie sind oder kommen Sie zu uns; aber wie Sie sich auch entscheiden, tun Sie das, was Sie tun, nicht halb, tun Sie´s ganz. Haben Sie den Mut, die Folgen Ihres Denkens und Handelns zu ziehen! Bleiben Sie nicht auf halbem Wege stehen! Sagen Sie sich von den Liebesbanden und den goldenen Fesseln, die Sie binden, ganz los oder gar nicht!“
Wieder schwiegen beide einige Augenblicke. Aber jetzt bricht der Jüngling das Schweigen:
„Herr Pappenheim, ich sage mich ganz los! Hier haben Sie meine Hand darauf! Ich werde Ihre Ratschläge befolgen.“ … „Ich hoffe, dass sich später mir noch einmal Gelegenheit bieten wird, Ihnen dankbar die große Wohltat zu vergelten, die Sie mir erwiesen haben.“

Josef hatte erkannt, dass der Fürst mit seinen Millionen, der ihn Zwangstaufen ließ, sich selbst die größte Wohltat tun wollte, und der Hilfsarbeiter auf dem Felde unter Einsatz seines eigenen Lebens stattdessen sein eigentlicher Wohltäter war. Josef organisiert seine Flucht selbst, jedoch nicht ohne jede nötige Hilfe aus der Ungekannten Welt zu ergreifen, die nach seiner klaren Entscheidung für die Wahrheit auch zum Ziele führt, und zwar ohne Verzögerung zum Brit Mila im Hause seiner Zuflucht beim Gaon Rabbi Elimelech in Galizien.

Abrahams Stunde der endgültigen Entscheidung erfolgt in St. Petersburg im Hause von seines Vaters Bruder (Putins Mutter ist Überlebende der deutschen Vernichtungsbelagerung Leningrads → aus Anlaß des aktuellen EU-Überfalls auf den Jüdischen Bolschewismus ein lehrreicher Film 68 min.). Dort wurde er aufgenommen, um das Gymnasium und dann die Universität zu besuchen, und er wuchs mit dessen Tochter, seiner Cousine, zusammen auf. Er liebt und heiratet sie auch im Einvernehmen beider Eltern, ohne seinen natürlichen Grad der Verwandtschaft mit ihr zu kennen und ohne dass seine Braut ihn als adoptiertes Kind kannte. Dabei ist es sein Wunsch, dass sein Lehrer Pater Firmian die Zeremonie der Trauung vornimmt.
Der Pater hatte sich Abraham schon früher als Jude offenbart, und auch dazu, dass es in den Rängen der katholischen Kirche mehr jüdische Schicksale gibt → vgl. Interview mit Dr. Becker-Jákli vom NS DOK Köln – als allgemein bekannt ist. Abraham hat das Vertrauen seines Lehrers glücklich gerechtfertigt, und mit ihm auch Gespräche geführt über eine kommende Stunde der Entscheidung für die Wahrheit, sprich das Judentum. Angesichts der Hochzeit, die ja diese Entscheidung definitiv macht, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird, zieht sich Abrahams Lehrer zurück und weist diskret auf einen höheren „Würdenträger“ in St. Petersburg hin, der dann auch die Hochzeit anvertraut bekommt.

Josef, für den als jungen Graf Esterhazy das Studium an der Universität in Wien vorgesehen war, wird stattdessen in das Haus des Rabbi Elimelech aufgenommen und, nach Josephs Wunsch, die Operation der Beschneidung ohne Betäubung vorgenommen. Als treuer Schüler des Rabbi, der ihn selbst unterrichtet, wird Joseph nach zwei Jahren in dessen Jeschiba übernommen. Nach weiteren zwei Jahren eröffnet ihm sein Lehrer, dass er, nun im Alter von 21 Jahren, seiner Hochzeit entgegen sehen solle. Deshalb will er ihn seinem jüngeren Bruder, Rabbi Sisi, empfehlen und ihn in dessen Jeschiba entlassen.
Zum Abschied schenkt ihm Rabbi Elimelech eine Zobelmütze (Streibel) mit einer eingenähten Kamea (Amulett) und der Auflage, diese am Tage seiner Hochzeit mit Rabbi Sisi gemeinsam zu lesen. Er vertraut auch Josef an, dass er im Brief an seinen Bruder eine Morenu (Ehrentitel für ausgezeichnete Gelehrsamkeit) beigefügt hat, eine Urkunde, die Rabbi Sisi Josef überreichen soll.

Bei all dem wird Josephs Herz von einem Wunsch getragen, dem parallel ein Wunsch Abrahams entspricht. Josefs Sehnsucht, seine eigenen Eltern zu finden steigt immer weiter, doch muss er sich beraten lassen, dass er es nicht in die eigene Hand nehmen sondern Geduld haben solle, bis ihm dieses ersehnte Glück gegeben ist.
Josef war damals schon erwachsen. Es wird nicht weiter kommentiert, als dass er sich danach richtet. Das „Warum“ wird jedoch an ganz anderer Stelle sichtbar gemacht. Eine Feinheit vom Autor? JUDÄUS lässt den Fürst Esterhazy mit seiner Frau darüber sprechen, als sie unter Einsatz ihrer ganzen Macht und großer Geldsummen ihren adoptierten Sohn vergeblich suchen, da er nicht mehr zurückkehrt. Dabei halten sie sich vor Augen, dass sie genau so vergeblich waren nach der Flucht von dessen Eltern. Sie sprechen es auch eindeutig aus, dass Josefs Vater nicht am Leben geblieben wäre, hätten sie ihn in ihre Gewalt bekommen.
Rabbi Elimelech hat offensichtlich erkannt, dass die Lebens-Rettung der Eltern und auch die des Sohnes jeweils ein göttliches Wunder ist, was nicht angetastet werden durfte. Diese Sache soll Josef ganz G´tt anheimstellen.

Abraham leidet unter der Sehnsucht, seine Pflegeeltern und die Geschwister wieder sehen zu dürfen. In dem Fall bringt er kein Leben in Gefahr, wenn er sie sucht. Seine Hochzeitsreise bringt ihm die Erfüllung dieses Wunsches. In Lemberg erkennt er seinen ersten Lehrer Teitelbaum, aber seine junge Ehefrau, nun die Baronin Kathinka von Korff, kann er noch lange nicht einweihen. Er muss vor ihr noch sein Geheimnis hüten.
Er muss jedoch eine Gelegenheit herbeiführen, die es möglich macht, sich Teitelbaum zu erkennen zu geben. Mit tiefstem Schmerz erfährt er von dem schweren Schicksal seiner Retter und, dass dieses im Zusammenhang mit seiner eigenen damaligen Errettung steht durch den abscheulichen Aberglauben der nichtjüdischen Bevölkerung. Er findet mit Teitelbaums Hilfe seinen Pflegevater wieder, und zwar in einem Krankenhaus in Wien, und bei ihm Joseph, seinen Milchbruder. Da seine Adoptiveltern beide schon nicht mehr leben, kann er als Baron von Korff sein Vermögen auch selbst einsetzen, um denen seine Dankesschuld abzutragen, denen er sein ganzes Leben zu verdanken hat.

Josef hat auch die Herzensregung ausgesprochen, etwas vom Schicksal seiner Adoptiv-Eltern Esterhazy zu erfahren. Das war zu deren Lebzeiten nicht mehr möglich. Dagegen werden seine leiblichen Eltern zum Grund für seinen Schiduch (Verlobung). Sie können sich jedoch erst wieder finden am Tage der Hochzeit, die dadurch scheitert, dass seine Braut plötzlich seine eigene Schwester ist. Das war Rabbi Elimelech zu verdanken, denn am Hochzeitstage wurde die Kamea aus der Zobelmütze gelesen.
Diese enthielt nichts weiter als die Mizwa, die es verbietet, die eigene Schwester zu heiraten. Dadurch wird Josef gebeten, seinen Schwiegereltern seine Herkunft genauer zu offenbaren. Als er von seinem Geburtsort Tihany und dem Schuldturm spricht, erbleicht sein Schwiegervater da er also sein Vater ist. Er unterbricht Josef, um ihm die Fortsetzung selbst zu erzählen. Die Mutter seiner Braut konnte es aber so wenig glauben wie Jaakov Awinu, als er erfuhr, dass sein Sohn Josef noch lebt. Erst als Josef ihr ihr eigenes Sidur überreicht, den einzigsten Gegenstand, den er aus dem Hause Esterhazy mitgenommen hatte, wird die Freude grenzenlos, und aus der gescheiterten Hochzeit wird ein noch viel größeres Familienfest, allerdings mit der Vorsicht, dass über Josef nach außen nicht mehr verlautet, als dass er der Sohn von Tobia Fried ist.

Abraham Baron von Korff, der auch die Familie, die ihm so sehr am Herzen liegt, wiedergefunden hat, verhilft ihnen in seinem russischen Fürstentum zu einer neuen Lebensstellung und seinem Pflegevater Feiwel Schick damit auch zur Rückkehr seiner Gesundheit, und ganz wesentlich darüber hinaus noch zur Erfüllung eines Wunsches seiner Pflege-Eltern, der ihm schon in seiner Kindheit bekannt war: Die Nähe einer Jüdischen Gemeinde, sprich das Ende ihrer Einsamkeit.
Feiwel Schick wird zum Arendar seines Pflegesohnes und bekommt sein Wohnhaus so in dessen Nähe, dass ihn nur der Schlosspark vom Schloss trennt. Gleizeitig gehört der Gutshof zu einem Ort mit einer jüdischen Gemeinde. Da war alles Glück beieinander, auch für Abraham, den jung verheirateten Baron. Nicht zufrieden war jedoch der nichtjüdische Arendar, der von Abraham zu diesem Zweck in ein anderes Gut in Russland versetzt wurde und dadurch begann, seinem jüdischen Nachfolger zu neiden.

Der Leser dieser Hawdala-Betrachtgungen könnte nun auch nachdenklich werden wegen der Frage, in welche Richtung Abrahams Weg weiter geht, wo er sich doch mit seiner Hochzeit nicht für den Übertritt zum Judentum entschieden hatte. Er blieb nach außen Christ, aber nicht aus Überzeugung. Das bekommt mit einem Pessachfest seinen tieferen Sinn. Indem er seine junge Frau Kathinka in der Stunde der Sederfeier etwas vom Glück der Juden miterleben lassen will, treten sie in den Garten ihres Gutsverwalters ein und schauen zunächst durch das Fenster der erhabenen Feier zu. Die Baronin hat noch nie so etwas ergreifend Herrliches miterlebt. Zitat:

    Sie hielten einen Augenblick inne, die junge Frau stand wie festgebannt bei dem Anblick der Familie, die im Erdgeschoss um den Festtisch versammelt war. Es war alles so, wie es ihr Mann geschildert hatte, aber etwas war da, das in seiner Schilderung gefehlt hatte: Pater Firmian saß neben dem Verwalter, oben am Tische, mit einem schwarzen Käppchen auf dem weißen Haupte; er hatte einen Becher Wein und ein Buch vor sich, ganz so, wie die anderen Glieder der Familie … . „Abraham, siehe einmal, Pater Firmian ist auch da!“ … Abraham erschrak, er zitterte für das Geheimnis des Paters…
    „Abraham, ich schlage vor, dass wir hier stehen bleiben und nicht ins Haus hinein gehen. Die guten Leute legen sich doch gewisse Rücksichten auf, wenn wir jetzt plötzlich unter sie treten. So aber geben sie sich ganz so, wie sie sind …?“
    Abraham war beglückt durch diesen Vorschlag, denn er hätte mit Rücksicht auf Pater Firmian seine Frau nicht eintreten lassen …
    Jetzt hatte der Hausherr die mittlere der drei Mazzos in zwei ungleiche Teile gebrochen …
    „Das ist das Brot, wie es die Juden in Ägypten aßen, das sind die Mazzos“, flüsterte der Baron.
    „Ah! Das ist wohl das Osterbrot“, fragte die Baronin, „von welchem viele sagen, dass die Juden zu seiner Bereitung Christenblut brauchen? Wahrlich, wenn man diese Menschen sieht und die Herrlichkeit Gottes, die auf ihrem Antlitz ruht, so gibt es keine schlagendere Widerlegung dieses veralteten, blutrünstigen Wahnes, als diesen Anblick! Wenn an diesem Brote unschuldiges Christenblut klebte, so wäre die Herrlichkeit Gottes nicht an diesem Orte.“
    Abraham durchschauerte es bei diesen Worten. Unwillkürlich machte sich die Erinnerung an all den Wahn und das Leid geltend, das diese Verleumdung schon über die Wohltäter seines Lebens gebracht.
    „Du hast recht, liebe Frau“ Das war alles, was er mühsam hervorbringen konnte.

Bei Joseph Graf Esterhazy hatten wir durch Hirsch Pappenheim einen Blick aus der Ungekannten Welt hinaus in die christliche Welt mitbekommen. Hier erleben wir ein Beispiel für die Ausnahme eines Blickes von außen in die Ungekannte Welt hinein durch Abrahams Frau, die noch nicht wusste, wie ihr Mann eigentlich an diesen Festtisch gehört hätte.

    …, als sich die kleine Seitentür öffnete, die von der Straße in den Gutshof führte. Sie sahen beim Scheine des Vollmondes ein zerlumptes altes Weib leise hereinhuschen. Als das Weib hart am Fliederbusch vorbeiging, trat Abraham vor und direkt auf dasselbe los.
    „Was habt ihr da?“ herrschte sie der Baron an. …
    „Ich soll das Paket hier unter diesen Baum werfen“… Wie erschrak er aber, als er darin die Leiche eines einjährigen Kindes mit durchschnittenem Halse fand!

Kann es einen größeren Kontrast zwischen Licht und Finsternis geben, als ihn das junge Ehepaar in dieser Stunde erlebte, diese Hawdala zwischen zwei Welten? (Vgl: Jüdisches oder Christliches Evangelium / Kreuz / Dreieinigkeit / Messias)

Abraham erkennt sofort die Situation und stellt dem alten Weib, das ihm unzurechnungsfähig vorkommt, Fragen und erfährt, wer ihr Auftraggeber ist, nämlich Herr Porikonski, der frühere Verwalter dieses Schloss-Gutes, und dass sie selber Marie Makofski heißt. Er packt sie bei ihrem Aberglauben, gibt ihr Verhaltens-Anweisungen um ihren „Ablass“ nicht zu verlieren, und sie wirft ihr Päckchen unter den Fliederstrauch und huscht zur Gartentür hinaus.
Abrahams junge Frau stand starr vor Schrecken und Entsetzen. Abraham ist als Baron auch oberster Gerichtsherr in seinen Gütern. Von dieser Seite lernt sie ihren Mann nun kennen.

Hier geht’s nächste Woche zum Teil III


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