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Alle Maßstäbe verloren

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Schalom, lieber Herr Martienssen!

Schawuot Shawuot Tora Tanach Pfingsten 1Gestern, am Jom Hasikaron, gaben Sie mir zu verstehen, dass Sie in Erwartung des Zieles der Tage des Omerzählens, Schawuot, gern einem Beitrag von mir entgegen sehen würden.
Nun ist heute der Jom Ha´azmaut, der 65. Jahrestag der Gründung des Staates Israel, der 21. Tag, das sind 3 Wochen im Omer. Meinen Sie dass es eine Beziehung zwischen dem Jom Ha´azmaut und dem Ziel der Zählung, dem 50. Tag, dem Schawuot geben könnte?
Zumindest will ich im Bewusstsein dieser Frage an diesem bedeutenden Tag in der Omerzeit damit beginnen, Ihren Wunsch zu verwirklichen. Dem Ganzen habe ich einen Titel, eine Überschrift, vorangestellt, die vielleicht keiner erwartet, weder Sie noch die Leser Ihrer GSI – Webseite, aber haben Sie nicht auch schon bei verschiedenen Gelegenheiten zu hören bekommen, ob im Bezug auf die ganze Menschheit, auf ein ganzes Volk, etc., sie hätten alle Maßstäbe verloren?

Im Zeitalter der Weltraumfahrt kennt jeder des Ausdruck „Freier Fall“, und mancher könnte sogar für diese „Freiheit“ die Weltraumfahrer beneiden, obwohl dem auch alle Fallschirmspringer nahe kommen, bevor sich der Fallschirm öffnet und beginnt sie zu tragen. Ist es nicht dabei äußerst beängstigend, dass dieser Fall mit dem Begriff der Freiheit verknüpft wird?
Ein extremes Beispiel habe ich ca. 1962 in Westfalen erlebt. Ich war in der Nähe des Flugplatzes Oerlinghausen, wo ein NATO-Manöver stattfand mit Fallschirmjägern. Bei einem der Soldaten hat sich der Fallschirm nicht geöffnet. Daran darf man nicht einmal denken! Das Wunder ist jedoch geschehen, dass er die Landung überlebte. Er fiel auf den Fallschirm eines unter ihm schwebenden Kameraden, der die Situation erkannte und beide verhielten sich richtig, um das Leben zu retten.
Ist das ein Grund, um weiter nachzudenken?

Noch eine einleitende Frage kann ich nicht vermeiden, um der Frage, die das Thema beinhaltet, näher zu kommen. Die Welt sieht doch ein erstrebenswertes Ideal in der „Freiheit“. Was sieht die Welt jedoch als das Gegenteil der Freiheit an? Die Gesetzlichkeit! Wie kommt denn diese Überzeugung in der Welt zustande?
Auf deutschen Autobahnen gibt es für die Geschwindigkeit, außer bei beschilderten Einschränkungen, kein Limit. Welche große Freiheit für alle Raser! Dabei passiert auch genug! Was geht dem aber voraus, damit eigentlich nichts passieren sollte? Die Gesetzlichkeit! Fahren darf nur, wer die Theorie und Praxis gelernt und das durch erfolgreiche Prüfungsabschlüsse unter Beweis gestellt hat, sich nach Gesetzen zu verhalten, von denen das Leben abhängt, und damit auch die Freiheit, fahren zu können bzw. zu dürfen.
Um was für Gesetze handelt es sich denn, die da ein Mensch lernen muss, zu befolgen. Zwei ganz verschiedene Arten von Gesetzen sind es: Zuerst einmal die Naturgesetze, die der Mensch ja bereits ab seiner Geburt lernt zu meistern oder zu beachten. Zweitens dann speziell für den modernen Straßenverkehr die Straßenverkehrsordnung, Zulassungsordnung etc., also bürgerliche Gesetze, die Bedingungen für Leben und Gesundheit schneller oder sogar rasender bzw. langsamer Bürger miteinander regeln.
Haben Sie schon einmal erlebt, dass sich jemand über die Gesetzlichkeit der Natur ärgert? Man freut sich doch über das Verständnis der Naturgesetze, z. B. der Physik, der Chemie etc., und man findet es gut, sie richtig anwenden zu können, z.B. wenn man zur Fahrpraxis des richtige Verhältnis von Fliehkraft und Geschwindigkeit möglichst noch vor einer Kurve einschätzen muss.

Bei Klick AUF DIE TORA geht es zum 8-seitigen Vortrag über Shawuoth vs. Pfingsten "Tora vom Himmel" des ehemaligen Chefrabbiners des Commonwealth Jonathan Sacks, Foto: coopermiall

Bei Klick AUF DIE TORA geht es zum 8-seitigen Vortrag über Shawuoth vs. Pfingsten „Tora vom Himmel“ des ehemaligen Chefrabbiners des Commonwealth Jonathan Sacks, Foto: coopermiall

Anders wird es dabei bereits bei der juristischen Seite der Angelegenheit. Nun gut, man erfährt ja genug, wie die Verkehrsrichter ausgelastet sind, und wie nicht nur Haftungsschäden an Personen und Fahrzeugen etc. geregelt werden müssen. Das geht ja wohl nicht ohne Gerichte und Gesetze.
Wenn dann die Leute sich am Sonntag in der Kirche wiedersehen, bekommt die Sache jedoch ein ganz anderes Gesicht.
Die Gesetzlichkeit wird dort den „Gläubigen“ als das Übel bei den Juden hingestellt, vor dem sie sich zu hüten hätten, denn sie hätten stattdessen die Freiheit der Gnade, und damit will ich wieder auf das Ziel des Omerzählens zurückkommen.
Die echten Juden zählen, und zwar nicht nur in den Tagen des Omer, AUF DIE TORA, die Lehre des Schöpfers aller Dinge und des Erlösers Israels, und diese enthält in Form von 613 Mizwot (hebr. = Pflichten) das Gesetz Gottes, bestehend aus 248 Geboten und 365 Verboten, und lernen dabei, im ganzen Leben auf das Gesetz Gottes zu zählen.
In den Religionen der Welt oder bei „modernen“ Leuten, die sich z.T. auch als Juden ausgeben, ohne es sein zu können oder zu wollen, lernen die Menschen, ohne zählen zu müssen, auf etwas anderes zu zählen, z.B. wie oben erwähnt, auf eine „Gnade“ des „Glaubens“, aber auch noch auf eine Sintflut anderer Dinge, wobei Macht und Geld wohl die Spitze halten als der Gott dieser Welt.
Dabei wird ihnen der Zugang zu der Frage verschlossen, dass im Gegenteil das Gesetz, auf das die Juden zählen, der größte Ausdruck der Gnade sein könnte und alle, die diese Gnade am Ende unter Berufung auf die Gnade „ihres“ Gottes anfeinden, sich die Gnade des Gottes Israels vermasseln (hebräisch: Masal = Glück, das deutsche Lehnwort bedeutet das Gegenteil von Glück!).

Wenn sich Leute gegen „das“ Gesetz wenden und damit sogar begründen, die Juden zu hassen, und gleichzeitig nicht merken, der zur griechischen Religion passenden griechischen Staatsform, der Demokratie, angesichts einer Inflation von menschlicher Willkür demokratisch produzierter Gesetze zu huldigen, was ist denn dann „das“ Gesetz, das sie hassen, das die griechisch-christlich-römische Theologie zur Zielscheibe aller ihrer Angriffe gemacht hat?

Als der erste Mensch aus der Hand seines Schöpfers hervorgegangen war und durch dessen lebendigen Odem das Leben erhalten hatte, wurde er mit seiner Aufgabe, die der Zweck seiner Schöpfung war, im Garten Eden eingesetzt.
Dort wurden ihm Dinge anvertraut, die er auch nach seinem Wunsch handhaben konnte, bei denen es wesentlich um die Ernährung zur Erhaltung des Lebens ging. Bei all diesen Sachen sprach sein Schöpfer persönlich mit ihm, und es war auch alles sehr gut. Sein Schöpfer erlaubte ihm, von allen Bäumen im Garten die Früchte zu essen. Dazu gehörte auch der Baum des Lebens, dessen Früchte nicht nur erhaltend und erneuernd wirkten, sondern das Ewige Leben bewirken konnten.
Der Kontrast zu diesem Baum war ein anderer Baum, dessen Früchte den Tod bewirkten. Dieser wurde für den Menschen mit einem Verbot belegt, davon zu essen, und gleichzeitig wurde er davor gewarnt.
Was den Gang der Geschichte dieser Welt ausgelöst hat, ist heute nicht das Thema. Es werden jedoch Engel Gottes sichtbar, die Cherubim, Gott dienende Wesen, die vor dem Menschen nach seinem „freien“ Fall in Sünde und Tod den Baum des Lebens vor dem Zugang des Menschen zu bewahren hatten, um zu verhindern, dass die Sünde, die Feindschaft gegen den Schöpfer des Himmels und der Erde und gegen das von IHM ausgesprochene Wort nicht ewig bleiben kann. Der durch die Sünde in die Welt gekommene Tod hat also einen Sinn darin, dass die Sünde zeitlich begrenzt bleibt und einst nicht mehr existiert.

Die beiden Bäume, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis, waren neben allen anderen Bäumen das Besondere im Garten Eden. Wer denkt dabei an den ersten Schöpfungstag? Was hat der Schöpfer da gemacht? Er hat das Licht geschaffen und von der Finsternis geschieden. Das Wesen des ersten Schöpfungstages – die Scheidung? Was ist das Gegenteil von Scheidung anderes als Vermischung bzw. Vertauschung?
Nach jedem Schabbat und Jom Tov machen wir Hawdala (Unterscheidung) und danken dem Schöpfer: „Gesegnet seist Du, Gott unser Gott, König der Welt, der zwischen Heiligtum und Nichtgeheiligtem geschieden, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Israel und den Völkern, zwischen dem siebten Tag und den sechs Werktagen. Gesegnet seist Du, Gott, der zwischen dem Heiligtum und dem Nichtgeheiligten geschieden.“ (Übers.: Rabbiner Samson Raphael Hirsch zum Siddur Sefat Emet).
Das Licht wird gern genannt als Symbol des Lebens und die Finsternis als Symbol des Todes: „Das Licht des Lebens gegenüber der Nacht des Todes“.
Das Licht wird aber auch genannt als Symbol der Wahrheit und die Finsternis als Symbol der Lüge: „Das Licht der Wahrheit gegenüber dem, der das Licht scheut“.

Als sich der Ewige in Ägypten seines Achten Schöpfungswerkes angenommen hat, des Volkes Israel, geschah das zuerst mit 10 Plagen zur Scheidung Israels von Ägypten. Die 10. Plage geschah in der Pessach-Nacht, und danach trieben die Ägypter ihre Sklaven in die Freiheit, die Ägypten schon zu dem Begriff geworden war, dem Gott der Hebräer dienen zu dürfen, in Umkehrfunktion: Nicht mehr den Götzendienern untertan sein zu müssen.

Am siebten Tag bekamen sie vor den Ägyptern Ruhe, die auch noch zu ihren Verfolgern geworden waren, indem diese in demselben Meer, das Israel durch das Wunder ihres Erlösers trockenen Fußes durchschreiten konnten, als damalige militärische Großmacht ertrinken durften und auch kein Einziger übrig blieb.

Am fünfzigsten Tag offenbarte sich der Erlöser Israels Seinen von IHM Erlösten, indem ER das ganze Volk dadurch zu Seinem Propheten machte, indem ER ihnen Sein Ewiges Gesetz
so verkündete, dass sie IHN alle verstanden, Seine Stimme hörten, und ER übergab ihnen schriftlich, eingraviert in Stein die beiden Tafeln des Bundes zu Moses Händen. Gegenüber den 10 Plagen der Ägypter stehen seitdem die 10 Gebote für Israel. Diese sind wiederum die Zusammenfassung der 613 Mizwot der Tora.
Dann wurden wieder die Cherubim sichtbar, die den Zugang zum Baum des Lebens bewahren vor allem unheiligen Wesen. Gott hatte unter Seinem Volk Israel nun Menschen auf dieser Erde, denen die Cherubim den Weg freigaben, was sichtbar wird im Heiligtum. Mit Seinem Gesetz hatte Gott Israel den Maßstab in die Hand gegeben, der den Weg zum Baum des Lebens ermöglicht.
Wie das von Gott geschaffene Licht im Unterschied zur Finsternis, stand nun Israel, das 8. Schöpfungswerk, den Völkern gegenüber. Wenn von den Völkern einzelne Menschen durch Israel zur Erkenntnis des Gottes Israels gekommen sind und sich Israel angeschlossen haben und in den Bund eingetreten sind, der durch die beiden Bundestafeln sichtbar wird, konnten ihnen die Cherubim fortan gleichfalls den Weg zum Baum des Lebens freigeben. Sie haben durch das Gesetz Gottes die Heiligung gefunden.
Einzelne sind ja nie die Mehrheit, in diesem Fall aber eine Kostbarkeit, die in Israel, dem Kleinod Gottes, völlig aufgehen konnten. Wie sah dagegen der Weg der Mehrheiten aus?
Ungeachtet der Gründe, die sie bewogen, haben sie angefangen, das Gesetz Gottes so zu behandeln, als wenn es 10 Plagen wären. Sie haben mit Mehrheitsmethoden einen „Glauben“ entwickelt, der sie dazu bringt, das ewige Gesetz Gottes durch laufend veränderliche, in Kraft und außer Kraft gesetzte Menschen-Satzungen zu ersetzen. Indem sie die von Gott gegebenen Maßstäbe bekämpfen, enden sie regelmäßig in ihrem eigenen maßlosen demokratischen Dschungel.
Weil sie das Unterscheidungsvermögen verloren haben, macht es ihnen nichts aus, die Wahrheit mit der Lüge zu vermischen, Unheiliges heilig zu sprechen, durch Ersatzmethoden das, was Gott geboten hat, zu verbieten und das Verbotene zu gebieten, Unreines rein zu sprechen und Reines zu verunreinigen.
Die Welt lebt zunehmend sittlich und moralisch im freien Fall. Je mehr alles im Chaos untergeht, fühlt sich die Welt berechtigt, dafür Israel zum Sündenbock zu machen. Man stellt Ersatztheologien auf, um Israel zu delegitimieren. Die Völker führen gegeneinander politische, ideologische und religiöse Kriege und Schlachten und kämpfen gegen Israel und das Gesetz Gottes. Manchmal hört man bei diesem Tohu Wabohu: Die Welt hat alle Maßstäbe verloren. Stimmt das?
Nein! Wer das Gesetz Gottes nicht will, hat die Maßstäbe, von denen das Leben abhängt, noch nie gehabt, nie gekannt! So lange unter den Völkern Juden leben, könnten sie von Israel lernen. Es sind nur Einzelne!

Wer sich nach der Heiligen Schrift Israels richtet, der findet im Erlöser Israels auch seinen Erlöser und auch zu dem zum Ziel Israels am 50. Tag der Omer-Zählung gehörenden Gesetz der Heiligung.

Schawuot Sameach !
Ihr Jehonatan Kiebitz


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2 Kommentare to “Alle Maßstäbe verloren”

  1. […] Bitte beachten Sie den Schawuot-Artikel von Jehonatan Kiebitz → Alle Maßstäbe verloren. […]

  2. […] diese, Jesu eigenen Worte ins völlige Gegenteil verkehrten. Das Lesen Moses wurde als → Gesetzlichkeit verachtet! Seitdem betete die Kirche auch das völlige Gegenteil von konkreten Gesetzen an, nämlich […]