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Jüdischer Kalender Schabbat Reeh

Parascha: 5. Mose 11,26 bis 16,17;
Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 54,11 – 55,5

Der Jüdische Kalender 5774
(Beschreibung: Hawdala-Kalender)
jetzt lieferbar!
Email: kiebitz.edition[ät]gmail.com
Preis: 27 €
Ebenfalls in johakiso-edition/Kiebitz erschienen: „VERKNÜPFUNGSPUNKTE – Warum gerade dieser Psalm?“ [Autor: Prof. Y. Ahren, € 9,80]
Stichpunkte der Paraschat Re’eh nach dem Hawdala-Kalender:
„Wahlen Israels: Segen oder Fluch – Gebote Gottes hören oder fremden Göttern nachgehen. Gerisim & Ebal. Falsche Propheten & Götzendiener töten! Wiederholung der Institutionen und Feste zum täglichen Gedenken des Auszugs aus Mizrajim / Israel hat nichts zu fürchten – durch Gerechtigkeit aufgerichtet. Zu fürchten hat, wer ohne den Ewigen ist. David: Fürst und Gebieter der Völker um des Ewigen willen > Psalm 97

Kommentar von Eric Martienssen:
Obwohl die genaue Lage des Berges Sinai nicht bekannt ist, erpilgern und erklimmen ihn heute „Gläubige“ aus aller Welt – denn auf dem Gipfel befindet sich eine Moschee des Islam aus dem 12. Jahrhundert, sowie eine auf den Ruinen einer Basilika des 6. Jahrhunderts 1934 wieder aufgebaute Kapelle des Christentums. Woher kommt das Interesse der Muslime und Christen an den Geboten, die der Ewige nicht ihnen, sondern den Juden gegeben hat? ( . . . abgesehen davon, dass es keine jüdischen „Gläubigen“ gibt – die jüdische Religion definiert sich als Gehorsam gegenüber den Geboten GOTTES, der „jüdische Glauben“ ist eine Erfindung der Christen.)

Mit dieser Frage sind wir mitten in der heutigen Parascha „Re’eh“ („Siehe!“) und dürfen die Aufmerksamkeit des diesem EINEN GOTT irgendwie – wenngleich oft nicht wissend, warum – gewogenen Lesers auch gleich auf den allerletzten Link am unteren Ende dieses Kommentars lenken, den nämlich die Überschrift zu unserer heutigen Haftara aus einer christlichen Bibel ziert, nämlich dass die „Sabbatheiligung auch Fremden die Tür zum VOLK GOTTES öffnet“. Insgeheim – ganz tief drinnen – sehnt sich wohl die Seele eines jeden Menschen, auch aus denjenigen Völkern, die eigene, große Götter mit gar übermächtigen Kirchen und Moscheen besitzen, eher zum Einfachen GOTT zurück, der am Berg Sinai zu Mosche Rabbenu sagte: „hier gebe Ich dir Mein WORT! Er, der Ewige, gelobt sei Er, hält es bis zum heutigen Tag, und das ist, was die Welt gerade heute wieder am meisten braucht: Verlässlichkeit! Eine unerfüllbare Sehnsucht? Mitnichten, halte du – auch deinerseits – Mein Wort, und du wirst leben – Deine Entscheidung!

An und für sich könnten wir den Kommentar zur Parascha Re’eh an dieser Stelle beenden, denn es ist alles gesagt, was jedes Kind auf der ganzen Welt darüber wissen sollte. Dennoch machen wir zum besseren Verständnis im Folgenden zunächst eine kleine Ergänzung und dann noch ein paar kleine Randbemerkungen. Die „Randbemerkungen“ unter dem Block angefangen damit, dass wir versuchen wollen darzulegen, was Re’eh für jeden Einzelnen als Individuum und als Gruppe bedeutet . . . viele haben die Gebote des EINEN GOTTES nicht durch eigene Entscheidung, sondern durch die GOTT verachtenden Neuen Gebote des Christentums (dort am gewaltigsten) oder des Islams (nicht zu verwechseln mit dem GOTT treuen semitischen Ismaelitentum) verloren. Und beide Hauptgruppen lädt die Parascha unseres Sabbats Re’eh vielleicht wieder ganz neu ein, und eine Sehnsucht geht in Erfüllung?

Re’eh heißt, das wissen wir ja schon, Siehe! Doch das Wichtigste ist das, was danach kommt: „Siehe, ich lege Euch heute Segen und Fluch vor…“ Siehe Singular und euch Plural . . . hat der Ewige – die ganze Welt und auch dich geschaffen – gar ein Grammatikproblem? Wohl eher nicht. Mit Siehe ist jeder Israelit als Individuum angesprochen und mit Euch die Israeliten als Gesamtes. Es kann nicht passieren, dass sich im Judentum jemand rausreden kann, nee, ich habe nicht gegen die Gebote verstoßen, das waren die da! Und das gleiche mit dem Segen, es wird nicht passieren, dass der Ewige die Juden segnet, doch den einzelnen Israeliten ausnimmt. Das ist Verlässlichkeit, die sich durch die gesamte Bibel GOTTES (als Bibel wird das verstanden, was übrig bleibt, wenn man das Neue Testament und den Koran weglässt) und besonders Seines Gesetzes, der Tora (Fünf Bücher Moses), hindurchzieht . . . immer wieder ist da dieser Singular, der gleichzeitig Plural ist. Und jetzt kommt DIE Chance für alle heidnischen Völker, die Nichtjuden:
Das, was der Einzelne im gesamten Volk Israel ist, ist das gesamte Volk für die Welt, „ihr sollt das Licht zu den Heiden bringen“, sagt der Ewige durch seine Propheten. Wieder ein Auftrag, dem sich kein einzelner Jude entziehen kann. Dann „wird der Ewige auf diesem Berge“ – gemeint ist dort allerdings der Tempelberg in Jerusalem auf der Grundlage der Gebote vom Berg Sinai (Jeschajahu / Jesaja 25) – „die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.“ Eine ewige Sehnsucht, ein ewiges Versprechen, klasse, oder? Endlich leben!

Indes, um die Durchsetzung der nichtgöttlichen Gebote geht es heute in fast jedem Krieg der Christen wie der Muslime wie sich gerade aktuell in den Verhandlungen zwischen Palästinensern und Israel, aber auch in von Islamisten aufgezwungenen Bürgerkriegen wie jetzt in Ägypten zeigt, wo man durch Verkehrung der wahren Umstände ins absolute Gegenteil, egal wie absurd es auch klingen mag, die Oberhand gewinnen will! Es scheint fast, als sei dies die älteste Frage der Welt (→ Fragen an Gott ), die Mose am heutigen Schabbat Re’eh samt der kompletten Tora dem Volk Israel stellvertretend für alle Menschheit, zum Leben (hebr. LeChaim) jedes Menschen, vorlegt. Denn Israel ist das Demonstrationsvolk Gottes … für alle Völker! An die Völker (hebr. Gojim) legt Er, der Ewige, natürlich auch die absolut exakt gleichen Maßstäbe an, wie an Israel – heute und in Ewigkeit (Ps 106,48 „Gelobt sei der Ewige, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!“):

„Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor: Den Segen, so ihr gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; Und den Fluch, wenn ihr nicht gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, und weichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, so dass ihr fremden Göttern nachgehet, die ihr nicht kennet…“
(11, 26 – 28)

. . . die euch zum Beispiel (wie Papst Franziskus und Luther bzw. Nikolaus Schneider) predigen, den Schabbat des Ewigen am Siebten Tag entweihen und euch damit den Fluch (Tod) bringen. (Siehe dazu auch AKTUELLES-Artikel: Graumann Schneider Leo Baeck – Erst muss Lutherdekade weg) – Dieser „Ankündigungsbefehl“ – wie es militärisch ausgedrückt würde – ist wahrscheinlich auch der längste der Welt. Genau genommen ist er, mit allen Einzelheiten, Ausführungsbestimmungen und Wiederholungen von Geboten und Gesetzen 19 (in Worten: neunzehn) Kapitel lang. Denn erst in Kapitel 30 hören wir (nach jüdischer Religion werden auch irgendwann wieder die Heiden, Christen und Muslime ihn hören) den definitiven „Ausführungsbefehl“, nämlich den, uns zu entscheiden! (5.Mo 30,14-19:) „Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt“ (Ankündigungsbefehl)…

Wähle das Leben!“ (Ausführungsbefehl)

Es ist unsere Entscheidung. Hier wird das fundamentale jüdische Prinzip des „freien Willens“ bekräftigt! Der Midrasch (Devarim Rabbah 4,3) sagt: „…das Böse übermannt jene, die Böses tun, und Gutes [übermannt jene], die Gutes tun.“ Aber wie oft entscheiden wir alle uns gegen den Ewigen, gegen unser eigenes Leben?

Automatisch taucht da doch die Frage nach Gnade mit auf, zumindest in sich selbst heiligenden Institutionen, die ihren (verführten) Schäfchen weismachen wollen, „dass man nicht mehr unter dem Gesetz sondern stattdessen unter der Gnade zu stehen hätte“? Die Wirklichkeit ist: Es ist unsere Entscheidung – ist das korrekt von Gott? Genau mit dieser Frage nach der heute oft zum Gott erhobenen „political correctness“ traf mir persönlich vor etwa sieben Jahren der erste Rabbiner während des Schabbat-Gottesdienstes in mein damals noch christliches Herz – Seele vergiss es ja nicht! Dann lud er uns alle ein, ich war natürlich der einzige Goi, uns die Situation einmal plastisch vorzustellen. Dort, Mose auf dem Berg, von wo aus jeder Mensch und jeder Stamm einst zur einen Seite auf seine vierzig Jahre lang persönlich durchlittene Wüste und zur anderen Seite auf seine zukünftige Herrlichkeit, das verheißene Land, blicken konnte – so er es mit dem Herzen sehen wollte – da hatte Mose Sein Volk vor jene entscheidende Wahl gestellt, die auch jeder Mensch (egal ob Jude, Ismaelit oder Christ) bis in die Gegenwart hinein zu treffen hat. Er selbst würde, nach 40 Jahren Wüste, dieses Land nicht einmal betreten dürfen – political correct? Jeder heute würde nach 40 Jahren Strapazen eine samtweiche Stimme Moses mit schönen, netten Geschichten erwarten, doch Moses stellt mit aller Härte die Frage an Dich, ob Du leben willst?!

Das ist Realität und Gerechtigkeit Gottes, kein Platz für Warmduscher – weiter geht es im Text zum heutigen aktueller denn je erscheinenden Schabbat ab 13,2:

    „Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt, so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der Ewige, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt.“

Ja genau, wenn es um Gebote, Verlässlichkeit und Vertrauen geht, dann geht es in erster Linie um „Liebe pur“. Jemandem die Selbstverwirklichung mit allen möglichen Freiheiten zu schenken ist keine Liebe. Deshalb „…der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, weil er euch gelehrt hat abzufallen von dem Ewigen, eurem Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich aus der Knechtschaft erlöst hat, und weil er dich von dem Wege abbringen wollte, auf dem du wandeln sollst, wie der Ewige, dein Gott, geboten hat, auf dass du das Böse aus deiner Mitte wegtust.“
Im Kapitel 15 geht es dann darum, all diese Erkenntnis von Gottes Gerechtigkeit und Geboten auch den Völkern zu bringen (Vers 15,6):

„Denn der Ewige, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir zugesagt hat. Dann wirst du vielen Völkern leihen, doch du wirst von niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen, doch über dich wird niemand herrschen.“

Gleichlautend auch folgender Vers aus der Haftara, Jes. 55,5:

(Merke, Jesaja 55 trägt die Überschrift Sabbatheiligung öffnet auch Fremden die Tür zum Volk Gottes!) „Siehe, du (Israel) wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des Ewigen willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat!“

Schabbat Schalom


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1 Kommentar to “Jüdischer Kalender Schabbat Reeh”

  1. BS“D
    Ihr →Offener Brief an Herrn Dr. Graumann und Ihr Kommentar zum Schabbat Reeh ergänzen sich wie in einem Stück gegossen. Sie sind dabei über sich selbst hinaus gewachsen. Nur ein einziger Punkt erscheint mir als sachlicher Fehler, nämlich im ersten Satz Ihres Kommentars, wo < außer in Israel > hätte eingefügt werden müssen: „Obwohl die genaue Lage des Berges Sinai < außer in Israel > nicht bekannt ist“ … denn in Israel ist dessen Lage bekannt, s. mein Aufsatz →Glaubens- oder Götzenbilder in Israel?