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Paraschat Schabbat WaJera Lesungen und Kommentar

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AKTUELLES > Kristallnacht: man feierte in Luthers Geburtstag

Heute, am 31. Oktober, ist der Reformationstag Luthers, eines der größten Judenhasser der Weltgeschichte. Und die deutschen Christen feiern ihn ungeniert in der Lutherdekade – denkwürdig, oder?

1. Mose 18,1 bis 22,24; 2. Könige 4,1-37

Auszüge aus dem Kommentar
von Michael Schneider, Jerusalem:

Unsere Wochenlesung (und Er erschien) beginnt mit der Gastfreundschaft Abrahams und Sarahs. Sie „eilten“ in Vorbereitung des Mahls für die drei Gottesmänner in der Hitze des Tages bei Alon Mamre (eine jüdische Siedlung, nicht weit vom heutigen Hebron). Das Beste war gerade gut genug. (Auffallend ist, dass Rindfleisch zusammen mit Milch verzehrt wurde, ganz unkoscher im Sinne des heutigen religiösen Judentums – doch es geschah ja, bevor die Thora gegeben wurde – so die Rabbiner heute!)

. . . . . . . . Ergänzung der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .

Stichpunkte der Parascha WaJera
nach dem jüdischen
Hawdala-Kalender

“In 1 Jahr Sarahs Sohn. Lot – Sodom. Moriah. Segen der Völker / In 1 Jahr Sohn der SchunnamitPsalm 11

Noch etwas fällt auf: Wir lesen, dass Abraham den Gästen, den Boten/Engeln, „Ugot“ (18,6), d.h. Gebäck / Kuchen bereitete. Lot dagegen bereitete ihnen „Mazzoth“ (19,3), d.h. ungesäuertes Brot. Was war der Grund? Weil es zur Pessach-Zeit war und es um eine Erlösung und einen Auszug ging? Und das, obwohl wir uns hier noch vor dem ursprünglichen Auszug aus Ägypten befinden und das Pessach-Thoragebot noch nicht gegeben war? Oder deshalb, weil dies die Eile des Gerichtes Gottes über Sodom und Gemorrah unterstreichen sollte?

Solch „klassische“ Gastfreundschaft ist heute noch unter den Nahostvölkern – wie den Arabern, Beduinen und besonders bei den sephardischen Juden – zu finden. Weise keinen Gast ab, sei er auch unerwünscht – vielleicht hat er für Dich ein Wort von Gott.

Es folgt eine weitere Glaubensprüfung. Sarah, die 90 Jährige, blickt auf ihre menschlich-biologische Befindlichkeit. Gerade da geschieht das Übernatürliche, Gottes Eingreifen. Das sind oft die Punkte, an die uns Gott führen muss, denn dann kommt uns der Zuruf: „Ist etwa für den HERRN etwas unmöglich?“ (18,14) Ja, erst muss in uns das Fleisch und der Eigenwille tot sein, dann kann der HERR wirken.

Nachdem die Männer Abraham die hoffnungsvolle Lebensbotschaft kundtaten, blickten sie in Richtung der geliebten Stadt Lots, Sodom und Gomorrah, und richteten an sie eine Todesbotschaft!
Abraham, der erste Fürbitter überhaupt, handelte mit allen Mitteln. 50, 45, 30, 20, ja bis herab auf zehn Gerechte, um derentwillen diese Sündenstadt verschont werden sollte. Wäre die Mindestzahl vorhanden gewesen – Gott hätte die Stadt verschont. Weiter herab als bis auf zehn ging Abrahams Flehen nicht. So sollten wir bei Abrahams Gerechtensuche aufmerken. Abrahams Handeln mit Gott war demütig und zurückhaltend: „Ich bin ja nur Staub und Asche“ (18,27). Nicht mit Hochmut!
Die Zahl von mindestens zehn Betern während eines Gottesdienstes in einer Synagoge, genannt Minjan, hat hier ihren Ursprung.

Kapitel 19 spricht von der Zerstörung Sodoms und Gomorrahs. Doch zuvor rettet Gott, durch seine Gesandten, Lots Familie – denn er war ein Gerechter (zaddik) „seiner Generation“ wie einst Noah. Lot wie Noah rief Gott aus der dunklen Welt heraus. Die Töchter Lots erinnerten sich an die Tage Noahs, die ihnen wohl berichtet wurden, und dachten wirklich, sie seien nun ganz alleine auf Erden und Gott habe die Schöpfung nochmals vernichtet. Darum taten sie was sie taten.

Interessant ist, zwischen Noah und Lot finden wir weitere Parallelen: Beide werden Gerechte genannt, beide gerettet und herausgerufen; aber sie enden durch Trunkenheit in einer Art sexueller Unzucht innerhalb der Familie! In beiden Fällen endete das mit einem Fluch für die Völker der Verantwortlichen (Täter) – Ham und später Moab und Ammon.

Wir erkennen im Abschnitt über die Töchter Lots, dass der Geist Sodoms, ein Geist der Unzucht, noch in ihnen war (ab Vers 31). Oder war es vielleicht ein Racheakt an ihrem Vater, der die Jungfrauen dem zügellosen Mob hingeben wollte, um die Gottesmänner zu verschonen? Beide Völker, Moab und Ammon, wurden verflucht und befinden sich auch heute noch auf der östlichen Seite des Jordans, genannt Jordanien. Amman, die Hauptstadt Jordaniens, trägt den Namen bis heute. Wenn man den Name Mo-ab, hebr. mo-aw, anschaut, sieht man noch, wie stolz die Töchter waren: „Vom Vater“ nannten sie den Nachkommen!! Bis zur zehnten Generation war dieses Volk verflucht. Interessant ist auch, dass genau im Anschluss daran Ruth, die Moabiterin und Ururgroßmutter von König David, auftaucht – nachdem der Fluch aufgehoben war!!

Die jüdischen Weisen, Chasal, kommentieren den Begriff „(banot) ha-nimtzaot“ – die Gefundenen (Töchter) in Vers 15 im 19. Kapitel so: Warum Funde? Aus Moab kam Ruth die Moabiterin, Ururgroßmutter Davids, und aus Amon kam Naama die Amoniterin, die Frau Salomos und Mutter von Rehaveam (1. Könige 14,21). Darum die Funde genannt!

Weiter lesen wir, dass der wilde sodomische Mob mit „Blendung“ – oder tempörarer Blindheit – geschlagen (hiku be-Sanwerim; 19,11) wurde. Eine bekannte Waffe Gottes gegen die Feinde Seines Volkes, wie wir später auch bei der Vereitelung der Kriegsabsichten der Aramäer durch den Propheten Elisa in 2. Könige 6,18 lesen können.

In Kapitel 20 wird der erste von drei Auszügen nach Ägypten beschrieben, in der ein Erzvater wegen einer Hungersnot dort hin zog!! Der Weg war durchzogen von Betrug und von Sünde befleckt. Auch Isaak und danach Jakob wählten diese Art von Auszug – und zuguterletzt noch die Söhne Jakobs! …als hätte man nichts dazugelernt.

In Kapitel 21 wird über die Geburt Isaaks berichtet. Sein hebräischer Name „Jitzchak“ bedeutet: „Er hat gelacht“.

Am achten Tag wurde er beschnitten. Jitzchak ist die – lange versprochene – Erfüllung der Verheißung Gottes! Sein Lachen ist auch so zu verstehen: Das Unmögliche, das Gott möglich macht, ist (nur) scheinbar lächerlich.

In der vorigen Lesung lasen wir von der Beschneidung Ismaels, und in der heutigen Lesung lesen wir von Isaaks Beschneidung am achten Tag, wie man sie bis heute bei jedem jüdischen Knaben durchführt. Der Segensspruch bei der Beschneidung, hebr. „Brith Mila“, spricht von dem „Hineinkommen in den Bund Abrahams“.
Interessant ist, dass schon medizinisch bewiesen wurde, dass der achte Tag von der Blutzusammensetzung her, d.h. gemäß des Vorkommens des Vitamins K und des Prothrombins mit 110%, der beste Tag ist, um eine Beschneidung am Fleische des Knaben durchzuführen (Forschungsarbeit von L. Emmett Holt und Rustin McIntosh)!! Ein echtes Wunder Gottes.
Ferner ergibt das Wort „Brith“ den Zahlenwert von 612; d.h. nach dem ersten Gebot des Mannes durch die Beschneidung hat er noch die 612 Ge- und Verbote des Judentums zu befolgen (insg. 613 Gebote zählt man im Judentum).

In Kapitel 22 lesen wir von dem größten Glaubenstest in Abrahams Leben. Er soll seinen geliebten Sohn, auf den er so lange gewartet hat, auf dem Berg Morija als ein Olah (Schlachtopfer) darbringen. Abraham zögert nicht. Frühmorgens, lesen wir, macht er sich auf den Weg. Im Glauben ganz gehorsam war er bereit, diesen Weg bis zum Schluss zu gehen – ja, das Schlachtmesser war schon erhoben. Da kam die Stimme Gottes: „Abraham, Abraham! …Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen… Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest.“ (22,12)
Danach überschüttete der HERR ihn mit Segen.

Der jüdische Gelehrte Raschi aus Worms legt den Vergleich des Segens mit Sternen und Sand (Vers 17) wie folgt aus: Die beiden Begriffe ergeben die beiden Extreme bzw. Gegenpole. Einerseits die ‚Sterne’ – d.h. Stars in der Filmbranche bzw. Berühmtheiten in anderen Bereichen bzw. Nobelpreisträgern –, und andererseits der ‚Sand’ und ‚Staub’, wofür die erniedrigenden und demütigenden Leidensepochen des Jüdischen Volkes stehen. Eine weitere jüdische Auslegung zu „Sterne“ ist Folgende: Sie sind winzig, doch sie strahlen hell. Und wenn man sich ihnen nähert, sieht man ihre wahre Größe – so auch beim Volk Israel!!

Man spricht von der Bindung Isaaks, hebr. „akedat jitzchak“, und nicht von einer Opferung!! Für Abraham hat es sich gelohnt, Gott zu gehorchen! Interessant ist auch, dass unsere Parascha mit dem Tu-Wort „Sieh!“ RE’EH beginnt und auch damit endet! Im Text der Lesung wird das Verb und das ‚Tu-Gebot’ immer wieder verwendet.„Sieh! Blicke…“: die Boten blickten auf Sodom, Abraham sah den Widder… etc. So heißt auch der HERR, ‚Jah JIREH’ – Er ist es, der uns die Dinge zeigt!!!

Dieses Glaubensereignis am Berg Morija, wo später der Jerusalemer Tempel stand, ist im Judentum ein entscheidenes Bekenntnis. Immer zu Neujahr, Rosch HaSchana, wird aus dem Siddur-Gebetbuch die Akedat Jitzhak gelesen.

Gott nannte Abraham von nun an „Jedid Adonai“, Freund Gottes, auf Arabisch „Halil“. Darum wird Hebron unter den Arabern auch „Halil“ genannt – wo einst Ibrahim die Machpela-Höhle kaufte.

Abraham wurde „Vater des Glaubens und der Gläubigen“. Laut des jüdischen Gelehrten Mainomides (Rambam) bestand er zehn Glaubens-Tests.

Unsere Haftara, Prophetenabschnitt aus 2. Könige 4, besagt, dass – wie wir in unserem Thoraabschnitt lasen – bei Gott durch wahren Glauben nichts unmöglich ist:
Zuerst geschah die Vermehrung des Öles, so dass die Witwe ihren Schhulden zurückzahlen konnte und danach noch reichlich für sie und ihre Söhne übrig bleibt (ja, so ist unser gnadenvoller Herr). Danach das Wunder, wie Elisa einen Jungen wieder vom Tode auferstehen ließ, und im Abschluss des Kapitels die Brotvermehrung.

Ja, wir brauchen den zweifelsfreien und festen Glauben wie einst Abraham und die Bereitschaft, alles zu geben. Dann sind Wunder, wie Elisa sie tat, zu erwarten und möglich!

Schabbat Schalom



1 Kommentar to “Paraschat Schabbat WaJera Lesungen und Kommentar”

  1. Birgit Zeller sagt:

    Sehe die Glaubensprüfung Abrahams nicht allein als Glaubensprüfung. Isaak lag auf G-ttes Altar und wurde in dem Moment G-tt auf Gedeih und Verderb hingegeben, was ja sich auf alle Nachkommen Isaaks auswirkt. In dem Moment hatte G-tt einfach das ganze Volk als sein Eigentum. Die Beschneidung verifiziert das noch.