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Des Juden Katechismus und das vierte Wanderfest – Teil 2

◄ Klick auf Teil 1 || von Jehonatan Kiebitz

Zwar ist für uns Menschen der Blick in die Zukunft verborgen. Es ist eben Gottes Geheimnis. Doch hat Gott Israel durch seine Diener, die Propheten, Dinge offenbart, die in der Zukunft liegen, und auf die wir vertrauen können, als lägen sie für uns bereits in der Vergangenheit. Dürfen wir deshalb auch ein Fest unserer Hoffnung für die Zukunft feiern? Oder ist uns das sogar im Festkalender Israels geboten?
Außer seiner nationalen Aufgabe hatte Israel auch eine unschätzbare universale Aufgabe erhalten. Das kleine Land Israel sollte zum „Muschterländle“ (schwäbisch!) für die ganze Welt werden, in der Verwirklichung des Gesetzes Gottes, dem Allerheiligsten auf Erden – dem Geheimnis der Erlösung !
Am Anfang seines Morgengebetes preist der Jude seinen Schöpfer, dass Er es dem Hahn gegeben hat, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden (Hawdala bei einem Tier!). Die Vögel können das UV-Licht sehen, und mit ihrem Weckruf beginnen, bevor der Mensch den Tag erkennt. Die Welt kann sich daran auch stören, z. B. wenn sie ihren Rausch ausschlafen will.
Erkennt die Welt, dass Israel die Aufgabe des Weckrufers hat gegenüber einer Welt im Aberglauben und geistiger Finsternis?

Wenn wir jetzt das „Buch der jüdischen Geschichte“ aufschlagen, beginnen wir eine geradezu unerschöpfliche Liste von Ereignissen, die für Israel und die Menschheit von größter Bedeutung waren, bzw. noch sein werden, wo sie heute vor uns in der Zukunft liegen. Wenn wir diese Fälle mit dem Schmini Atzeret in Verbindung bringen wollen, dann ist es in diesem Rahmen nur möglich, uns auf wenige Beispiele zu beschränken:
Wir dürfen aber nicht versäumen, den ersten Kreis zu schließen: Israel war am Anfang der 40-jährigen Wüstenwanderung das zu Mauern aufgestellte Wasser zum Zeichen der Rettung geworden. Das wiederholte sich am Ziel der 40 Jahre, doch nicht im Meer, sondern in schönster Landschaft. Der Jordan blieb stehen und bildete eine Mauer aus Wasser, und es war wieder die Jahreszeit des Pessachfestes, das sie nun vor Jericho feierten. Ob damit das „Schluss-Fest“ sichtbar geworden ist in seiner historischen Bedeutung, an Gott festzuhalten, bis das Ziel in der Zukunft erreicht ist? (vgl. HALLEL-Psalm 114)

„Da versammelten sich zu dem König Salomo alle Männer von Israel im Monat der Etanim, das ist der siebente Monat, am Feste. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Priester trugen die Lade. Und sie brachten herauf die Lade des Ewigen, und das Stiftszelt, und alle heiligen Geräte, die im Zelte waren, und es brachten sie herauf die Priester und Leviten.
. . . Am achten Tag entließ er das Volk und sie segneten den König und gingen in ihre Zelte fröhlich und guten Mutes über all das Gute, das der Ewige getan David, seinem Knechte, und Israel, seinem Volke“ (1. Könige 8,2-4 und Vers 66. Übersetzung Zunz).

Der Tempel in Jerusalem, das bedeutendste Gebäude der Weltgeschichte, das dem Ewigen Gesetz Gottes errichtete Heiligtum, die Offenbarungsstätte des Schöpfers von Himmel und Erde, des Erlösers der Welt, war eingeweiht am Schmini Atzeret – ein Hinweis auf die Bedeutung dieses Festtages der Zukunft – noch heute?

. . . . . . . . Übersicht der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .

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Lesungen und Stichpunkte nach Hawdala-Kalender für Hoschana Raba (letzter Tag in Sukka): Hallel, 4 .Moses 29,26-34 || Hoschanot; …für Schmini Atzeret (8. Tag Schlussfest): Hallel, 5.Mo.14,22-16,17; 4.Mo.29,35-30,1 || 1.Kö.8,54-66 < Zehnten – 3 Wallfahrtsfeste|| Am 8. Tag Tempel eingeweiht >
…für Simchat Tora: Hallel, 5.Mo.33,1–34,12 / 1.Mo.1,1-2,3, 4.Mo.29,35-30,1 || Josua 1,1-18 < Moses Tod / Schöpfungsbericht || Josuas & Israels Auftrag der Landnahme > …für Schabbat Bereschit (Am Anfang…): 1.Mo.1,1-6,8 || Jesaja 42,5-43,10
< Schöpfung Himmel und Erde, Mensch, Eden, Abels Tod - Noah || Israel – Gottes Zeuge >

Ein zweiter Tempel wurde zum Wahrzeichen der Erlösung, als Israel nach 70 Jahren aus dem Galut Babel zurückkehrte. Damit gingen Prophetien in Erfüllung. Gleichfalls werden Prophezeiungen in Erfüllung gehen, wenn Israel aus dem Galut Esaw (jüdisches Verständnis) in allen Ländern, Sprachen und Völkern zurückkehrt in dasselbe von Gott bereits den Vätern zugeschworene Land. Für die ganze Welt zur wahrhaftigen Gottes-Erkenntnis wird dann der dritte Tempel in Jerusalem gebaut. Wird er auch am Schmini Atzeret eingeweiht werden?

Denken wir am Schmini Atzeret auch an die Vollendung des Reiches Gottes auf Erden, wenn alle von Menschen entgegen Gottes Gesetz gemachten Gesetze und falschen Systeme hinfällig sein werden, und alle Menschen lernen dürfen, nach Gottes Gesetz zu leben und, wie es in Gottes Tora geschrieben steht: Der Ewige wird regieren immer und ewig, und es ist verkündet: Der Ewige wird König sein über die ganze Erde. An diesem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig sein.
Denken wir am Schmini Atzeret auch an die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben im Dienst des Heiligen, gelobt sei Er, nach Seinem ewigen Gesetz?
Natürlich sind es nur drei Wallfahrten im Jahr nach Gottes Gesetz. Trotzdem schließen sie ein viertes Fest mit ein. In Israel ist es nur ein Tag, der vom Simchat Tora sehr überprägt wird. In der Diaspora, außerhalb Israels, kommt dazu ein Diaspora-Feiertag (2. Tag Schmini Atzeret). Dadurch werden Schmini Atzeret und Simchat Tora zwei eigenständige Feiertage. (Das müsste eigentlich im Lande Israel so übernommen werden!)

Diese soweit bewusst gemachten Augenmerke wollen wir nun nicht nur zur Freude an unserer eigenen Zukunft zu Herzen nehmen, sondern sie auch zur Hawdala mit einer Welt in Beziehung setzen, die doch vom Ziel der Weltgeschichte noch erschreckend weit entfernt zu sein scheint.
Die Welt strengt sich entschieden mit religiösen, philosophischen, politischen und militärischen Methoden bzw. Macht-Systemen an, die Erlösung durch Gottes Gesetz für die ganze Menschheit zu verhindern, anstatt in Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, auch den Erlöser Israels und der Menschheit zu erkennen.

Zu allem Leid, das sie Israel schon zugefügt hat, versucht die Welt auch noch, ihm andere Erlöser (Götter) aufzuzwingen und will das Heil, das von den Juden kommt, nicht von den Juden lernen, sondern spricht es ihnen ab, und dazu auch noch das Lebensrecht und versucht, sie zu belehren bzw. zu missionieren (Galut Esav).

Sicher hat es Sie, liebe Freunde, am Anfang dieses Themas verwundert oder sogar amüsiert, dass Rabbiner Hirsch den Ausdruck Katechismus überhaupt benutzt. Können Sie darin auch eine Hawdala zwischen Gottes Wort und den Religionen sehen? Der Sog der „Aufklärung“ mit seiner Welle der Säkularisierung und Emanzipation hat doch das Ziel gehabt, alles Religiöse aus den Angeln zu heben. Damit wurde das Judentum schlicht zu einer Religion degradiert und mit den Religionen der Welt in einen Topf geworfen. Oder war Israel, wie so oft, das eigentliche Ziel der Angriffe?

Lassen wir wieder Rabbiner Hirsch selbst zu Worte kommen: Zitat aus dem Buch „Im Kreis des Jahres“, 1. Band – Monat Siwan – Einzigkeit der Tora – Religion – Theologie – Kultus … (stark gekürzt wie gehabt):

S. 212 Ziff. 3: „Religion“ nennt man die Tora, „jüdische Religion“ … konnte man einen heiligeren, ehrwürdigeren Namen für die Tora finden? Und doch hat man mit diesem Namen das Wesen der Tora getötet. …
S. 216 Ziff. 4: Man nennt die Tora „Theologie“, „jüdische Theologie“ … Die Theologie erzeugte und erzeugt überall Theologen, denen das Volk als Laien, als die Nichtwissenden … gegenüberstand – und steht. …
S. 218 Ziff. 5: „Kultus“ nennt man die Institutionen der Tora, „Israelitischen Kultus“… Den Gottesdienst der Tora bildet das Leben, und Gott verehren heißt – Gott gehorchen. … 6.
Wenn aber die Tora keine Religion und keine Theologie und kein Kultus ist, was ist sie denn? – Was sie ist? „Tora“ ist sie (Anm.: Gottes Lehre) … von Gott in den Schoß eines Volkes gelegte Saat ist sie, aus welcher das ganze Leben dieses Volkes in allen seinen einzelnen und Gesamtgestaltungen erblühen soll, eine Gottessaat ist sie, deren Produkt „Israel“ heißt, ein Individuum, das als Einzelwesen und als Volksgesamtheit in allen seinen Lebensäußerungen die Herrschaft Gottes, wie in allen seinen Schicksalsgängen das Walten Gottes bekunden soll, und das daher ebenso einzig in seiner geschichtlichen Erscheinung dasteht, wie die Tora einzig ist, die es belebt und die einzige Bedingung seiner geschichtlichen Erscheinung ist, und wie Gott einzig ist, der beide, die Tora und Israel, als die Offenbarung seines Willens und seines Waltens in die Mitte der Menschheit gesetzt hat, (Im Buch hebräisch, hier Phonetik:) „HaSchem echad, Tora echad, Israel Goi echad baAretz“.

Geht meine dem Zitat vorangestellte Frage nach der Hawdala jetzt leichter zu beantworten? Dem Rabbiner Hirsch blutete das Herz, weil so viele Juden und so viel vom Judentum im Galut Esav den Religionen ausgeliefert waren, die ja nicht von Gott zu den Menschen gekommen sind, sondern vom Menschen ausgehen, und zu Gott zu kommen „glauben“! Diese haben „moderne“ Weltanschauungen und neben viel anderem Unsinn auch die fatale „Theorie“ in ihr Lehrgebäude einbezogen, die nur beweisen zu wollen bereits charakterlos genug wäre: Den Darwinismus. Statt mit 5775 Jahren, wie Israel, rechnen sie nun mit Millionen Jahren wie die „Wissenschaft“!

In der Mappe zum Hawdala-Kalender im A 3 – Format, finden Sie auf Seite 6 in der „Jahres – Tafel“ zum Jahreskreis (Seite 7) in der Spalte „Name des Tages“ in der Zeile Schabbat neben dem Eintrag „Höchster Feiertag“ auch „Tag der jüdischen Weltanschauung“. Bereits im Schöpfungsbericht der Tora sind Grundregeln zum Kalender des Juden sichtbar und damit schon der erste und ewig auch höchste Feiertag zu sehen. Wer die Jüdische Weltanschauung nicht will, wird sich zwar freuen, wenn er am „Feiertag seines Katechismus“ Freizeit hat. Den Schabbat nach Gottes Gebot zu heiligen, wird er aber nicht verstehen, und auch nicht den „Katechismus des Juden“ brauchen, der jährlich die ganze Tora erneuert.

In dem Kampf mit Esaw, dem alle Juden beständig ausgeliefert waren und noch sind, den wir einem erbarmungslosen Vernichtungs-Krieg auf ideologischer Ebene vergleichen können, besonders mit dem hellenistischen Krieg gegen das Judentum zur Zeit der Makkabäer, war es den Feinden der Tora wieder gelungen, einen Teil der Juden zu Fall zu bringen. Darin sah Rabbiner Hirsch seine Aufgabe!

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3 Kommentare to “Des Juden Katechismus und das vierte Wanderfest – Teil 2”

  1. Marion Parsch sagt:

    Hoffnung!

    Eines Tages sagte mein 12-jähriger Sohn Andreas zu mir: „Jesus war Jude, eigentlich müssten wir alle jüdisch sein.“

    Er wusste gar nicht, welche grosse Freude er mir mit seiner Erkenntnis gemacht hatte. Er sprach mir direkt aus dem Herzen und es jubelte still.
    Ich gab ihm recht und er freute sich ebenfalls.

  2. Jehonatan Kiebitz sagt:

    Liebe Marion Parsch!

    Die Erkenntnis Ihres Sohnes Andreas haben auch andere, und sie macht zu Recht viele glücklich.

    In der Zeit der Nazis wäre sie sicher etwas problematischer gewesen als heute. Aber haben Sie schon einmal erlebt, dass die christlichen Kirchen, egal welcher Richtung, dagegen angehen? Ist sie nicht eigentlich gewollt?

    Wann löst diese Erkenntnis tödliche Gefahren und am Ende die „Judenfrage“, den „Dauerbrenner“ Luthers – auch schon als er noch „glaubte“, alle Juden taufen zu können – aus?

    Das ist nicht die Frage, ob er Jude war. Das ist die Frage, wer sein Vater war? Wenn jüdische Historiker das so sehen, dass seine Mutter das Opfer einer Vergewaltigung durch einen römischen Offizier gewesen ist, dann würde sein Status zu dem heute aktuellen Buch „Der halbe Stern“ passen (ISBN 978-3-89806-865-9) und damit bei den Nazis bereits genug Probleme ausgelöst haben.

    Wenn man dem römischen Offizier dann extra noch den Titel „Heiliger Vater“ und die Anrede „Eure Heiligkeit“ zubilligen würde, dann wäre damit die Entstehung des christlichen Dogma von der Trinität augenfällig.

    Kurz: Es geht keinesfalls um die Frage, ob der Held des „Neuen Testamentes“ ein Jude war, sondern um die Frage, ob er Gott ist und damit ein Mensch, der angebetet werden müsste!

    Noch viele glückliche Erfahrungen wünsche ich Ihnen gemeinsam mit Ihrer lieben Familie im Schalom, der vom Gott Israels kommt, der Echad (Der Einzig Eine) ist!

    Ihr Jehonatan Kiebitz