cat-right

Vor Rosch Haschana

26. Elul 5774, 21.9.2014

26. Elul 5774, 21.9.2014

BS“D

Schalom, lieber Herr Martienssen!

Es war Schabbat Ki Teze, zu dem im Hawdala-Kalender extra der Hinweis steht: (Minjan Mizwa), was doch eigentlich für jeden Schabbat und Jom Tov gilt. Das betrifft den Maftir-Abschnitt, die Mizwa betreffend Amalek aus Schabbat Sachor.

Ich hatte vor Schabbat IhrenArtikel zu Ki Teze ausgedruckt, und machte ihn nicht nur zu meiner Lektüre sondern auch zu einer unvergesslichen Entdeckung! Zitat:

    „Natürlich, weil Gott in der Tora Israel zu Seinem Volk auserwählt hat, Nazi-Deutschland daraus einen Weltherrschaftsanspruch der Juden ableitete, und daraufhin den Holocaust gebot.“

Waren Sie, lieber Herr Martienssen, sich selbst bewusst, dass Sie dabei in der Zusammenfassung der gesamten Weltgeschichte einen historisch bedeutsamen Satz ausgesprochen haben, der die Stellung Israels innerhalb der Welt und das Verhalten der Welt gegenüber Israel, typisch trifft?

An dieser Stelle ist die Frage nötig nach dem „Warum“? Warum merkt denn die Welt einfach nicht, was sie macht, was sie anrichtet und schließlich sich selber antut trotz ihrer demokratischen Freiheiten? Da ist ein Religionsproblem dazwischen! Die Weltreligionen sind das Werk von Menschenhänden, Menschenlehren, Machtinteressen, etc., kurz Menschenwerk. Dabei herrscht Blindheit für den Schöpfer des Himmels und der Erde, der einzig auch der Erlöser der Welt ist. Man lässt sich nur zu leicht auf das Spiel der Schlange ein, die die Rolle des Erlösers spielt. Das begann im Paradies, wo alles „sehr gut“ war und es noch nichts zu erlösen gab.

Im Wochenabschnitt Ki Teze, steht Israel kurz vor dem Einzug in das Heilige Land und dem Abschluss der Gesetzgebung. Die letzten von den 613 Geboten Gottes in der Tora dienen zur alljährlichen Erneuerung des Gedächtnisses Israels für den Schöpfer und Eigentümer der ganzen Erde, der das Land Israel dem Volk Israel verheißen und schließlich gegeben hat. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass mit diesem Ziel die Tora ihren Abschluss findet ohne auch nur einmal eine Glaubensfrage aufzubringen. Es geht nur um Gedächtnis- und um Treuefragen (die Dankbarkeit) Israels in der Zukunft.

Da sind wir wieder bei dem Zitat Ihres oben hervorgehobenen Satzes, über das Geheimnis Nr. 1 in der ganzen Weltgeschichte: Die Erwählung Israels, der Nachkommen Abrahams, in der Linie dessen Sohnes Jizchak. Der Weltherrschaftsanspruch, den die Welt Israel deswegen andichtet, erhält aber an der Situation vor Israels Überschreiten des Jordans noch einen ganz anderen Nährboden: Den Krieg. Israel erhält sogar den Auftrag, die Völker, die sich offensichtlich rechtswidrig im Land aufhalten und „Das Heilige Land“ durch ihre Götzendienste und Gräuel der → Unsittlichkeit bis zur Sodomie entheiligt haben, auszurotten und die Heiligkeit in das Land durch das Aufrichten des einzig Heiligen und ewigen Gesetzes, des Gesetzes Gottes, erst einmal hinein zu bringen.

Genau so, wie die Welt nicht fähig ist zu sehen, dass und warum der Gott Abrahams, Jizchaks und Jaakovs das Volk Israel auserwählt hat, kann und will die Welt absolut nicht sehen, dass zwar Israel auch eine Waffe in der Hand seines Gottes im Kriege ist, dass es aber ihr Gott selbst ist, der diesen Krieg führt und die Völker, die ihr Maß voll gemacht haben, ausrottet. Man dichtet also im gleichen Sinne Israel wiederum die Weltherrschaftsgesinnung an, verblendet und unfähig gemacht durch den Gräuel der gegen Israel und das einzig Heilige Gesetz Gottes wütenden Antireligionen.

Damit kommen wir zum Schabbat KiTawo. So wie Sie, lieber Herr Martienssen, mich mit dem oben zitierten Satz in Jubelstimmung versetzt haben, hat das bei dem aus Ihrem Beitrag zu Ki Tawo nun zu zitierenden Satz zu einem Schreck geführt. Zitat:

    „Doch gemäß der Noachidischen Gebote kommt ein in keiner Weise islamistisch engagierter Moslem – trotz Koran, weil er nur den Einen Gott Allah anbetet und wenn er ansonsten die anderen 6 Noachidischen Gebote hält – in den Himmel / die kommende Welt. Ein Christ, mit seinem Gott lästernden Neuen Testament, nicht!“

Als das Christentum sich ausbreitete und durch seine Hegemoniebestrebungen nach der Weltherrschaft trachtete, war der Islam, die Religion der Araber, der Nachkommen Ismaels, des Sohnes Abrahams, mit ihrem Heiligtum in Mekka dabei, 99 Götter anzubeten, die repräsentiert wurden durch 99 Steine. Das Christentum, das bereits in voller Fahrt war, besonders durch die Hetze seiner absolut antisemitischen Kirchenväter, Israel ersetzen zu wollen, rühmte sich auch, anstelle des „nur“ einen Gottes der Juden mit seinem gerade neu erfundenen und nun angebeteten „Dreieinigen Gott“ die neue „monotheistische“ Weltreligion zu sein.

Wer weiß überhaupt, dass Mohammed mit einer jüdischen Frau verheiratet war, wenn auch später wieder geschieden? Ob es einen jüdischen Kalif gab, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er mit dem jüdischen Monotheismus Probleme bekommen und wahrscheinlich auch das Vorbild Abrahams erkannt, der alle Götzen beseitigt hat. Das hat er aber nicht gemacht. Er wollte auch einen Monotheismus schaffen, aber dadurch, dass er, etwa gemäß dem Trend der Zeit, 98 von den 99 arabischen Götzen beseitigt hat. Deren Obersten, den berühmten schwarzen Stein, hat er jedoch verschont, vergleichbar wie Schaul den Agag. Das Ganze hat ihm ja in Mekka bereits genug Probleme eingebracht.

Sehen Sie, dass damit anstelle des einzigen lebendigen Gottes und Spenders allen Lebens der nächste „Monotheismus“ hergestellt worden war und damit neben dem Christlichen Gott ein weiteres riesiges „Glaubensproblem“? Die „Gläubigen“ pilgern schließlich heute noch nach Mekka zu diesem schwarzen Stein, dessen Name, vergleichbar wie im Christentum der Name des Christlichen Gottes, angebetet wird.
Was haben diese beiden Neomonotheistischen Religionen gemeinsam? Sie wollen den einzigen Heiligen Gott, den Gott Israels, ersetzen und selbst verfügen, was heilig ist oder was nicht heilig ist → vgl. Heilig oder unheiligGedanken zu Chanukka – bzw. anstelle des Gottes Israels für sich selbst den Titel der Heiligkeit beanspruchen. In so einem Fall kann ja die Anrede „Eure Heiligkeit“ nur eine Lüge sein und würde sofort der Wahrheit weichen müssen durch den Titel „Eure Scheinheiligkeit“.

Warum gibt es in Israel praktisch keine „Glaubensprobleme“? Das Glück Israels besteht in seiner lebendigen Erfahrung mit dem Lebendigen Gott. Zu befürchten sind da höchstens Gedächtnis- Probleme, und diese scheint die Welt herbei -missionieren oder -terrorisieren zu wollen!

Warum verhält sich die Welt so? Egal, ob ein schwarzer Stein oder ein philosophisch erfundener griechischer Gott oder sonst von Menschen gemachte Götter, können alle Götzen etwas nicht, was nur der Gott Israels alleine kann: Alle anderen Götter können nicht lieben, auch wenn das Christentum eine Liebe predigt, die durch alle christlichen Kriege und Morde als Trugschluss durchschaubar ist! Dass der lebendige Gott, der Gott Israels, Israel selbst als Sein Volk auserwählt hat und liebt, das ist es, was die Welt Israel neidet.
Gott hat auch den Abel geliebt. Wozu hat der Neid den Kain getrieben? Zum Holocaust!

Wer selbst würdig werden will, vom Gott Israels geliebt zu werden, muss nicht den Gott Israels, sondern sich selbst verändern. Er braucht nur Gottes Gesetz, um sich selbst danach richten zu können!

Wer ist denn schon bereit, sich selbst zu richten? Wie schnell beginnt die Welt, sich selbst zum Richter aufzuwerten und auch noch selbst Gesetze zu machen, und nicht nur Israel, sondern auch den Richter der ganzen Erde nach Menschen-Gesetzen zu richten. Da wird nicht nur Israel sondern sogar der Gott Israels schuldig gesprochen. Was wird dabei nicht alles verbrannt wie z. B. → in der Reichs-Christall-Nacht?

Lassen Sie uns bitte an dieser Stelle noch einen Blick in die Paraschat Ki Tawo werfen, die den Blick für den Umgang der Welt mit Israel erweitert. Zitate aus der deutschen Übersetzung und den Kommentaren dazu von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808 – 1888):

5. Buch Moses Kapitel 27 Vers 2 + 3:
„Darum sei es, an dem Tage, an welchem ihr den Jarden zu dem Lande hin überschreiten werdet, welches Gott, dein Gott, dir gibt, so richtest du dir große Steine auf und überziehst sie mit Kalk, und wenn du hinüber geschritten bist, schreibst du auf sie alle Worte dieser Lehre, damit du zu dem Lande kommst, welches Gott, dein Gott, dir gibt, …“

Auszüge aus dem Hirsch-Kommentar zu diesem Vers:
„… Die Errichtung dieser Steine für das Gesetz, mit welcher ihr euch sofort, wenn ihr den Jordan überschreiten wollt, beschäftigen, die ihr schon vor vollbrachtem Überschreiten beginnen sollt, sie wird es bewirken, dass ihr überhaupt den Jordan überschreitet und in das verheißene Land kommt. Nur der Tora verdankt ihr das Land, für das Gesetz, für die Erhaltung und Erfüllung des Gesetzes erhaltet ihr das Land. Das soll sofort bei eurem Überschreiten des Grenzflusses bekundet werden. In der Tat wurden auch – wie Josua 4,2 – 8 berichtet … – die Steine aus dem Jordan, von der Stelle, wo und während die Priester mit der Gesetzesbundeslade standen, vor welcher der Jordan zurückgewichen war, ausgehoben, und nachdem davon auf dem Ebal der Altar gebaut und das Gesetz darauf geschrieben worden war, zum bleibenden Gedächtnis in Gilgal, der ersten Raststätte auf heimischem Boden, aufgerichtet, damit diese Steine noch den späten Enkeln erzählen mögen, dass vor der Gesetzeslade des Gottesbundes die Fluten des Jordans zurückgewichen waren, nicht vor Israel, weil das Gesetz seiner Bestimmung entgegenzog, wichen die Wasser des Jarden zurück. Und schon vor dem Hineinschreiten in den Jordan hatte Josua das Volk zwölf Männer, je einen Mann aus jedem Stamm, zum Ausheben und Mitnehmen dieser Steine bestimmen lassen.“ …

5. B. M. 27, 9:
„Darauf sprach Moses und die Priester, die Leviten, zu ganz Israel: Merke auf und höre Israel: an diesem Tage bist du zu einem Volke geworden, Gott, deinem Gott!“

Auszüge aus dem Hirsch-Kommentar zu diesem Vers:
„Nachdem im Vorhergehenden das Volk selbst – nicht bloß seine Vorgesetzten (siehe V. 1) zu Vertretern und Erhaltern des Gesetzes bestellt und verpflichtet worden waren und ihnen der Auftrag geworden war, an dem ersten Tage ihres gemeinschaftlichen Betreten des Landes, vor ihrem Auseinandergehen in die mit der Besitznahme beginnende Vereinzelung, durch die Errichtung der Gesetzessteine dieser Gesamtverpflichtung für das Gesetz bleibenden Ausdruck zu geben, sprach nun Moses mit Zuziehung der die Gesetzeskenntnis vermittelnden Priester zu ganz Israel, zu Volk und Vorgesetzten. …
Die gemeinsame Verpflichtung zum Gesetze und für das Gesetz, die soeben für alle deine Angehörigen ausnahmslos ausgesprochen worden, die gemeinsame Gesetzeshut, auf deren Wacht ihr alle bestellt seid, die macht dich zu einem Volke. Heute, nicht erst der nun bevorstehende Besitz des Landes, der gemeinsame Besitz des Gesetzes macht dich zum Volk. Das Land kann dir verloren gehen, wie es dir werden wird, aber das Gesetz und deine ewige Verpflichtung zu ihm bleibt dein ewiges unverlierbares Band der Volkseinigung. Diese Israel tief von allen anderen Völkergestaltungen scheidende, das Geheimnis der jüdischen Volksunsterblichkeit in sich bergende Grundtatsache mit allen Konsequenzen, die daran sich für Israels Zukunft knüpfen, sie ist es – wenn wir ihn recht verstehen – welche den bedeutungsschweren Inhalt des Satzes Hajom hase niheje leAm (An diesem Tage bist du zu einem Volke geworden) bildet. Die allererste Konsequenz daraus ist freilich:

Vers10: „So gehorche denn der Stimme Gottes, deines Gottes, und vollbringe seine einheitlichen Gebote, und seine Gesetze, zu denen ich dich heute verpflichte.“

Dazu wiederum der Kommentar von Rabbiner S. R. Hirsch:
„So gehorche … die noch gesteigerte Treue und Gewissenhaftigkeit in Erfüllung des Gesetzes. Was anderen Völkern Landesverrat ist, das ist fortan für Israel Verrat an dem Gesetze, und bezeichnend sind hier nur Mizwot (Gebote) und Chukim (Gesetze) genannt, Gesetze, die nach gewöhnlicher Anschauung nicht also wie Mischpatim (Satzungen) den staatlichen Bestand und die Nationalwohlfahrt berühren, und zwar ist Mizwotav mit verkürztem Vokalzeichen geschrieben, die Einheit und die völlig gleiche Wichtigkeit aller Gebote bezeichnend (vgl. 2. B. M. 33,13).

Nun sind wir am Schabbat Nitzawim angelangt, der, wie Sie darauf hinweisen, immer der Schabbat vor Rosch HaSchana ist, speziell dadurch, dass er einmal diese Parascha beinhaltet, gleichrangig jedoch auch die Doppelparascha mit Wajelech, wie gerade in diesem Jahr. Schön war es für mich, Ihren Kommentar dazu zu lesen.

Im Abschnitt Wajelech, Kapitel 31 Verse 9 – 10, 22 – 26 lesen wir von der Vollendung von Moses Handschrift, der schriftlichen Tora. Die Handschrift des Allmächtigen auf zwei Tafeln aus Stein hatte schon ihren Platz in der Bundeslade im Allerheiligsten. In Vers 26 lesen wir, dass die von Moses geschriebene Tora ihren Platz zur Seite der Bundeslade bekam. Wie tröstlich ist es, das zu wissen angesichts einer Welt die, inspiriert von Scheinheiligkeiten, die Tora gewissenlos verbrennt!

Dem Lied des Moses nach der Rettung durch das Rote Meer hindurch folgt nun dasLied des Moses vor der Rettung Israels durch den Jordan hindurch, was er selbst nicht mehr miterleben konnte. Wir lesen es vor Rosch Haschana, aber es war damals vor Pessach. Ich werde manchmal gefragt, wo in der Tora Rosch Haschana als Neujahrstag vorkommt? Natürlich in den Geboten zu den Heiligen Festen, aber sonst nur im 2. Moses 34 Vers 22, die Jahreswende.

Schana Towa U´metuka Ihnen, lieber Herr Martienssen, und Ihren Lesern!
Ihr Jehonatan Kiebitz



1 Kommentar to “Vor Rosch Haschana”

  1. […] Jehonatan Kiebitz, der Herausgeber des Hawdala Kalenders, machte uns im Artikel “Vor Rosch Haschana” mit wertvollen Hinweisen zum Verständnis darauf aufmerksam, dass dem Schirat Mosche, […]