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Jüdisch Kind in christlich Hand – Christlich Kind in jüdisch Hand – Teil I

BS“D

    Hawdala zwischen zwei Schicksalen
    Nach zwei kulturhistorischen Erzählungen von JUDÄUS
    Betrachtung von Jehonatan Kiebitz, Ramat Beit Schemesch

„Kulturhistorische Erzählungen“ wurden die Schriften des Rabbiners Dr. Hertz Ehrmann von Baden in der Schweiz genannt, die er unter dem Pseudonym JUDÄUS in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrieb. JUDÄUS war einer der engsten Freunde vom Rabbiner Samson Raphael Hirsch, Frankfurt M., und beide sahen ihre Lebensaufgabe darin, dem Zeitgeist beizukommen, der sogenannten „Aufklärung“ und die wie ein Kulturschock wirkende Emanzipation der Juden durch Napoleon, dem leider viele Juden zum Opfer gefallen waren bis hin zur Assimilation.

Mit dem Wort „kulturhistorisch“, in dem sich schon viele säkularisierte Juden auf dem Gebiet einer ganz neuartigen „Jüdischen Ethik“ untereinander verstanden, konnte er hoffen, ihre erste Aufmerksamkeit zu erreichen, denn der Torah hatten viele schon den Rücken zugekehrt, und die Bücher, die er nicht unter seinem Pseudonym schrieb, sondern als Rabbiner, hätten wohl manche schon nicht mehr in die Hand genommen.

. . . . . . . . Ergänzung der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . .

Heute, im Januar 2015, aktueller denn je erscheint folgender Auszug aus einem 1900 von Judäus geschriebenen Brief:
„Die juridische Fiction, die Juden seien Fremde, mögen sie auch im Lande geboren und erzogen worden sein, mögen sie auch alle Bürgerpflichten erfüllen, mögen ihre Eltern und Ahnen auch seit Generationen im Lande gelebt und sich nie eines fremden Schutzes erfreut haben, wies den Juden von vornherein eine exzeptionelle Stellung an, die sie jeder Willkür, jeder Ungerechtigkeit preisgab. Doch nicht auf einmal wurde das ganze, wohlüberlegte System an Ausnahmegesetzen in Anwendung gebracht. Das hätte ja die Aufmerksamkeit Europas erregt, und Aufsehen wollte man vermeiden.“

. . . . . . . . . Stichpunkte der Parascha BO lt.→ Hawdala-Kalender . . . . . . . . . . .
< Plagen: Unterschied Israel und Ägypten. Pessach in Mizrajim und Auszug in Eile - Mazzot, Strafgerichte an Göttern Ägyptens || Gott vernichtet Völker aber erlöst seinen Knecht Jakob > Psalm 77
Parascha: 2.Moses 10,1 bis 13,16; Haftara: Jeremia 46,13-26

Das gleiche Phänomen erleben wir beim Rabbiner Hirsch, der zwar nur das Buch „Die 19 Briefe“ unter dem Pseudonym Ben Uziel schrieb, damit aber erfolgreich die Herzen erreichte. Ganz bewusst, man könnte es provokativ finden, deklarierte er später: „Des Juden Katechismus ist sein Kalender“.

Die Leser der Jüdischen Zeitung der IRG Zürich haben mit dem kulturhistorischen Phänomen im Jahr 2014 durch eine Fortsetzungs-Serie mit dem Titel „Eine vereitelte Hochzeit“ ausgiebig Erfahrung gemacht. Dabei waren verschiedene Fotos von den 99 Schlössern des ungarischen Fürsten Esterhazy das Symbol, das die jeweils ersehnte Fortsetzung schnell finden ließ.
Dieser „Kulturhistorische“ Teil der Werke des JUDÄUS wurde vom Verlag MORASCHA, Schweiz, in vier Bänden neu herausgegeben: 1982 „eine Ungekannte Welt“, 1983 „Geschichten aus einer ungekannten Welt“ sowie „Der Raw“, und 1984 „Erzählungen aus einer ungekannten Welt“, sind aber leider seit Jahren vergriffen. „Eine vereitelte Hochzeit“ ist der letzte Titel in den vier Büchern und enthält die Beziehung zum Grafen Esterhazy. Der Begriff ungekannte Welt wird dem Leser bald sichtbar als die Jüdische Schicksalsgemeinschaft inmitten einer Welt, die dafür kein Verständnis hat.

Thema ist dabei nicht der Fürst, sondern das jüdische Baby des Arendar (Gutsverwalter) Moscheh Scholem beim Ungarischen Grafen Esterhazy. Im Schuldturm des Gutsherrn zur Welt gekommen, sollte Josef, der Säugling, mit seinen Eltern durch eine gewagte Flucht vor dem Zugriff der nichtjüdischen Welt gerettet werden. Man wollte der Spekulation der „Christlichen Liebe“ auf die Jüdische Barmherzigkeit zuvorkommen, den Freikauf durch die Jüdische Welt zu erpressen. Durch einen tragischen Fehler fällt das Baby in die falschen Hände. Die Eltern konnten nur ohne ihr Kind entkommen.

Wie in Megillat Esther ist aber die unsichtbare Hand vom Himmel aus wirksam, die auf sichtbare Weise schließlich alles zur glücklichen Rettung führt, man könnte auch sagen märchenhaft. Als Kind lernte ich über Märchen, die mir zu Herzen gingen, sie seien jüdischen Ursprungs, aber als Märchen vor nichtjüdischen Angriffen geschützt.

Im Fall der von mir gegenüber gestellten Geschichte gibt JUDÄUS jedoch am Schluss zu erkennen, dass es kein Märchen ist, sondern von wem und wie er gebeten wurde, das ihm Berichtete aufzuschreiben und damit der Nachwelt zu erhalten.
Es ist in der Morascha-Ausgabe von 1983 der erste Titel und heißt „Der Findling“.
Das nichtjüdische Baby, Abraham, ist nicht vor einem unerwünschten Zugriff gerettet, sondern, selbst unerwünscht, in einem Wald den Wölfen überlassen worden. Durch Feiwel Schick, den jüdischen Gutsverwalter des Graphen Dundukof in Galizien, wird im Morgengrauen das Weinen des Kindes im Walde gehört, das Kind gerettet und in die ungekannte Welt aufgenommen. Ein extremer Kontrast? Ist das eine Hawdala wert durch den Vergleich dieser zwei Welten?
Auch in dieser Erzählung führt die unsichtbare Hand vom Himmel alles zu einer großen Rettung.

Das Verständnis der Haschgara Pratit (göttliche Vorsehung) wird zur Gemeinsamkeit in beiden, oder besser gesagt, in allen Schriften des JUDÄUS. Es macht sichtbar, welches das Volk Gottes ist, auch in den Anfeindungen im Galut (Exil).

Das jüdische Baby, Josef, hätte wohl seinen richtigen Namen nie kennen gelernt, wenn ihm nicht später ein treues jüdisches Herz dazu verholfen hätte, seine Identität zu erkennen und seine Eltern zu suchen. Josef war am Tag, an dem die Mizwa (Pflicht) der Brit Milah (Beschneidung) für ihn im Schuldturm vorbereitet war, in die Hände des Fürsten Esterhazy gefallen und konnte nicht in den Bund Abrahams aufgenommen werden. Der Fürst beriet sich mit „Würdenträgern“ in einem benachbarten Kloster, und Josef wurde statt der Beschneidung auf den Namen Ignatius getauft und dabei von dem kinderlosen Ehepaar, dem Fürst und der Fürstin Esterhazy, adoptiert. Das ist ein Beispiel der Enteignung eines jüdischen Kindes durch die Taufe, obwohl dessen jüdische Eltern bekannt waren – eine Praxis des christlichen Missions-Wahnes?

Der Name des nichtjüdischen Babys war niemand bekannt. Der Knabe wurde aber von seinem jüdischen Pflegevater Abraham genannt, denn dieser Name war in beiden Welten gebräuchlich. Feiwel Schick konnte ihn rechtzeitig seiner Frau Dina in die Arme legen, die ihn mit ihrem etwa gleichaltrigen Sohn als zwei „Milchbrüder“ gemeinsam mit fünf älteren Geschwistern aufzog.
Die Eltern konnten aber eine Entscheidung für die Zukunft des Findlings nicht allein treffen. Feiwel holte Rat bei seinem Rabbiner und Lehrer, und das Kind wurde nicht beschnitten. Das sollte er im Bar-Mizwa-Alter, wenn er religionsmündig ist, selbst entscheiden und dazu auch sein Schicksal erfahren. Das an ihm begangene Verbrechen, ausgesetzt dem Tode, war offensichtlich. Sonst sollte innerhalb der Familie seinetwegen nichts verändert werden. Im jüdischen Hause war christliche Erziehung nicht möglich. Eine Aneignung des unbeschnittenen elternlosen Kindes von jüdischer Seite wurde jedoch ausgeschlossen.

Während Josef (getauft Ignatius), der jüdische Knabe in der Hand des Ungar-Fürsten, mit guten Leistungen in der christlichen Erziehung glänzte, waren seine Adoptiv-Eltern ängstlich besorgt, dass er etwas über seine Herkunft erahnen oder erfahren könnte. Sie schirmten ihn vor allen jüdischen Kontakten ab, denn in der jüdischen Gemeinde war sein Schicksal ja bekannt.

Der Hauslehrer in der jüdischen Familie, Teitelbaum, gab sich mit dem Rat des Rabbiners nicht zufrieden und wollte die Herkunft des Kindes erforschen. Er erlebte selbst einen Reinfall an der russischen Grenze und ließ es dann auch bleiben. Später verheiratete er sich nach Lemberg, und die Familie Schick stellte einen Nachfolger ein. Dieser bekam Verdacht, weil der Knabe beim Lernen nicht schockelte. Er wurde aber nicht eingeweiht, um dem Rat des Rabbi treu zu bleiben.

Für Josef vergehen die Jahre der Kindheit, und er ist bereits ein Jüngling, als er auf ungeahnte Weise seine Identität erfährt. Auch bei Abraham überspringt die Erzählung einige Jahre der Kindheit. Im weiteren Verlauf will ich nun das Kunststück fortsetzen, zum Zweck der Hawdala beide Geschichten nach thematischen Fragen miteinander so zu verweben, dass die Kontraste der verschiedenen Welten durch beide Schicksale sichtbar werden.

Josef, der sehr sprachbegabt ist, sieht unter den gräflichen Büchern zum ersten Mal die hebräische Schrift und fragt seinen Pflegevater danach. Dieser spricht von einem flüchtigen Arendar und lenkt nicht darauf ein, dass Josef noch mehr Sprachen lernen will, denn er soll sich ja auf die Verwaltung der fürstlichen Güter und Ländereien vorbereiten. Auf die Felder verwiesen macht er auf ungewöhnliche Art die Bekanntschaft eines alten Feldarbeiters, weil dieser ihn als Jude anspricht ohne Angst davor, dass es, von dem jungen Grafen als Beleidigung aufgefasst, ihm selbst das Lebem kosten könnte.
Als Josef wieder nach den hebräischen Büchern bei seinem Vater sucht, findet er sie versteckt hinter anderen Büchern. In einer Winzerhütte lässt sich Joseph über seine echten Eltern aufklären und gibt dem alten Hirsch Pappenheim, nun seinem kostbarsten Freund, eines der hebräischen Bücher in die Hand, um sich daraus vorlesen zu lassen. Es ist das Sidur von Josefs Mutter.

Kurz vor Abrahams 10. Geburtstag benutzt der Gutsherr, Graf Dundukof, den Gutshof mit Feiwels Wohnhaus als Treffpunkt für eine Jagdgesellschaft und, während er sich bis zu deren Ankunft mit Feiwel unterhält, schauen sie den spielenden Kindern zu. Dem Graf fällt auf, dass ein Kind nicht mit Feiwels Kindern verwandt sein kann. Feiwel weiht ihn in dieses Schicksal ein. Dann läuft das weitere auch so ab, dass es an Megillat Esther erinnert, aber der Rat des Rabbi wird erneut zuerst gebraucht.
Der Schmerz der Pflege-Eltern, Abraham hergeben und das Kind in sein Schicksal einweihen zu müssen, wird extrem. Der Rabbi versteht es, ihnen Mut zu machen und ihnen die Hoffnung zu geben, dass der Junge selbst sie später wieder finden wird im vollen Bewusstsein seiner Dankesschuld.

Joseph und Abraham werden beide wie aus heiterem Himmel der Geborgenheit ihrer Kindheit entrissen, und beide betreten die ihrer Gewohnheit als Gegenteil gegenüber stehende andere Welt.
Josef, schon etwas reifer an Jahren, fragt Hirsch Pappenheim:

    „Ist es nicht merkwürdig, dass Christen und Juden schon so viele Jahrhunderte nebeneinander leben, ohne sich gegenseitig zu kennen? Wir Christen sehen von euch Juden nur die langen Röcke und Bärte, auch die Glut der Augen und die Form der Nase, aber von dem Geist und der Gesinnung von dem, wie die Herzen unter den Röcken schlagen, haben wir keine Ahnung! Ihr geht hier herum, Herr Pappenheim, als einer der niedrigsten Arbeiter auf dem Schlosse und seid uns doch so turmhoch an Wissen und Charakter überlegen; ist das nicht merkwürdig?“
    „Wer sich darüber wundert, kann auf noch viel Wunderbares stoßen und braucht gar nicht so weit zu gehen“, erwiderte Pappenheim. „Warum sollen denn die Christen unbefangen über Juden urteilen, wenn sie es bei ihren nächsten Glaubensgenossen nicht einmal fertig bekommen? Wie verkennen sich doch Katholiken und Evangelische gegenseitig so gründlich? Wie sprechen sie sich gegenseitig jeden Vorzug ab und dichtet einer dem anderen alle Torheit und Verkehrtheit an? Und es sind doch keine langen Röcke und großen Bärte, keine Schmachtlocken und keine Nasenformen gegenseitig da, an welchen der Blick haften bleiben müsse, ohne das Innere erreichen zu können! Um ein bisschen Duldung zu Wege zu bringen, das heute mit knapper Not zwischen beiden Kirchen aufrecht erhalten wird, war ein dreißigjähriger Krieg notwendig! Der hat den Juden glücklicher Weise gefehlt, deshalb hat man nur ein Auge für die Locken und Bärte, unsere Fehler und Schwächen, und ist blind für den guten Kern in uns. Und wenn uns diese Blindheit verblendet nennt, so tut sie uns im Grunde genommen nicht mehr, als was die Katholiken den Protestenten und die Protestenten den Katholiken tun.“

An dieser Stelle habe ich dem „Rabbi JUDÄUS“ etwas mehr Raum gegeben und den Blick über die Zwei Schicksale unserer Hawdala hinaus geöffnet, denn steht nicht über allen seinen Erzählungen der „kulturhistorische“ Begriff „Ungekannte Welt“? Ist es nicht köstlich dass er auch einmal durchblicken lässt, wie der Blick aus der Ungekannten Welt in die Christliche Welt aussieht, und wie man dabei sehen kann, dass die andere Welt die Ungekannte Welt verblendet nennt, obwohl sie dabei etwas als Blindheit verurteilt, wofür sie doch nur selber blind ist?
Als tragisch könnten wir es aber ansehen, dass JUDÄUS für seine jüdischen Zeitgenossen erst einen Weg suchen muss, ihnen ihre eigene, aber für sie bereits Ungekannte Welt zugänglich zu machen.

Da ich nun einmal über meinen vom Thema gesetzten Rahmen hinaus gegangen bin, will ich an dieser Stelle gleich noch in einem anderen Punkt vorgreifen, der im Buch erst ganz am Schluss sichtbar wird, aber meine Leser der weiteren Hawdala gleich näher bringt:
Dass Josef einen Weg der Hoffnung einschlagen wird, nicht nur das Herz Israels, der „Ungekannten Welt“ zu entdecken, sondern auch seine eigenen Eltern zu finden, ist ja zu erwarten. Er verlässt dabei das gigantischste Vermögen in Ungarn und ist dafür sogar bereit, der Armut ins Auge zu schauen.

Abraham wird auf wunderbare Weise dadurch vom Baron Kurt von Korff mit riesigem Vermögen in Russland adoptiert, dass Graf Dundukof in dem Baron nach 30 Jahren seinen Jugendfreund aus Wien wieder erkennt, und zwar traurig wegen Kinderlosigkeit. Der Findling muss in der Folge ein glückliches jüdisches Zuhause gegen Reichtum eintauschen. Er selbst weiß es noch lange nicht, und sein Adoptiv-Vater wird es bei Lebzeiten nie erfahren, dass er dessen leiblicher Sohn ist, von dem er zu seinem Glück adoptiert wird. Seine Adoptiv-Mutter ist jedoch nicht seine leibliche Mutter. Sie sieht in ihm jedoch das Bild des Vaters, als dieser noch jünger war. Was Abraham aus dem Hause des Juden Feiwel Schick mitnehmen und behalten darf, ist sein Name Abraham.

Was einen weiteren Blick in die ungekannte Welt erlaubt, ist die Verweigerung von Abrahams Pflegeeltern ihrem Grafen gegenüber, für die Übergabe des Kindes Geld anzunehmen. Es war mit einer Unsumme versucht worden, sie gefügig zu machen für etwas, wofür sie durch den Rat des Rabbi schon längst bereit waren, aber nur unter der Bedingung, das Kind ihrer Pflege nicht verkaufen zu müssen. Diese Bedingung wurde ihnen mißdeutet, als wenn es ihnen noch nicht genug Geld wäre! Ihr Rabbi sagte zu Feiwel, wenn er in dieser Lage wäre, würde er jedenfalls auch kein Geld annehmen. Eine ganz andere Welt – durch den Blick, nicht auf das Geld, sondern hinauf zum Vater im Himmel!

Vom Himmel kommt auch eindeutig die weitere Leitung beider Schicksale, die bald vor die bedeutsamste Entscheidung ihres Lebens gestellt werden. Josef erscheint sein Großvater, der Rabbi Elijahu Zülpich im Traume. Hirsch Pappenheim lässt sich die Träume erzählen und kann sie Josef verständlich machen, wobei er auf Joseph in Ägypten hinweist, besonders wegen der Dringlichkeit einer Entscheidung in Pharaos Träumen.

Die Erfahrung, direkt vom Himmel aus angesprochen zu werden, macht Abraham zwar nicht, aber auch er bekommt, ohne es zu wissen, einen jüdischen Vertrauten. Im Grunde hatte er ihn schon von Anfang an im Hause des Baron von Korff in seinem Privatlehrer Pater Firmian, der sieben Sprachen beherrscht und mehrere Wissenschaften. Das Wunder war zunächst, dass sein Lehrer der christlichen Erziehung es verstand, die bereits jüdisch denkende Seele des Kindes nicht zu verletzen.
Jedoch konnte der Pater sich ihm gegenüber erst viel später als Jude zu erkennen geben. Dieser Pater ist es auch, der in seinen letzten Erdentagen diese Geschichte dem JUDÄUS anvertraut hat, damit er sie aufschreiben und so der Nachwelt erhalten sollte. Wie Rabbiner Dr. Hertz Ehrmann (GSI-Exkurs: Herz Ehrmann, der aufgeklärte Jude im deutschen Kaiserreich) diesem Wunsch entsprochen hat, gibt auch uns Grund zur Dankbarkeit!
Die Entscheidung zur Wahrheit, gemeint ist das Judentum, die der Lehrer von Abraham sicher erhoffte, konnte er am Ende in seinem eigenen Leben selbst vollkommen verwirklichen, mit Abraham aber auf andere Weise zufrieden sein. Die Haschgacha Pratit kann offensichtlich auch mit ganz natürlichen Wegen parallel verlaufen.

Hier geht’s nächste Woche zum Teil II


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2 Kommentare to “Jüdisch Kind in christlich Hand – Christlich Kind in jüdisch Hand – Teil I”

  1. Jonny Wagner sagt:

    Ich finde, wir Christen nähern uns den Juden sehr an. Wir wollen sie verstehen und mt ihnen mitarbeiten. Aber die Juden bewegen sich von ihrem Standpunkt nicht weg. Sie machden einen eingebildeten Eindruck. Sie wären Gottes Volk. Aber Jesus hat etwas anderes gepredigt. Die ausgerissenen Reben aus dem Weinsstock sind durch uns Heiden (Christen) ersetzt worden. Die Braut Christi, die auch aus den Christen besteht, hat für jesus eine große Bedeutung. Wir tragen das Evangelium in die Welt hinaus. Wir werden dafür verfogt und sogar getötet. Welche Rolle die Juden heute noch spielen, ist mir im Momment unklar!

  2. BS“D

    Schade, Herr Wagner, dass Sie die eine Seite an das Ende und nicht an den Anfang Ihres Kommentares gestellt haben, nämlich was Ihnen unklar ist. Wer diese Ebene so betritt, ist sich auch nicht im Klaren, dass er nicht mit dem argumentiert, was er gelernt hat zu unterscheiden, sondern mit dem, was ihm einsuggeriert wurde, glauben zu müssen.
    In der Nacht, solange die Möglichkeit der Unterscheidung der Dinge fehlt, kann der Mensch nur tasten, um einen Glauben zu entwickeln, wo es entlang geht. Wenn der Tag anbricht, wird alles zunehmend unterscheidbar, bis man klar sieht. Wozu soll man sich da noch um den Glauben streiten?
    An den Anfang seines Schöpfungswerkes hat der Ewige Israels die Scheidung gestellt zwischen Licht und Finsternis. Das ist auch der Anfang der Heiligen Schrift. Wer diese durch das sogenannte Neue Testament ersetzen will, wird zur tragischen Gestalt, denn er kann auch nicht unterscheiden zwischen beiden Schriften.
    Das ganze Prinzip der Heiligen Schrift ist die Unterscheidung, die fähig macht zur klaren Entscheidung. Das Prinzip des NT dürfte Ihnen ja bekannt sein im „Glauben“! Um den Glauben mit dem aus ihm resultierenden Streit ohne Ende geht es ja nicht nur bei denen, die einen Menschen an die Stelle G“ttes plazieren (dazu: Kommentar Rabbiner Hirsch PDF), sondern auch bei allen, die eine (ihre) Religion an die Stelle der Heiligen Schrift platzieren. Dabei haben sich doch die Christen mit den Muslimen vor dem letzten Weltkrieg verbrüdert, um die Opfer-Rolle zu spielen denen gegenüber, die von ihnen vergast oder am Rand von Massengräbern erschossen wurden!
    So, wie Sie in ihrem Kommentar einen Menschen an die Stelle G“ttes stellen, und dessen Anhänger dieses „Glaubens“ an die Stelle des Volkes G“ttes platzieren, lässt darauf schließen, dass Ihr „Glaube“ auch die Unterscheidung verbietet zwischen dem Messias Israels und dem christlichen Messias.
    Leider vereinigt immer irgend ein „Glaube“ so viele Allianzen gegen die Unterscheidungs-Fähigkeit, zum Beispiel vor der Sintflut die ganze Menschheit gegen den letzten Diener G“ttes, der gleichzeitig der Erste Diener des Heiligen, gelobt sei ER, nach der Flut war.

    Das wiederholte sich in Babylon, als die Menschheit sich vereinigte zur demokratischen Summe aller Ichs im Wir. „Uns einen Namen machen!“ Das Unterscheidungs-Bewusstsein zum Namen des Einzigen, in dem das Leben zu finden ist, hatten sie sich im Mehrheits-Bewusstsein schon wieder abgewöhnt.
    Abraham war so einsam wie Noach. Er blieb dem Heiligen Namen treu. Ihn führte der Ewige aus den Schlammassel heraus und, nachdem er zehn Bewährungs-Prüfungen bestanden hatte, gab ihm G“tt einen neuen Namen, nicht er sich selbst – das ganze Gegenteil zu Babylon. Darin nahm das Volk G“ttes seinen Anfang mit Abrahams Enkel in dem von G“tt gegebenen und nicht sich selbst gemachtem Namen ISRAEL, als ganz neues, das Achte Schöpfungswerk, mit dem Ziel der Erlösung der ganzen Menschheit in den Tagen des jüdischen Messias, nicht des Christlichen!
    Was Sie den Juden in Ihrem Kommentar als Einbildung andichten, ist der Beweis für den Mangel an Unterscheidungsvermögen bzw. für den Ersatz desselben durch den „Glauben“. Wessen Opfer sind Sie nun eigentlich? Was wollen Sie mit „Ihrem Evangelium“ in die Welt hinaustragen?

    Im Paradies, als es nichts zu erlösen gab, weil alles sehr gut war, trat die Schlange in der Rolle des Erlösers auf. An dieser Stelle muss man beginnen zu unterscheiden zwischen dem Erlöser Israels und allen anderen Erlösern. Wer das erkennt müsste eigentlich auch sehen können, an wessen Stelle sich damit die Schlange selbst gestellt hat, wen sie versucht hat mit ihrer Ersatztheologie selbst zu ersetzen. Unglaublich?

    Das Erste von den Zehn Geboten G“ttes ist so eindeutig, dass der Gedanke an andere Erlöser doch eigentlich undenkbar ist!

    Können Sie nun erkennen, dass der Standpunkt der Juden in den christlichen Annäherungs-Versuchen oft nicht mehr finden kann als eine Einladung zum Selbstmord? Hindert der „Glaube“ die Welt, von den Juden ein ganz anderes Evangelium zu lernen? Quo Vadis?