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Fremdlinge – Berechtigte oder Berufene

Jehonatan KiebitzBS“D

Mein Thema im März: Die Erlösung der Welt … war eine Vorbereitung auf das Wallfahrtsfest Schawuoth während der Tage des Omer-Zählens, wobei die Zahl 50 das glückliche Ziel bedeutet. Die Symbolik von 50 Versen wird manchem Leser als eine Anlehnung daran erschienen sein. Dieses Thema wird heute fortgesetzt mit der Zählung der Verse bis zur 91 und bedeutet wiederum Tage, die auch im Jüdischen Jahr innerhalb ihrer Jahreszeit sichtbar sind. Sie laufen jedoch hinaus auf eine dreiwöchige Trauerzeit, die mit einem Fastentag beginnt und endet – der Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Gehört dieses Verständnis auch zur Erlösung?

Es soll erleichtert werden durch Zitate in Übersetzung von Rabbiner Samson Raphael Hirsch, 1808 – 1888 oder, wo besonders erwähnt und (abgekürzt): (Wohlgemuth = W), (Zuntz = Z), (Carlsruher Bibel 1836 = CB), (Züricher Bibel = ZB).

Fett gedruckt ist jeweils im hebräischen Original und in der Übersetzung der Begriff für die Fremden, die sich beim Auszug aus Ägypten Israel angeschlossen haben, aber bei den jeweiligen Zählungen nicht mitgerechnet wurden. Dazu in der Hirsch-Übersetzung jeweils nach der fett betonten Stelle in Klammern die Phonetik der hebräischen Aussprache.

Durch die verschiedenen zitierten Übersetzungen zu demselben Begriff wird eine Problematik sichtbar, die Auswirkungen auf die Geschichte Israels vermuten lässt, aber im Plan Gottes mit der Aufgabe Israels bis zum Ziel der Weltgeschichte nicht fehlen darf.
Die Reihenfolge der Zitate ist ohne Bezug auf den zum Thema laufenden Text zur besseren Orientierung der Reihenfolge in der Tora zugeordnet. Anmerkungen des Verfassers sind ohne das Kürzel (Anm.:) in Klammern eingefügt. Vorteilhaft ist es, den Hawdala-Kalender bereit zu halten.

Zweites Buch Moses 12,2: „Diese Monderneuerung sei euch Anfang von Neumonden; er sei euch der erste unter den Monaten des Jahres.“ (Monatsanfang = 1. Tag des neuen Monats (Neumond) = sichtbare Monderneuerung, neue Mondsichel / Beginn des Mondjahres mit der Zählung der Monate, Nissan = 1. Monat, Frühlingsmonat)

    וגם ערב רב אלה אתם וצון ובקר מקנה כבד מאד

Zweites Buch Moses 12,38: „Auch eine große gemischte Menge (Erew raw) zog mit ihnen hinauf, und Schafe und Rinder eine sehr bedeutende Herde.“
„Auch viel gemischtes Volk zog mit ihnen hinauf, auch überaus zahlreiche Herden von Schafen und Rindern.“ (W)
„Auch viel Tross zog herauf mit ihnen und Schafe und Rinder, eine sehr schwere Herde.“ (Z)
„Und zog aus mit ihnen viel Pöbelvolk, und Schafe und Rinder, und fast viel Vieh.“ (CB)
„Auch viel fremdes Volk zog mit ihnen hinauf, dazu Schafe und Rinder, eine gewaltige Menge Vieh.“ (ZB)

    תורה אחד יהיה לאזרח ולגר הגר בתוככם

Zweites Buch Moses 12,49: „Eine Lehre sei für den Eingeborenen und für den Fremdling, der in eurer Mitte weilt.“ (weleGer hagar betochechem)
„Ein und dieselbe Vorschrift sei für den Einheimischen wie für den Fremden, der in eurer Mitte weilt.“ (W)
„Eine Vorschrift sei für den Eingeborenen und für den Gast, der unter euch verweilt.“ (Z)
Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdling, der unter euch wohnt.“ (CB)
„Ein und dieselbe Weisung gilt für den Einheimischen und für den Fremden, der unter euch weilt.“ (ZB)

    וילינו כל עדת בני ישראל על משמ ועל אהרן במדבר

Zweites Buch Moses 16,2: „Da murrte die ganze Gemeinde der Söhne Israels (kol Edat Bnei Israel) über Mosche und Aharon in der Wüste.“
„Da murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israels wider Mose und Aron in der Wüste.“ (W)
„Und die ganze Gemeinde der Kinder Israel murrte wider Moscheh und Aharon in der Wüste.“ (Z)
„Und es murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israel wider Mose und Aaron in der Wüste.“ (CB)
„Da murrte die ganze Gemeinde der Israeliten gegen Mose und Ahron in der Wüste.“ (ZB)

Zweites Buch Moses 16,4 – 31: Hier nur Zusammenfassung: Gottes Herrlichkeit und Schabbat dem Volk sichtbar und neue Lebenspraxis durch Gottes Gabe (Man), das Brot vom Himmel.

Zweites Buch Moses 19,1 – 3: „Am dritten Neumond (1. Siwan = 45. Tag im Omer) nach dem Auszug der Söhne Israels aus dem Lande Mizrajim (16. Nissan = 1. Tag im Omer), an demselben Tage waren sie in die Wüste Sinai gekommen; … und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber. Mosche aber war hinauf gegangen zu Gott hin, da rief ihm Gott vom Berge zu: Also sage dem Hause Jaakobs und stelle den Söhnen Israels vor: …“

Zweites Buch Moses 20,1 – 14: Am 6. Siwan, dem 50. Tage im Omer, steht das ganze Volk vor Gott und hört die 10 Gebote, das Ewige Gesetz Gottes. – Auszug daraus:
Zweites Buch Moses 20,8 – 11: „Gedenke des Sabbattages ihn zu heiligen … und dein Fremder, der in deinen Toren; denn in sechs Tagen hatte Gott den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, gebildet, als ER mit dem siebenten Tag ruhte; …“

Zweites Buch Moses 20,15 – 20: …„Es blieb das Volk von Ferne, und Mosche war hingetreten zu dem Gewölke, wo Gott erschienen. (Mosche blieb auf dem Berg Sinai bei Gott 40 Tage und 40 Nächte) Da sprach Gott zu Mosche: Also sprich zu Israels Söhnen: Ihr habt gesehen, dass ich vom Himmel mit euch gesprochen; gestaltet ihr nichts bei mir; Götter aus Silber und Götter aus Gold sollt ihr euch nicht machen.“

Zweites Buch Moses 23,9: „Einen Fremden sollst du also nicht beschränken, – ihr kennet ja das Gemüt des Fremden, denn ihr wart Fremde im Lande Mizrajim -“

Zweites Buch Moses 31,15 – 32,1: „Sechs Tage soll man Werk ausführen, aber am siebenten Tag … ein Gott eignendes Heiligtum; …So sollen Israels Söhne den Sabbat hüten, den Sabbat als ewigen Bund zu verwirklichen. Zwischen mir und den Söhnen Israels ist er für ewig ein Zeichen, dass in sechs Tagen Gott den Himmel und die Erde geschaffen und mit dem siebenten zu schaffen aufgehört hatte, da er sich in sein Wesen zurückzog. Als er mit ihm auf dem Berge Sinai zu reden vollendet hatte, gab er Mosche zwei Tafeln des Zeugnisses, Tafeln von Stein, geschrieben mit Gottes Finger.“
„Als das Volk sah, dass Mosche ihre Erwartung vom Berg herabzukommen nicht erfüllte, versammelte sich das Volk über Aharon und sie sprachen zu ihm: Auf, mache uns Götter,…“

Zweites Buch Moses 32,19: „Da war es, als er näher zum Lager gekommen war und das Kalb und die Tänze sah, – da erglühte Mosches Zorn, und er warf aus seinen vereinten Händen die Tafeln und zerschmetterte sie unten am Berge.“ (Das war am 17. Tamus, also am 91. Tage nach dem Auszug Israels aus Ägypten, nachdem Moses 40 Tage und 40 Nächte bei Gott geblieben war. Auch 40 Tage waren die Kundschafter im Lande Israel und 10 von ihnen verursachten den Untergang für alle Gezählten. Ausgenommen die zwei Treuen Diener Gottes und für die Jüngeren, noch nicht mit Gezählten, dafür aber einen Umweg von 40 Jahren)

Zweites Buch Moses 32,25 – 28: „Da sah Mosche das Volk, dass es zügellos war, dass Aharon es seiner sittlichen Schwäche ungezügelt überlassen hatte bis zur völligen Unselbständigkeit inmitten ihrer Gesetz-Empörer, und da stellte sich Mosche in das Tor des Lagers und sprach: Wer Gottes ist, zu mir! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levis. … und es fielen von dem Volke an diesem Tage an 3000 Mann.“ (Siehe auch 1. M. 34,25 – 26).

Viertes Buch Moses 9,1 – 5 und 14: „Im Monat Nissan: Israels Pessach am Berg Sinai in seiner bestimmten Zeit.“ (1. Jahrestag des Auszuges aus Ägypten – Mondjahr mit 12 Monaten – Die nächste Pessach-Feier erlebte Israel erst mit Jehoschua und Kaleb vor Jericho.)
„… Ein Gesetz soll euch sein (bedeutet auch einen Kalender des Jahres!) für den aus der Fremde Eingetretenen und den Eingeborenen des Landes.“

Viertes Buch Moses 10,11 – 13: „Es war im zweiten Jahre im zweiten Monate am zwanzigsten des Monats (20. Ijar, 35 Tage, das sind fünf Wochen im Omer – 1 Jahr und 35 Tage nach dem Auszug aus Ägypten) erhob sich die Wolke von ihrem Weilen über der Wohnung des Zeugnisses. Da brachen Israels Söhne auf zu ihren Zügen von der Wüste Sinai und die Wolke ließ sich zur Ruhe nieder in der Wüste Paran. Es war dies das erste Mal, dass sie nach der durch Mosche von Gott erteilten Anordnung zogen.“

    והאספסף אשר בקרבו התאוו תאוה וישבו ויבכו גם בני ישראל ויאמרו מי יאכלנו בשר

Viertes Buch Moses 11,4: „Das Gesindel aber, das sie unter sich aufgenommen hatten (wehaAspsaf ascher bekirbo), hatte sich zur Lüsternheit aufgestachelt, und da fingen auch Israels Söhne wieder an zu weinen und sprachen: Wer gäbe uns doch Fleisch zu essen!“
Das zusammengelaufene Gesindel in ihrer Mitte bekam allerlei Gelüste; da fingen auch die Kinder Israels wieder an zu weinen und sprachen: Wer gibt uns Fleisch zu essen?“ (W)
„Und das aufgeraffte Gesindel, das unter ihnen war, fühlte ein Gelüste, und auch die Kinder Israel weinten wieder, und sprachen: Wer wird uns Fleisch zu essen geben?“ (Z)
„Denn das Pöbelvolk unter ihnen war lüstern geworden, und saßen und weinten samt den Kindern Israel, und sprachen: Wer will uns Fleisch zu essen geben?“ (CB)
„Das hergelaufene Volk aber, das unter ihnen war, wurde gierig und auch die Israeliten begannen zu weinen und sagten: Wer gibt uns Fleisch zu essen?“ (ZB)

    T h e m a :

51) 50 ist die große Symbolzahl für das ersehnte Ziel. Der Start kann nur die 1 gewesen sein. 49 Mal wurde gezählt, beginnende Tage mit den Wochen. Was ging dem voraus? Was begann danach?
Was führte zum Start? War das Ziel eine Etappe, ein Ort, eine Zeit oder eine Person?

52) Ein Mann bekam den Ruf: „Führe Mein Volk aus Mizrajim.“ Das ging voraus am Berg Gottes und war die größte Berufung aller Zeiten an einen Einzelnen. Mosche fragte: „Wer bin ich, dass ich…?“ Die Antwort erfahren wir später: „Der Demütigste, Bescheidenste, Selbstloseste aller …“.

53) Den brennenden Busch wollte Mosche sehen. Der Ort wurde für ihn zum Zeichen der Berufung. Mit Seinem Volk schloss der Ewige dort den Bund. Das Volk sah und hörte die große Erscheinung.
Die Bundestafeln gab der Ewige in Mosches Hände, dem Treuesten aller Seiner Diener.

54) Bevor Mosche aufbrach, ging er zu seinem Schwiegervater. Dieser kam ihm entgegen, bevor Mosche mit dem Volk Israel zum Berg Gottes kam. Jitro gab Moses guten Rat. Bei der 50 war er selbst aber nicht dabei, nur Zippora und Mosches Söhne. Ein Jahr danach zog Jitro doch mit Israel.

55) Jitro war beim Pessach am Berg Sinai dabei. Sicher hat Jitro das Zeichen des Bundes, Brit Mila, dann schon gehabt. Pessach wurde erst wiederholt vor Jericho. Davor wurden wieder alle Männer beschnitten. Nach Pessach in Ägypten zogen auch andere mit Israel. Aber ohne Brit und Pessach?

56) Vielleicht waren sie begeistert über Israels Befreiung. Sie hatten auch die Geschenke gesehen, die Israel mitnehmen konnte. War eine Aktie daran eine Geschäftsidee? Ihnen fehlte aber die Erfahrung mit Israels Schicksal. Könnten sie das akzeptieren und dadurch Israels Erlöser erkennen?

57) Sicher hatten sie bereits einen „Wunderglauben“. Sie kannten die 10 Strafwunder. Sie waren in der Finsternis, Israel im Licht. Sie zogen mit Israel durch das Schilfmeer. Das war schön. Mosche hatte danach Mühe, alle zum Aufbruch zu bringen hinein in die Wüste. Bei Mara kam der Durst.

58) Armer Mosche! Du bekamst die Schuld. Du schriest für sie zu Gott! ER lehrte dich, das Bittere zu versüßen. Da gab Gott Israel die Grundlage von Gesetz und Recht, die Heilung aller physischen und sozialen Übel. Dort wurde ER ihr Arzt. Da wurde Heilung der beste Schritt zur Heiligung.

59) In Elim fanden die 12 Stämme dann 12 Wasserquellen und 70 Dattelpalmen. Das Sanhedrin, die 70 Auserwählten aus dem Volk mit Prophetie wurde aber erst berufen, bevor sie vom Berg Sinai aufbrachen zum großen Zug durch die Wüste zum verheißenen Land Abrahams, Isaaks und Jakobs.

60) Armer Mosche und armer Aharon! Am 30. Tag der Zählung von 50, verlor die Menge das Ziel aus den Augen und irrten rückwärts nach Ägypten. Nicht nur Durst, auch noch Hunger wurde jetzt reklamiert und euch der Hungertod angelastet. Gott antwortete, bevor ihr IHN anrufen konntet.

61) Moses war nicht mehr weit vom Berg Gottes. Hier sprach er mit seinem Bruder wie aus einem Mund, nicht zur Menge sondern zu allen Söhnen Israels: „Wer sind wir, dass ihr …?“ Sie riefen die zur Verantwortung, die den Brit mit eigenem Blut und Mesusot mit dem Blut des Lammes kannten.

62) Gott Sprach zu Mosche für das Volk. Das war die ganze Menge, und sie waren noch nicht am Ziel, dem Atzeret Pessach, dem 50. Tag des Festes. ER gab ihnen den Schabbat, gesteuert über ihren Magen. In der Abenddämmerung die Wachteln, am Morgen als Gabe (Man) das Himmelsbrot.

63) Das Brot war geknüpft an Bedingungen nach Maß und Zeit. Am Abend durfte nichts übrig bleiben, sonst faulte es, außer am Abend nach dem sechsten Tag. Da hatten sie doppelt, und nichts faulte. Am siebenten Tag mussten sie aber im Lager bleiben. Israels erstes Heiligtum: Der Schabbat.

64) Dort lernten auch die Mitläufer zu ruhen am 7. Tag. Nie konnte die Frage aufkommen, welches der 1. oder der 7. Tag ist. Es ging damals durch den Magen! Der Schabbat als höchster Feiertag ist Gedächtnis des Erlösers. ER, selbst der Schöpfer, vollendete Sein Schöpfungswerk am 7.Tag.

65) Wofür oder für wen bekamen sie die heilige Zeit? Konnten sie in IHM das Ziel Atzeret Pessach erkennen, Ihm entgegen eilen? Davor kam Amalek! Mosche lehrte Israel, auch im Krieg auf ihren Erlöser zu schauen. Daran erinnerte auch später die Kupferne Schlange: Ihr Erlöser – Ihr Arzt.

66) Es standen nicht nur Söhne Israels vor ihrem Erlöser, als er sich am Horeb offenbarte. Konnten sie erkennen, dass sie nur IHN brauchten, um alles zu haben? Die längste der zehn Bedingungen ist der Schabbat. Jede Woche bringt er erneut das Ziel in IHM! Die ideale Heilung in der Heiligung?

67) Gedenke des Sabbattages ihn zu heiligen, sechs Tage diene und schaffe all dein Werk, und der siebte Tag ist Sabbat Gott, deinem Gotte … Keinerlei Werk sollst du schaffen, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, und dein Fremder, der in deinen Toren.

68) Der Fremde im Lager Israels hat seinen Platz auf der ersten Bundestafel, und Israel wird auch für dessen Ruhe am Sabbat vor Gott verantwortlich. Israel wird auch öfter erinnert an sein eigenes Schicksal. Ihr kennt ja das Gemüt des Fremden, denn ihr wart Fremde im Lande Mizrajim

69) Nicht nur Söhne des Bundes Abrahams standen vor dem Erlöser der Welt am Berg Sinai. König Salomo weihte den Tempel zu einem Bethaus für alle Völker. Ist der Ewige immer für alle da? Ja! Aber! Alle hörten am Sinai SEINE Bedingungen! Wer sich nicht danach richtet, kommt ins Gericht!

70) Wollen alle für den Ewigen da sei? Nein! Nur alle, die das Joch der Tora auf sich nehmen, die sich nach SEINEM Ewigen Gesetz richten. Am Sinai haben es alle gehört. Heute gibt es globale Organisationen, die verhindern wollen, dass es auch nur gehört werden könnte. Wer hört es noch?

71) Der Verhinderer heißt hebräisch Satan. Das ist die List der Schlange, dass sie die Rolle des Erlösers spielt! Er will die Welt von Gottes Gesetz erlösen durch den Glauben an die (wessen?) Gnade!! Er will verhindern sehen zu können, dass der Schöpfer und der Erlöser Einer, Einzig ist.

72) Die größte Gnade haben alle erlebt, die mit am Sinai standen, Symbol dafür ist die Zahl 10. Abraham hatte 10 Treueprüfungen bestanden. 10 Strafwunder haben alle in Ägypten erlebt, als Israel von Ägypten geschieden wurde. In der Wüste versuchten sie Gott 10 Mal, statt Dankbarkeit!

73) Wer wollte denn das goldene Kalb? Sie wollten nicht auf Mosche warten, der bei Gott 40 Tage und Nächte weilte. Oder wollten sie Gott zuvorkommen, verhindern? Hatten sie die vergessen, die im Schilfmeer ertranken? Hatten sie schon das Zweite Gebot vergessen – keine anderen Götter!?

74) Den Schabbat hörten sie als viertes Gebot. Den erlebten sie auch im Magen, als Mosche 40 Tage bei Gott blieb. Sie konnten zwar nicht sehen, was Gott Mosche vollständig anvertraut hat. Sie haben jedoch die Wunder der Rettung und die Offenbarung des Retters erlebt, am 50. Tag, dem Ziel.

75) Mosche konnte auch nicht sehen, was bei ihnen geschah, aber Gott sagte es ihm. Mosche war bereit, sich für sie zu opfern – nach Jizchaks Vorbild? Sie wussten nicht, dass sie schon auf einen historischen Tiefstpunkt zugingen, den 91. Tag nach Pessach, statt das Allerheiligste zu empfangen.

76) Wie viele Jahre sind seitdem vergangen? Israel feiert heute noch den 50. Tag, aber am 91. Tag wird auch heute noch gefastet! Das war erst im vierten Monat, am 17. Tag. Die Erstgeboren Israels waren seit Pessach in Ägypten von Gott erwählt. Jetzt ergriffen die Leviten die Verantwortung.

77) Dafür werden die Erstgeborenen heute noch ausgelöst. Die Leviten bekamen kein Land, erbten aber die Nähe zu Gott. ER wurde ihr Erbe. Unter dem Volk waren nicht nur Israeliten, auch viele Fremde, aber ein Gesetz für alle. Wer ein Fremder ist, wurde durch die Nähe Gottes neu definiert.

78) In Mizrajim waren die Hebräer die Fremdlinge. Sie wurden aus der Sklaverei errettet durch den Gott ihrer Väter, den sie um Hilfe anriefen. Sie spürten die Nähe ihres Gottes durch die Rettung und zogen aus Ägypten, ihrem Retter entgegen, IHM zu dienen. Viele Fremde schlossen sich ihnen an.

79) Gemeinsam zogen sie in die Nähe Gottes, zuerst zum Berg Gottes, Sinai. Keiner durfte sich nahen, außer Mosche. Der Berg wurde eingezäunt, damit sich keiner nahen kann, weder Mensch noch Vieh, und alle Menschen mussten sich heiligen. Die Nähe Gottes setzt Berufung voraus.

80) Ein Fremder, der sich naht, ist des Todes! Plötzlich konnte sogar ein Levit ein Fremder sein, und zwar gegenüber einem Cohen. Die Nähe zum Heiligtum, zu Gott, darf nur betreten, wer dafür von Gott berufen ist. Korach war ein Levit. Ihn hat die Erde lebendig verschluckt, dank Selbstberufung!

81) Die mit ihm starben, waren seiner Gesinnung gefolgt, egal der Stamm, dem sie entstammten. Am 17. des Vierten Monats fielen bei 3000 durch das Schwert in der Hand der Leviten. Es galt keine Frage jüdischer Abstammung, Verwandtschaftsgrade oder etwas sein zu wollen. Nur die Tat!

82) Dann kam Kadesch Barnea. 10 Stammesfürsten machten das Maß voll. Die Fremdlinge in der Mitte Israels hatten wohl auch Einfluss, aber sie waren auch Opfer, wo Israel verantwortlich war. Mit Israel gemeinsam waren sie in der Schule Gottes. Ahnten sie beide das Ziel der Weltgeschichte?

83) Zunächst ging es um das Land, in dem das Ewige Gesetz Gottes verwirklicht werden soll. Bald zeigte es sich aber, dass es um das Ziel Gottes mit der ganzen Welt ging. Wieder und wieder wurde Israel zum Fremdling, erst in Babel, dann in allen Ländern. Israels Schicksal – Gottes Welt-Schule?

84) Als Mosche vom Berg kam, trug er das Allerheiligste in beiden Händen. Gott hatte es ihm anvertraut für Israel. ER hatte ihm dazu alles anvertraut, dem Baum des Lebens die Stätte auf Erden bereiten zu können. Jetzt kam der Tod zuvor. Mosche zerschmetterte die Bundestafeln am Berge.

85) Adam und Eva waren aus dem Garten Eden vertrieben. Der Tod musste verhindern, dass die Sünde ihre Hand ausstrecken konnte nach dem Baum des Lebens. Am Ende starben fast alle, die in der Wüste gezählt waren. Nur ihre Kinder durften in das durch das Ewige Gesetz Heilige Land.

86 ) Alle blieben am Berg Sinai in Gottes Nähe. Die Aufgabe Israels war es, an diesem Ort Gott dienen zu lernen. Wie konnten sie Gott dienen? Sie konnten nicht weiter ziehen, bevor den Tafeln die Stätte bereitet war, dem Zeugnis Gottes für alle Menschen, dem Gesetz des Ewigen Lebens.

87 ) Schritt für Schritt erlebte Israel mit, warum Mosche so lange auf dem Berg geblieben war. Der Sabbat ging ihnen weiter durch den Magen, aber nun ging alles durch ihre Hände. Die verhindert hatten, dass die Bundestafeln gleich ihre Stätte bekamen, waren schon mit dem Tod bestraft.

88 ) Die aus Ägypten Erlösten durften jetzt die Stätte des Göttlichen Gesetzes schaffen. Bedingung für die Gegenwart des Ewigen in ihrer Mitte: Ein räumliches Heiligtum. Nie durften sie deswegen ihr erstes Heiligtum verletzen, den Sabbat, das Heiligtum in der Zeit. Da ruhte auch heilige Arbeit.

89 ) Bezalel war von Gott mit Namen berufen, das Werk des Heiligtums zu vollenden. Er war der Enkel des Chur, der mit Aharon im Amalek-Krieg Moses Hände gestützt hatte. Aharon stand mit Chur vor dem Volk und wurde erpresst das goldene Kalb zu machen, indem Chur ermordet wurde.

90 ) Als das Heiligtum fertiggestellt war, ein Gemeinschaftswerk Israels, rief Gott Mosche mit zwei Tafeln aus Stein erneut auf den Berg und gravierte den heiligsten Text auf Erden hinein. Dafür war das Heiligtum bereit, und dann wurde es eingeweiht. Gottes Gegenwart erschien dem ganzen Volk.

91 ) Wie oft wiederholte sich der 17. Tamus in der Weltgeschichte? Das Heiligtum in der Wüste fand seinen Platz im Tempel. Dieser wurde zweimal zerstört und Israel zum Fremdling gemacht. Zerstreut in alle Welt lag Israel oft am Boden wie die Scherben der ersten Tafeln. Wo ist das Ziel?

Zitate aus dem Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808 bis 1888) zu Kapitel 14 Verse 20 – 24 im vierten Buch Moses: „Da sprach Gott: Ich habe verziehen nach deinem Worte.“

Zitat: „Gott hatte bereits von vorhinein aus denselben, von Moses hervorgehobenen Beweggründen ihre Verzeihung beschlossen, hatte mit Vers 12 Moses nur das angekündigt, was des Volkes Abfall ohne diese äußeren Rücksichten erheischen würde, um Moses selbst einen Einblick in die Natur der göttlichen Waltung finden zu lassen, gleichzeitig ja auch ihm eine Gelegenheit zu geben, seine vollendete Selbstlosigkeit zu betätigen. Nicht das leiseste Gefühl der Bitterkeit hat sein Gemüt gegen das Volk, dessen Aufruhr ja zunächst gegen ihn gerichtet war, und nichts Verlockendes die glänzende Aussicht, ein zweiter Abraham, der Stammvater des verheißenen Gottesvolkes zu werden!
Nur einer solchen Demut, einem solchen völlig selbstlosen Charakter ist es vergönnt, sich zu dem Erschauen der göttlichen Waltung, zu der, der göttlichen Einsicht entgegen kommenden menschlichen Einsicht zu erheben. Nur einer solchen (Demut) ist die von allem Subjektiven ungetrübte Objektivität möglich, die ein solches Erschauen voraussetzt. Psalm 99, 6 wird die Gottesnähe Moses, Aharons und Samuels in der Erhörung vergegenwärtigt, die Gott ihrem Anrufen gewährt. … Durch die Versündigung des Volkes war sein ganzes Fortschreiten in die Zukunft gehemmt. Gottes Milde und Waltungsweisheit lässt es (doch) noch einem solchen Fortschreiten wieder zu.“

Verse 21 – 23: „Da sprach Gott: Ich habe verziehen nach deinem Worte,
jedoch, so gewiss ich lebe, und der Herrlichkeit Gottes die ganze Erde voll werden wird: Alle die Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen, die ich in Mizrajim und in der Wüste vollbracht, und mich nun zehnmal erprobt [zehnmal versucht (W) (Z) (CB)] und doch nicht meiner Stimme gehorcht haben, nicht werden sie das Land sehen, das ich ihren Vätern zugesprochen, und alle, die mich verhöhnen, werden es nicht sehen.“

Zitat: … „So gewiss ich lebe, mein die Ewigkeit ist, und über jeden gegenwärtigen Augenblick hinaus ich in jede Zukunft hinein meine Ziele vertagend sie zu erreichen vermag, und so gewiss der Herrlichkeit Gottes die ganze Erde voll werden wird, Israels Geschick im Dienste der Gesamt-Erleuchtung der Menschheit steht, deren Herbeiführung das letzte Ziel meiner Waltungen bildet, so gewiss diese beiden Momente für die Nichtvernichtung des Volkes sprechen: so gewiss ist es aber auch, dass die Verzeihung keine Absolute sein kann, dass vielmehr alle die Männer, für welche alle bisherigen Gott offenbarenden Erfahrungen nicht genügt haben, ihren Geist und ihr Herz für eine schrankenlose Hingebung an Gott zu gewinnen, damit eben ihre Unwürdigkeit für den Besitz des Landes bekundet haben.

Sie haben die ganze Wucht meiner Größe gesehen, sie haben meine Herrlichkeit gesehen, es ist ihnen Gott kein bloßer Gedanke des Meinens, des Glaubens, des Ahnens geblieben, er ist für sie mit eingetreten in den Erkenntniskreis sinnlich wahrnehmbarer Erfahrung, sie haben ihn als die mächtigste, als die allmächtige Potenz inmitten aller irdisch konkreten mächtigen Potenzen erfahren, sie haben seine Zeichen, seine Geist erleuchtenden Taten in Ägypten und in der Wüste, inmitten eines Machtkreises der ausgebildeten menschlichen Kultur und inmitten einer von allen Stützen menschlicher Kultur entblößten Öde erfahren.

Sie haben gesehen, wie jene (die Kultur) im gegensätzlichen Ungehorsam gegen Gottes Willen zu vollendeter Nichtigkeit zusammenbricht, wie diese (die Öde) bloß durch Hingebungstreue an den göttlichen Willen sich für den Gott Gehorchenden in eine wohnliche Stätte für menschliches Dasein und Leben umwandelt; sie haben das alles gesehen, haben bereits zehnmal, in den verschiedensten Lagen, an der Wirklichkeit und dem voll und allein Ausreichenden des göttlichen helfenden, waltenden und beglückenden Eingreifen in die irdischen Verhältnisse zweifelnd, Gott gleichsam auf die Probe gestellt und haben die Wahrhaftigkeit, die Treue, das Wirkliche, das Ausreichende seines verheißenen Beistandes erprobt, und haben doch Gott gehorchen nicht gelernt -: Unwandelbar wie ein Eid steht es fest, dass sie das verheißene Land nicht zu sehen bekommen. –

… Das genaue Gegenteil zu diesem „Gottsehen“ im Lande ist aber jene Gesinnung, die den Momenten irdischer Wohlfahrt gegenüber „Gott“ für „nichts“ achtet, und in der Berechnung irdischen Heiles über „Ihn“ als nicht mitzählend hinweg eilt. … Demgemäß wäre die Bestimmung des einstigen Verlustes des Landes und die Zerstreuung unter die Völker in demselben Augenblick ausgesprochen worden, in welchem der Untergang des aus Ägypten gezogenen Geschlechtes in der Wüste verhängt wurde.“

Damit haben wir mit dem Geschehen in Kadesch Barnea den Blick über den 17. Tamus hinaus, am Berg Sinai mit dem goldenen Kalb, bis zum 9. Aw erreicht.
Der zweimaligen Zerstörung des Tempels am 9. Aw, ging am 17. Tamus der Durchbruch der Stadtmauer von Jerusalem voraus, und es folgte das Galut Babel von 70 Jahren bzw. das Galut Esav unter alle Völker.

Können wir in der Trauerzeit, die zwischen beiden Fastentagen liegt, das oben fett gedruckte und in Vers 83 erwähnte Zitat verinnerlichen und so getrost dem Schabbat Nachamu (Tröstet mein Volk!) entgegen gehen?

Schalom al kol Israel mit allen Gerim HaZedek – einst die ganze Menschheit? !
Ihr Jehonatan Kiebitz


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1 Kommentar to “Fremdlinge – Berechtigte oder Berufene”

  1. […] ich komme mit Hilfe Deiner großen Liebe in Dein Haus (dereinst: Dritter Tempel s. auch 17. Tamus bis Tischa beAv-Artikel von Jehonatan Kiebitz) und verneige mich am Orte Deiner Heiligkeit in Ehrfurcht vor Dir. Ewiger, […]