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Des Juden Katechismus und das vierte Wanderfest – Teil 1

  • „Drei Wanderfeste sollst du mir im Jahre feiern“ (2. Moses 23,14) *

*) Alle Übersetzungen aus dem Hebräischen ins Deutsche, wenn nicht anders vermerkt, von Rabbiner Samson Raphael Hirsch – 1808 bis 1888 – (Anmerkungen vom Verfasser, Jehonatan Kiebitz: Bei dem Artikel handelt es sich um die aktuelle Fassung des Thematischen Teiles des Hawdala-Kalenders 5770).

„Am fünfzehnten Tage dieses siebten Monats ist das Fest der Hütten, sieben Tage Gott geweiht“… „Sieben Tage bringt ihr Gott eine Feuerhingebung nahe; am achten Tage soll euch Berufung zum Heiligtum sein, und ihr bringt Gott eine Feuerhingebung nahe, ein bewahrendes Zusammenfassen ist es, kein Dienstwerk dürft ihr schaffen“ (3. Moses 23,34-36).

„Und am 15. Tag des siebten Monats soll Berufung zum Heiligtum euch sein, kein Dienstwerk dürft ihr schaffen, und ihr feiert Gott ein Fest sieben Tage“…“Am achten Tage soll euch ein Fest des Verharrens sein, kein Dienstwerk dürft ihr schaffen“… (4. Moses 29,12 und 35).

  • Die drei Wanderfeste:

Pessach, Fest der ungesäuerten Brote, 7 Tage im Frühling mit dem Auszug und der Erlösung Israels aus der Sklaverei in Ägypten nach der Nacht der Verschonung und der Rettung vor den Verfolgern durchs Schilfmeer (Die Wasser standen wie Mauern), hohe Feiertage der 1. und der 7. Tag des Festes.
Schawuot, Wochenfest, 1 Tag im Sommer das erste Ziel des Auszuges aus Ägypten mit der Offenbarung Gottes und seines Gesetzes am Chorew, dem Berg Sinai, hoher Feiertag.
Sukkot, Hüttenfest, 7 Tage im Herbst zum Gedenken der 40 Jahre in der Wüste unter der unmittelbaren Fürsorge Gottes, hoher Feiertag der 1. Tag .
Dem siebentägigen Fest, an dem Israel in Hütten wohnt, folgt ein 8. Tag , an dem man nicht mehr in der Hütte wohnen, sie jedoch auch noch nicht abbauen darf, da es ein hoher Feiertag ist. Er ist an die drei Wanderfeste angeschlossen. Es sind auch bei den vier Tekupot (Eckpunkten) des Jahres nur drei Wanderfeste möglich, denn im Winter ist Regenzeit und in Jerusalem, dem Ziel der Wanderfeste, manchmal sogar Schnee. Die Diaspora-Feiertage sind an dieser Stelle zur besseren Übersicht nicht berücksichtigt. Dafür sind die Diaspora-Seiten da. Fast unauffällig folgt der Schmini Atzeret als das Schlussfest dem dritten Wanderfeste. Der Umgang damit erscheint bei verschiedenen Kommentatoren spärlich bis treuherzig naiv, wird jedoch als eigenständiges Fest bezeichnet, und in der Parascha für Schmini Atzeret, (5. Moses 14,22 – 16,17), werden die drei Wanderfeste noch einmal genannt, ohne dass der 8. Tag nach Sukkot auch nur erwähnt wird.

. . . . . . . . Übersicht der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .

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Lesungen und Stichpunkte nach Hawdala-Kalender für 1. Tag Sukkot: Hallel, 3.Moses 22,26 – 23,44; 4.Mo.29,12-16 || Sacharja 14 < Die Feste des Ewigen || Letzte Schlacht um Jerusalem - Gottes Sukkot allen Völkern > …für 2. Tag Sukkot:Hallel, 3.Mo.22,26 – 23,44; 4.Mo.29,12-16 || 1.Könige 8,2-21 < Die Feste des Ewigen || Einweihung des 1. Tempels in Jerusalem am Sukkot > …für Schabbat Chol ha-Moed: Hallel; Kohelet (Prediger) 2.Mo.33,12 – 34,26; 4.Mo.29,23-31 || Hesekiel 38,18 – 39,16, Hoschanot < Moses sieht Gottes Herrlichkeit || Am Tage des Gog bei seiner Ankunft in Erez Israel - Strafgericht Gottes über viele Völker, und sie erkennen, dass Er der Ewige ist >

Im Buch „Im Kreis des Jahres“ von Rabbiner Samson Raphael Hirsch lesen wir im zweiten Band als Teilüberschrift zum Monat Tischri: „Des Juden Katechismus ist sein Kalender“.
Es folgen Zitate, für diesen Rahmen sehr stark gekürzt, jedoch mit der Empfehlung, das Buch selbst zu lesen:
„Den scheinbar flüchtigsten Elementen (Anm.: Festzeiten) hat Gott die Pflege Seiner Heiligtümer anvertraut … Priester und Denkmäler, Tempel und Altäre müssen warten, bis du zu ihnen kommst … Nicht so die Kinder der Zeit … Sie kommen zu dir … und allgegenwärtig wie die Gottheit, die sie sendet, treten sie zu allen zu gleicher Zeit heran und erfüllen in einem Moment … Millionen mit einem Gefühl und einem Gedanken…

Ein zweifaches Jahr hat der Kalender der Juden, so wie er auch einen zweifachen Tag kennt.
. . .Der Nacht-Tag (Anm.: Beginn am Abend) … ist der Tag der Erdschöpfung … Aber im Heiligtum gilt der Lichttag … Das Herbstjahr … ist das Jahr der Erdschöpfung … Das Frühlingsjahr … ist das Jahr des Judentums, das Jahr der Israel- und Menschheits-Erlösung … Diese Doppelzählung der Jahre und Tage: Siehst du nicht, wie sie der Posaunenruf des Todes und des Lebens … wie sie dich ewig wachrufen soll zu dem lebendigen Bewusstsein von deinem Doppelwesen … von dem irdisch Vergänglichen und dem ewig Göttlichen des ganzen Menschheitswesens auf Erden? … (Hier sechs Seiten übersprungen) … Sukka, der Hüttenbau, lehrt dich Emuna, das Gottvertrauen … In den Wänden unterscheiden wir uns, in der Bedachung sind wir alle gleich … es ist Gottes Gnade und Segen, der uns schützt, und Paläste und Hütten mit gleicher Liebe deckt … Und die Vollendung des Ganzen ist Atzeret, das Fest des Verharrens und Festhaltens, des Bleibens bei Gott …“ ( – die Bedingung für die Zukunft? – Ende Zitat ).

„Da sprach Gott: Ich habe das Elend meines Volkes, welches in Mizrajim ist, wohl gesehen, und ihr Geschrei habe ich gehört wegen ihrer Dränger; denn ich habe seine Leiden erkannt. Nun bin ich herabgestiegen, es von Mizrajims Hand zu erretten und es von diesem Lande zu einem guten und geräumigen Lande heraufzuführen, zu einem Lande, das fließen kann von Milch und Honig, …“ (2. Moses 3,7 und 8)

„. . .Und eben dies wird für dich das Zeichen sein, dass ich dich geschickt habe. Wenn du das Volk aus Mizrajim führst, werdet ihr Gottes Diener werden an diesem Berg“ (2. Moses 3,12). (Anm.: Sie blieben dort ein Jahr, bis nach dem Pessach am Berg Sinai!)

Als Mosche von Gott den Rettungsauftrag für das Volk Israel bekam, erhielten sie eine zweifache Hoffnung. Es waren zwei Ziele, die erreicht werden sollten. Ein Ziel zu haben bedeutet für den Menschen Zukunft und Hoffnung.
Das erste Ziel war es, dem Gott Abrahams, Jizchaks (Isaak) und Jaakovs (Jakobs), dem Gott Israels, nahe zu kommen und ihm in Ewigkeit dienen zu dürfen, anstatt dem Sklavendienst der Ägypter ausgeliefert zu sein. Der ständigen Bedrohung des Todes folgte der Bund (des ewigen Lebens) am Sinai. Dieses Ziel hatten sie am 50. Tage (nach der Omerzeit) erreicht.
Das nächste Ziel war das Israel verheißene Heilige Land, in dem Gottes heiliges Gesetz verwirklicht werden sollte und Gott mitten unter ihnen seine Stätte haben wollte.

„Und es sei, wenn dich Gott zu dem Lande … bringen wird, das er dir zu geben deinen Vätern geschworen hat, zu einem Lande, das von Milch und Honig fließt: Dann begehe diesen Dienst in diesem Monat. Sieben Tage sollst du dann ungesäuertes Brot essen …“ (2. Moses 13,5 und 6).

Die schon den Stammvätern Israels gegebene Hoffnung wurde nun zur lebendigen Erfahrung, als sie mit dem Jordan die Grenze des Landes erreicht hatten:
„Darauf sprach Mosche und die Priester, die Leviten, zu ganz Israel: Merke auf und höre Israel: An diesem Tage bist du zu einem Volke geworden Gott, deinem Gott. So gehorche denn der Stimme Gottes, deines Gottes, und vollbringe seine einheitlichen Gebote und seine Gesetze, zu denen ich dich heute verpflichte“ (5. Moses 27, 9 + 10).

Die Gebote ihres Gottes zu dem Ihnen bereits anvertrauten Kalender waren für sie noch mit eigenen Erlebnissen verbunden. Sie konnten deren Bedeutung erkennen, die an ihnen vollbrachten Wunder in ihrem Gedächtnis lebendig zu erhalten und bis zum Ziel der Weltgeschichte auch als Wegweiser der Erlösung für die ganze Menschheit zu dienen. Wodurch? Die Praxis des Gebotes Gottes bewirkt bei allen späteren Generationen das eigene Erlebnis und die Zusammengehörigkeit wie damals.

„Das Verborgene ist Gottes, unseres Gottes; aber, was offenbar ist, das ist unser und unserer Kinder auf ewig: alle Worte dieser Lehre zu erfüllen“ (5. Moses 29,28).

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