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Waldshut-Tiengener Vorbildfunktion gegen Luthers Reichskristallnacht

“Schabbes soll seyn” trotz Luthers Reichskristallnacht Freitag/Samstag 9./10. November 2012 wider der – wieder! – deutschen Lutherdekade!

Offener Brief → zum Flyer für die Kulturwoche der Freunde jüdischen Lebens in Waldshut-Tiengen: 7.-18.11.2012
von Jehonatan Kiebitz, Ramat Bet Shemesh – Israel → Hawdala-Kalender

(eM Jehonatan Kiebitz: johakisoedition[at]bezeqint.net
eM Magdalena Bucher: magdaleni[at]web.de)

 

Liebe Schüler Innen des Klettgau-Gymnasiums!
Euch, Euren Lehrer Innen und allen, die mit Euch den Abend im
Evangel. Gemeindehaus in Tiengen gestalten, herzliche Grüße aus Israel!

Es gab eine Zeit vor vielen Jahren, Herr OB Martin Albers wird es Euch noch genauer mit den Hintergründen beschreiben können, als der Stadtrat von WT regelmäßig in dem Saal tagte, in dem Ihr heute die Aufgabe habt, mit dem Freundeskreis Jüdisches Leben in Tiengen an einem entsetzlichen Jahrestag des Lebens und Lebensinhaltes derer zu gedenken, die damals der sinnlosesten, aber von langer Hand vorbereiteten und organisierten Zerstörung preisgegeben wurden. In den Beratungen des Stadtrates wurde auch verschiedentlich über Dinge gesprochen, die mit einem Jüdischen Museum und dem würdigen Andenken an die Tiengener Juden zu tun hatten.

Luther: "Brennt ire Synagoga nieder, damit Gott sehe, dass wir Christen seien"... und heute wieder eine Lutherdekade zu Ehren Luthers?Als 1938 das Verbrechen von Seiten des Staates in ganz Deutschland geschah, war das die Nacht von einem Mittwoch auf einen Donnerstag. Warum? Es war die Nacht von Luthers Geburtstag. Warum? Die Nazis hatten Luther in seiner Eigenschaft als extremen Judenfeind zu ihrem Idol gemacht. Als an Luthers Geburtstag die Sonne aufging, brannten im ganzen „Großdeutschen Reich“ die Synagogen und meist dabei die wertvollsten und heiligsten Dinge, die es je auf dieser Erde gegeben hat. Damit hat der Staat nicht nur das, was Luther vorgeschrieben hat, ihm zum Geburtstagsgeschenk gemacht, sondern auch begonnen, es zur Durchführungs-Verordnung zu machen. (s. Offener Brief zu Luthers Lutherdekade)
Es wurde im 2. Weltkrieg, der ja speziell gegen die Juden gerichtet war, über ganz Europa und Nordafrika hinaus fortgesetzt.

In diesem Jahr fällt nun dieser Jahrestag auf einen Schabbat. Der Schabbat ist dabei auch Euer Thema.
Der Flyer des Freundeskreises, der als Einladung an alle Interessierten versendet wird, hat auch mich angesprochen, und ich nehme heute noch sehr gern an dem Geschehen in Tiengen teil, auch wenn ich die Entfernung nicht mehr so wie früher überspringen kann.
Für die meisten Nachbarn der Juden, wo diese in den verschiedensten Ländern lebten, war die Welt der Juden eine Ungekannte Welt. Man konnte auch nicht einfach erwarten, dass für die jüdischen Gründe des Handelns immer volles Verständnis zu finden sei. Das wird von Euch jungen Schüler Innen heute auch nicht erwartet. In diesem Fall gibt mir jedoch der Flyer den Grund auf etwas hinzuweisen, das doch eigentlich jeder Mensch kennen sollte:

Zitat: „Jede Woche von Freitagabend bis Samstagabend feiert man den Schabbat. Die jüdischen Bräuche gehen auf den Tempelkult zurück. Der häusliche Esstisch wird wie ein Altar aufgebaut. Das Essen ist streng koscher. An diesem Tag soll die Arbeit ruhen.“
Auch in dem folgenden Abschnitt zur Inszenierung des Abends wird deutlich, wie die Darsteller bestimmt mit Liebe, aber doch als Außenstehende, gerne von der Ungekannten Welt, die doch so unwiederbringlich vernichtet wurde, etwas zurück retten möchten.
Der Schabbat wird hier mit den „jüdischen Bräuchen“ von „einem Tempelkult“ abgeleitet. Es wäre mir einfach zu schade um Euch Akteure, wenn Ihr von diesem Abend nicht doch einen kleinen Eindruck aus der „Ungekannten Welt“ mit in Euer Leben nehmen könntet. Dabei bin ich zuversichtlich, dass Ihr gerade das sucht.

Den Schabbat könnt Ihr ganz einfach mit der Jahreszahl im Jüdischen Kalender datieren, wie Ihr sie im heutigen Datum dieses Briefes findet: 5773.
Was hat denn der Schabbat mit dieser Jahreszahl gemeinsam? Die ganze jüdische Weltanschauung!: Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde . . . Woraus hat Er denn das alles erschaffen? Aus nichts! Er hat alles, was ist, was es vorher nicht gab, durch Sein Wort ins Dasein gerufen! Und dann? Habt Ihr Angst, dass es Ihm dann so ging wie dem, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde? Oder dass Er etwas angerichtet hat, womit Er nun selbst nicht mehr fertig wird?

„Gedenke des Schabbat-Tages, dass du Ihn heiligst! Sechs Tage arbeite und vollbringe alle deine Werke und der siebente Tag ist Schabbat dem Ewigen, Deinem Gott. Tue nichts von all deinen Werken, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tag. Deshalb segnete der Ewige den Tag des Schabbat und heiligte ihn.“ (2. Buch Moses, Kapitel 20)

Innerhalb Israels spricht man von dem siebenfachen Schöpfungswerk Gottes. Das macht die Ruhe zu einem Bestandteil der Schöpfung. Gleichzeitig nennt Gott den Schabbat ein Zeichen zwischen Sich und Seinem Volk Israel. Die Ruhe und die damit mögliche Heiligung macht sichtbar, dass Gott von allem, was Er tut, selbst unangetastet bleibt und darüber steht. Er freut sich sogar über alle Seine Werke!
Wer sich nach Seinem Gebot richtet, folgt damit auch Seinem Beispiel. Er zieht sich von aller Arbeit zurück in den Heiligen Zeitraum, der als Heiligtum innerhalb der Zeit jede Woche abschließt. Er versteht aber auch die Jahreszahl des Jüdischen Kalenders als bisherige Dauer der Weltgeschichte und kann dadurch das Ziel Gottes mit der Weltgeschichte relativ einfach einordnen.

Früher haben sich christliche Leute gerühmt, dass für Sie der Tag des Gottesdienstes vom siebenten Tag der Woche verlegt worden wäre auf den ersten Tag. Das entsprach ihrer Weltanschauung und ihrer Distanz zu der Ungekannten Welt und hatte schon über 1000 Jahre Tradition. Da blieben Unterschiede zumindest noch sichtbar, und das war so bis zum Jahr 1975 der römischen Zeitrechnung. Dann kam der 1. Januar 1976:
An diesem Datum trat eine UN-weltweite Kalender-Reform in Kraft, die nicht vorhatte, die Verschiebung vom 7. Tag auf den 1. Tag der Woche rückgängig zu machen, sondern zu verwischen. Weltweit wurde nun der 1. Tag der Woche einfach zum 7. Tag erklärt.
Dass in der Ungekannten Welt so etwas nicht mitgemacht wird, kann die ungeheure Mehrheit der Welt aber nicht zur Ruhe kommen lassen. Kann die Mehrheit auch Unrecht haben?
Wer sich, wie die Ungekannte Welt, nicht nach der Mehrheit zu richten braucht, sondern sein Glück in Gottes Gebot findet, den kann die ganze Welt nicht aus der Ruhe bringen, besonders nicht am Schabbat. Da sagt man sich auf jiddisch: „Schabbes soll seyn!“

Wieso greift denn nun der Schabbat so komisch in den Freitag und den Samstag hinein?
Daran wird sichtbar, dass vor der UN-Kalender-Reform der 7. Tag im römischen Kalender und der 7. Tag im hebräischen Kalender auch schon nicht dasselbe waren! In der Ungekannten Welt gilt eine ganz andere Datumsgrenze: Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang! Woher kommt denn das schon wieder?

Von der Jüdischen Weltanschauung! Das war von den Schöpfungstagen und dem ersten Schabbat an schon nicht anders und ist von Gott, dem Schöpfer, auch nie geändert worden. Insofern gehört zu jedem Heiligen Feiertag in Israel, wobei der Schabbat der Heiligste ist, ganz natürlich ein Heiliger Abend.
Das wird bei „Weihnachten“, dem 25. Dezember, durch eine Einbeziehung des Abends am 24. Dezember als sogen. „Heiliger Abend“ nachgeahmt und soll „Weihnachten“ zum heiligsten Tag des Jahres machen. Damit feiert nun die griechisch-römische Welt den Geburtstag ihres Gottes und bezieht darauf ihre Zeitrechnung 2012 seit 1486 Jahren (Zeitpunkt der Einführung der christlichen Zeitrechnung mit deren Jahreszahl 526 durch Papst Johannes I.) !
Der Gott Israels, der Ewige, der keinen Anfang und kein Ende hat, kann aber gar keinen Geburtstag haben!

Was hat nun der Schabbat mit einem Tempelkult zu tun? Ich glaube, Ihr könnt es Euch fast schon selber denken, vor allen Dingen, wenn Ihr bedenkt, wie die Mehrheit mit der Kalender-Reform sich nie daran stößt, die Jahreszahl 5773, und damit gleichzeitig den Schöpfer des Himmels und der Erde, durch Jahrmillionen zu ersetzen! Erstaunliche oder sogar inflationäre Mehrheit?

Es macht aber sehr traurig, wenn man bedenkt, was der oft so einsamen Ungekannten Welt immer wieder alles angehängt, angedichtet, angelastet oder angetan wurde! Damit sind wir wieder zu dem entsetzlichen Jahrestag zurückgekehrt, der, als es geschah, von den Nazis „Reichskristallnacht“ genannt wurde! (s. Luthers Reichskristallnacht wird 70)

Ihr sollt wissen, dass die Ungekannte Welt noch lebt, auch wenn man sie immer wieder vernichten will! Ist das nicht ein Wunder des Schöpfers?
Es ist aber auch Sein Geheimnis: Sein 8. Schöpfungswerk ist Israel, beginnend mit Abraham! Er hat auch durch Seine Propheten verkünden lassen, dass dereinst alle Menschen den Schabbat heiligen werden.
Mit dem Erscheinen der neuen Mondsichel werden alle Menschen dann auch den neuen Monat heiligen und beginnen. Dann gibt es keinen Monat mehr, der sich nach der Sonne richten muss, sondern Ihr seid dann auch mit dem Monat in der Ungekannten Welt vertraut und glücklich. Warum? Ihr werdet erkennen, dass es keine „Neue Weltordnung“ ist, sondern die von Anbeginn der Schöpfung bestehende Ewige Weltordnung. Wo bestand sie denn dann bereits vor der Schöpfung Gottes? In dem Plan Gottes für Seine Schöpfung, der Torah !

Schabbat Schalom !
Watch here to An Open Letter To The World:

Foto ganz oben: © Bundesarchiv Bild 146-1970-041-46, Orthodoxe Synagoge in der Münchener Herzog-Rudolf-Straße, November 1938



5 Kommentare to “Waldshut-Tiengener Vorbildfunktion gegen Luthers Reichskristallnacht”

  1. Gods Sabbath sagt:

    Da gerade heute, am 31. Oktober, der Reformationstag ist, sollte christlichen Deutschen und lutherischen Christen insbesondere hinsichtlich ihrer Lutherdekade zu denken geben, ob sie ein Fest zu Ehren eines der größten Judenhasser der Welt – die Lutherdekade – nicht doch noch abblasen wollen. Andernfalls man diese Leute so ansehen muss, wie Luther: Als die größte Schande Deutschlands!

  2. Im November findet organisiert von einer Pfarrerin in Eisleben, ein Vortrag über Luther und die Juden statt. Ort und Termin steht noch nicht fest. Bin gespannt wie hier die Geschichte vergewaltigt wird. Vielen Dank auch noch an Herrn Kiebitz für die Zusendung des Kalender.

  3. Am 9.November 2012 veranstalten in Eisleben beide Kirchen gemeinsam mit dem Eisleber Synagogenverein einen Gedenkgottesdienst zur Reichsprogromnacht 1938. Veranstaltungsort ist die Andreaskirche, die Kirche in der Luther einst aufs schärfste gegen Juden gehetzt und deren Vertreibung gefordert hat.
    Sollte es hier dazu einen Kommentar geben würde ich diesen unserer Lokalredaktion zustellen.

  4. BS“D

    Schalom, lieber Herr Troege !

    Vor einem Jahr haben Sie in dieser Webseite einen sehr wertvollen Beitrag in die Kommentarfunktion geschaltet, und zwar über den Diakon Johann Friedrich Elteste, dessen Aufzeichnungen Sie dankenswerter Weise restauriert haben.
    Vorgestern, am 3. November, haben Sie auf eine Veranstaltung am 9. November in der Eislebener Andreaskirche hingewiesen, mit ökumenischem Gepräge, was ja bereits an sich schon ein Kontrast zu Luthers Praxis ist, die immerhin zu Religionskriegen geführt hat. Thomas Münzer war Luthers persönlicher Schüler. Der Krieg des Schmalkaldischen Bundes, wobei Schmalkalden ein Nachbarort der Wartburg ist, erscheint sofort im Lichte Luthers. Der 30-jährige Krieg war eine weitere Fortsetzung. Die Christall-Nacht, und was darauf folgte, gleich mit einzuordnen, dürfte sicherlich kein Fehler sein.
    Damals haben Sie mich veranlasst, einen Kommentar zu schreiben. Dieses Mal lassen Sie diesbezüglich einen Wunsch durchblicken, und ich fühle mich angesprochen.
    Damit sind wir wieder bei der Andreaskirche in Eisleben angelangt. Es soll die Kirche sein, in der Luther seine letzten Hetz-Tiraden gegen die Juden vor seinem Tode veranstaltet hat. Da er an seinem Geburtsort auch starb, liegt die Kirche, in der er auf den Namen Martinus getauft wurde, St. Petri und Pauli, in der Nachbarschaft. Das hat bereits einen Zusammenhang mit meiner Einleitung. Dass der Name Martinus eine Ableitung von dem Kriegsgott Mars ist, dürfte bereits weniger bekannt sein.
    Mir geht es jetzt um die spätere Praxis Luthers im Zusammenhang mit der Taufe, die nach Luthers Verständnis zunächst die von ihm angestrebte Lösung der Judenfrage war.
    Im heutigen ökumenischen Dialog könnte man vielleicht erwarten, dass der Judenfrage gleichrangig eine Christenfrage und eine Moslemfrage gegenüberstehen könnten. Das Gegenteil war bei Luther der Fall. Lassen Sie mich zitieren, was Luther auf dem Weg zum Reichstag in Worms, der auf den Dreikönigstag des Jahres 1521 ausgeschrieben war, in Frankfurt am Main angerichtet hat.
    Zitat aus dem historischen Werk Rabbi Joselmann von Rosheim von Marcus Lehmann, 30 Jahre Rabbiner in Mainz, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, hier Auflage 1988 bei Morascha, 1. Band Seite 271:

    Auch Rabbi Joselmann bereitete sich vor, auf dem Reichstage als Befehlshaber und Regierer der gesamten Judenheit deutscher Nation neben den Fürsten, Herren und Reichsständen würdig zu erscheinen. Er war nicht mehr der einfache Jude, den eine Laune Kaiser Maximilians mit einer neugeschaffenen Würde bekleidet hatte, er war nunmehr von dem jugendlichen Kaiser, voraussichtlich auf eine lange Zeit, in diesem Amt bestätigt, und von der Sonne der Herrlichkeit des mächtigen Kaisers fiel ein Strahl auf den demütigen, bescheidenen Juden.
    Als sich Rabbi Joselmann zur Reise nach Worms rüstete, klopfte es an der Tür seiner Wohnung zu Frankfurt, und ein Mann im Gewande der Mönche des Augustinerordens trat ein.
    „Seid Ihr Joselin, der Befehlshaber der Juden?“ fragte der Mönch.
    „Der bin ich,“ antwortete der Angeredete „und Ihr seid Martinus Luther, Doktor der Theologie und Professor an der kurfürstlichen Universität zu Wittenberg.“ –
    „Ihr kennt mich?“
    „Euer Name ist in aller Mund und Euer Bild in aller Händen!“
    „Ich komme, um Euch meinen Dank zu sagen. Ihr habt auch für meine Sache gewirkt, indem Ihr den Anschlägen der Dominikaner entgegentratet. – Joselin, ich bin ein Freund der Juden; ich habe gegen ihre Bedrückung und Verfolgung geschrieben.“
    „Ich weiß es, ich habe Eure Schrift darüber gelesen und weiß Euch Dank dafür, dass Ihr von der Verfolgung meiner Brüder abmahnt; noch mehr weiß ich Euch Dank dafür, dass Ihr dazu mahnt, uns bürgerliche Hantierung zu gestatten und dass Ihr jene abscheulichen, sinnlosen Beschuldigungen, dass die Juden Christenblut brauchen, für abgeschmackte Märchen erklärt.“
    „Ihr seid ein unterrichteter Mann, Joselin, mit Euch kann man ein vernünftiges Wort reden. Ich habe viel von Euch gehört. Ihr seid der erste und angesehenste Mann der ganzen Judenheit. Wisset, Joselin, ich habe viel darüber nachgedacht, warum ihr Juden bei euren Irrtümern verharret, warum ihr nicht längst erleuchtet seid vom wahren Christenglauben. Und da scheint es mir, dass es fast kein Wunder ist. Unsre Narren, die Papisten, Bischöfe und Mönche haben bisher die Juden behandelt, als wären sie Hunde und nicht Menschen. Jetzt aber soll das Christenblut gereinigt werden von allem papistischen Beiwerk und allen schändlichen Missbräuchen. Ich gehe zurück auf den Wortlaut der Heiligen Schrift. Da ist ein Boden gewonnen, der uns und euch gemeinsam ist. Joselin, die Kraft des heiligen Wortes wird den Kaiser und die Fürsten, ich bin dessen gewiss, überzeugen. Leget auch Ihr Eure Verstocktheit ab und nehmet den reinen Christenglauben an, wie ich ihn lehre und predige.“
    „Herr Pater, wenn ich Euch richtig verstanden habe, so wollet Ihr die Kirche reformieren, das heißt, Ihr wollet den ursprünglichen Zustand der Kirche, wie er war, ehe es einen Papst gegeben hat, wieder herstellen.“
    „So ist es; die Fasten, der Ablass, die Verehrung der Heiligen und Reliquien, die Euch Juden mit Recht als ein schlimmer Götzendienst erscheinen muss, sollen abgeschafft werden. – Ihr, Joselin, müsset mit gutem Beispiel vorangehen; dann werden Eure Brüder Euch folgen. Nehmet die Taufe an, Joselin, und werdet Euren Brüdern und Verwandten ein Erlöser und Befreier, wie ich dem deutschen Volk zu werden hoffe ein Befreier und Erlöser vom papistischen Joche!“
    „Wie könnt Ihr, Herr Pater, ein solches Ansinnen an mich stellen? Wir, wir glauben an den einzigen Gott und an niemanden außer Ihm. Für diesen erhabenen Glauben haben unsere Väter gelitten und geblutet, in diesem Glauben wollen auch wir leben und sterben. Und wenn Euer Meister selber wiederkäme, und uns gewinnen wollte für seine Lehre, so würden wir heute zu ihm sprechen wie unsere Väter vor 1500 Jahren; Geh´ hinweg von uns; wir haben keinen Teil an dir. Wir bleiben treu der reinen, unverfälschten Lehre unseres Gottes.“
    „Und meint Ihr, Ihr hättet den rechten Glauben, Ihr, mit Euren einfältigen Gesetzen ohne Ende, mit Euren vielen Vorschriften, Gebräuchen und äußeren Werken?“
    „Wahrlich, Herr Pater, Ihr stehet dem Judentum ferner als die Kirche, die Ihr bekämpfet. Eine der Hauptsäulen unserer heiligen Religion ist die Lehre von der Freiheit des Willens. Gott hat den Menschen zur Freiheit erschaffen; der Mensch kann das Böse wählen oder das Gute, den Tod oder das Leben. Und Gott befielt ihm, dass er wähle das Leben, dass er durch gottesfürchtigen Wandel, durch gute, edle Taten seine Seele vervollkommne. Das erste und vorzüglichste ist die Tat, die echte, rechte, gottgebotene Tat. Nicht die Lehre ist die Hauptsache, sagen die Weisen der Mischnah, sondern die Tat. Und Ihr, Herr Pater, Ihr leugnet den hohen Wert der guten Werke? Der Glaube und nur der Glaube allein ist Euch das einzige Mittel, selig zu werden! Ich habe Eure Schrift über die Freiheit des Willens gelesen. Sie ist voller Irrlehren, voller Irrtümer – nein, nicht voller Irrtümer, sondern von vorn bis hinten ein Irrtum. Ihr habt den Sinn der Heiligen Schrift nicht verstanden; könnt ihn nicht verstehen, weil ihr der hebräischen Sprache nicht genugsam mächtig seid, weil Ihr die Auslegungen und Erklärungen der Rabbinen nicht kennt, weil Euch das Eindringen in den Talmud und in die Kabbalah versagt und verschlossen ist!“ –
    „O, ihr heillosen, elenden Leute! Jetzt sehe ich, dass ihr unverbesserlich seid, dass man recht getan hat, euch wie wilde Tiere zu behandeln, euch zu zertreten, zu zerfleischen und niederzumetzeln! Wohlan, ich werde Kaiser und Reich für meine Lehre gewinnen. Dann werde ich dazu raten, eure Synagogen einzuäschern, eure Häuser zu zerstören, euren Talmud und eure Gebetsbücher und sonstigen Teufelskram zu verbrennen. Euer Geld muss euch genommen werden, und euren Rabbinen und Schriftgelehrten muss die Zunge ausgeschnitten werden hinten am Halse; eure Männer und Frauen sollen als Leibeigene verkauft werden und mit nichts anderem hantieren, als mit Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel. Dann sollet ihr noch behaupten, dass ihr den rechten Glauben habt und dass das Christentum drei Götter lehre.“
    In hellem Zorn schritt er von dannen.
    Rabbi Joselmann aber erhob seine Hände gen Himmel und sprach:
    „Allmächtiger Gott, so ist denn in diesem Martinus Luther deinem Volke ein schlimmerer Feind erwachsen als jemals zuvor einer gelebt hat. Du aber, o Gott, lass seine bösen Anschläge nicht gelingen! Du allein bist unser Erretter und Beschützer, auf dich allein vertrauen wir. Auf dich haben vertraut unsere Väter, sie haben vertraut uns wurden errettet. Zu dir flehten sie und wurden errettet, auf dich haben sie vertraut und wurden nicht beschämt. O, du mein Gott, sei nicht fern, du meine Stärke, eile zu unserer Hilfe!“

    Ist Ihnen aufgefallen, lieber Herr Troege, wie Dr. Martinus zuerst die Lösung der Judenfrage in der Taufe gesehen hat und dann in die Richtung tendierte, die bei den Nazis in der Endlösung der Judenfrage gipfelte?

    Schalom al Israel! Frieden für Israel!

  5. Hinweis von Prof. Dr. Yizhak Ahren, Jerusalem, am 25. November 2012 betreffend den Offenen Brief zum Flyer (online am 30. Oktober 2012):

    Zitat aus dem Offenen Brief von Jehonatan Kiebitz:
    „Den Schabbat könnt Ihr ganz einfach mit der Jahreszahl im Jüdischen Kalender datieren, wie Ihr sie im heutigen Datum dieses Briefes findet: 5773 . Was hat denn der Schabbat mit dieser Jahreszahl gemeinsam? Die ganze jüdische Weltanschauung!: Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde … . Woraus hat Er denn das alles erschaffen? Aus nichts! Er hat alles, was ist, was es vorher nicht gab, durch Sein Wort ins Dasein gerufen! Und dann? Habt Ihr Angst, dass es Ihm dann so ging wie dem, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde? Oder dass Er etwas angerichtet hat, womit Er nun selbst nicht mehr fertig wird? (Hier folgt 2. Moses 20,8 – 11 in eigener Übersetzung). Innerhalb Israels spricht man von dem siebenfachen Schöpfungswerk Gottes. Das macht die Ruhe zu einem Bestandteil der Schöpfung. Gleichzeitig nennt Gott den Schabbat ein Zeichen zwischen Sich und Seinem Volk Israel. Die Ruhe und die damit mögliche Heiligung macht sichtbar, dass Gott von allem, was Er tut, selbst unangetastet bleibt und darüber steht. Er freut sich sogar über alle Seine Werke!“

    Hierzu nun der Hinweis von Prof. Ahren auf die 10 Plagen in Ägypten, hier die Plage des Hagels, 2. Buch Moses 9,29 in der Übersetzung und mit dem Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s.A.

    29. Mosche erwiderte ihm (Pharao): Wie ich die Stadt durchgegangen sein werde, werde ich meine Hände zu Gott ausbreiten; die Donner werden aufhören und der Hagel nicht mehr sein, damit du es wissest, dass Gottes die Erde sei.

    Kommentar zu Vers 29. … Die Stadt war voller Götterbilder. Darum hat wohl Moses immer nur außerhalb derselben Gott für Pharao angerufen, damit es nicht scheine, er wende sich an einen der ägyptischen Götter. Auch das ( … heb.) heißt wohl: zur Stadt hinaus. Allein dort, wo das Aufhören der Plage erst den anderen Tag eintreten sollte, war es nicht nötig, dies ausdrücklich zu bemerken. Hier aber, wo Pharao das sofortige Aufhören wünschte, musste ein Moses bemerken, dass er erst zur Stadt hinausgehen werde. Pharao konnte daher die dazu gehörige Zeit berechnen und erkennen, dass sofort auf Moses Bitte das Wetter aufhöre. Bemerken wir, dass nicht nur und nicht so sehr das Kommen der Plage, als deren Aufhören nach göttlichem Willen das bedeutendste Zeichen der göttlichen Allmacht bildet. Die allgewaltigste Offenbarung der produktiven, schaffenden Macht dürfte auch jetzt noch den Völkern die reine Vorstellung des jüdischen Gottes nicht bringen, dürfte ihn höchstens als höchste Kraft aller Kräfte, höchste Macht aller Mächte offenbaren. Der jüdische Gottesgedanke ist der, der Gott als freien Herren über sein Werk erscheinen lässt, dem sein Werk nicht über den Kopf wächst. In der Nichtfortdauer der Plage auf Gottes Geheiß, in der Negation und ausgewiesenen Geschiedenheit zwischen Ägypten und Goschen (Anm.: Gebiet für Israel, wo kein Hagel gefallen war), darin vor allem zeigt sich Gott. Kein anderes Wesen kann die einmal entfesselten Elemente wieder bezwingen. Der Jude feiert so den letzten Schöpfungstag, den Sabbat, die nichtjüdische Welt in gedankenlosem Gegensatz den Sonntag, den ersten. Die Anschauung, die die Welt aus Naturkräften hervorgehen lässt, kann wohl vielleicht den Sonntag, nie aber den tatsächlichen Sabbat der Schöpfung erklären. Warum dauert die Schöpfung neuer Geschöpfe nicht fort? Es sind ja dieselben schaffenden Kräfte noch vorhanden? Darum den Sabbat, mit welchen das Schaffen aufhörte, hat Gott zum Denkmal des Schöpfers gesetzt.

    Anschließend zum gleichen Augenmerk noch ein Zitat aus dem Buch „Der Sabbat“ von Abraham Joshua Heschel, den 1938 das Schicksal der polnischen Juden in Deutschland auch ereilt hat. Es ist erschienen 1990 im Neukirchener Verlag in Neukirchen – Vluyn in deutscher Übersetzung. Dazu vom Umschlagdeckel des Buches vorweg das Fenster in den Lebenslauf des Autoren.

    Abraham Joshua Heschel gilt als der anerkannte Meister einer ganzen Generation “amerika-nischer Rabbiner, ein jüdischer Theologe von internationalem Ruf“, von enormer Bedeutung für alle, die sich Menschen nennen und Menschen sein wollen.
    Er wurde 1907 in Warschau geboren, studierte in Berlin, wurde Dozent und von Martin Buber für das Freie Jüdische Lehrhaus ausgewählt. Er promovierte mit einer berühmt gewordenen Arbeit über “Die Propheten“. 1938 wurde er wie alle polnischen Juden aus Deutschland ausgewiesen (in den Tagen vor der Reichs-Christallnacht – Anm. des Rezitators); er emigrierte in die USA, wo er als Professor für jüdische Ethik und Mystik an verschiedenen Hochschulen wirkte. Er starb 1972. (GSI Hinweis auf Tochter: Susannah Heschel)
    Das Zitat umfasst aus Teil 1, Unterthema „Über die Zivilisation hinaus“ die Seiten 24 und 25 des Buches. Bezugspunkte zum Offenen Brief und zum Hirschkommentar sind durch Fettdruck hervorgehoben:
    Wie stolz sind wir oft auf unsere Siege im Kampf mit der Natur, stolz auf die Menge der Werkzeuge, die wir erfunden haben, auf die Unmenge an Waren, die wir schaffen konnten. Aber unsere Siege sehen plötzlich Niederlagen sehr ähnlich. Trotz unserer Triumphe sind wir Opfer der Werke unserer Hände geworden; es ist, als hätten die Kräfte, die wir überwunden haben, uns überwunden.
    Ist unsere Zivilisation ein Weg ins Verderben, wie viele glauben? Ist Zivilisation ihrem Wesen nach böse, muss sie abgelehnt und verdammt werden? Der Glaube der Juden ist nicht ein Weg aus der Welt hinaus, sondern ein Weg, in und über dieser Welt zu sein; Zivilisation soll nicht abgelehnt, sondern übertroffen werden. Der Sabbat ist der Tag, an dem wir die Kunst lernen, über die Zivilisation hinauszuwachsen.
    Adam wurde in den Garten Eden gesetzt, »um ihn zu bebauen und in Ordnung zu halten« (Gen 2,15). Arbeit ist nicht nur die Bestimmung des Menschen; sie ist mit göttlicher Würde ausgestattet. Als Adam jedoch vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte, war er zur Mühsal verdammt, nicht nur zur Arbeit. »Unter Mühsal sollst du essen… alle Tage deines Lebens« (Gen 3,17). Arbeit ist der Segen, Mühsal das Elend des Menschen.
    Der Sabbat als ein Tag, an dem man keine Arbeit tut, ist nicht eine Herabsetzung der Arbeit, sondern deren Bejahung; Gott selbst hält ihre Würde hoch. Du sollst am siebten Tag keine Arbeit tun ist die Fortsetzung des Gebotes: Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun.
    »Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun; aber der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott« So wie uns geboten ist, den Sabbat zu halten, wird uns geboten zu arbeiten. Liebe die Arbeit.. .« Die Pflicht, sechs Tage lang zu arbeiten, ist ebenso Teil von Gottes Bund mit dem Menschen wie die Pflicht, am siebten Tag keine Arbeit zu tun.
    Ein Tag der Woche, ausgesondert für die Freiheit, ein Tag, an dem wir die Werkzeuge, die so leicht zu Waffen der Vernichtung geworden sind, nicht benutzen; ein Tag, an dem wir für uns selbst da sind; ein Tag ohne die banalen Alltäglichkeiten; ein Tag, an dem wir nicht mehr die Götzen der technischen Zivilisation anbeten, an dem wir kein Geld benutzen; ein Waffenstillstand im wirtschaftlichen Kampf mit unseren Mitmenschen und mit den Kräften der Natur – gibt es irgendeine Einrichtung, die größere Hoffnung für den Fortschritt der Menschheit bereithält als der Sabbat?
    Die Lösung des schwierigsten Problems der Menschheit liegt nicht im Verzicht auf technische Zivilisation, sondern im Erreichen einer gewissen Unabhängigkeit von ihr.
    Was die äußeren Gaben und Besitztümer betrifft, gibt es nur eine angemessene Haltung – sie zu haben und imstande zu sein, ohne sie auszukommen. Am Sabbat leben wir sozusagen unabhängig von der technischen Zivilisation: Wir enthalten uns vor allem jeglicher Aktivität, die darauf abzielt, die Dinge des Raumes zu erneuern und zu ordnen. Das königliche Privileg des Menschen, die Natur zu unterwerfen, ist am siebten Tag ausgesetzt.
    Welche Arbeiten darf man am Sabbat nicht tun? Nach den alten Rabbinen alles, was für den Bau und die Einrichtung des Heiligtums in der Wüste nötig war. Der Sabbat selbst ist ein Heiligtum, das wir bauen, ein Heiligtum in der Zeit.
    Es ist eines, von den Wechselfällen, die das Leben bedrohen, getrieben und gejagt zu werden, ein anderes, stille zu stehen und die Präsenz eines Augenblicks der Ewigkeit zu umfassen.
    Der siebte Tag ist der Waffenstillstand im grausamen Existenzkampf des Menschen, ein Waffenstillstand in allen persönlichen und sozialen Konflikten, Friede zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur, Friede im Menschen; ein Tag, an dem der Umgang mit Geld als Entweihung gilt, an dem der Mensch seine Unabhängigkeit bestätigt von dem, was der oberste Götze der Welt ist. Der siebente Tag ist der Exodus aus aus Spannung, der Befreiung des Menschen aus seiner eigenen Verwirrung, die Einsetzung des Menschen zum Herrscher in der Welt der Zeit.
    Ende Zitat auf Seite 26.
    Ein Waffenstillstand ist auch eingetreten an der Gaza-Front. Die Araber nennen es Hudna, eine Pause zum Aufrüsten,aber auch zum Aufhetzen, was alles noch schlimmer macht. Die Welt wird UNO – weit aufgehetzt. Deutschland hat in der UNO-Abstimmung, die die Teilung des Landes Israel vorantreibt, mit lau votiert (s. Abbas-Merkelinische Israel-Existenzvernichtung durch UNO-Palästinenser-Aufwertung). Die Halben sind schlimmer als die Nullen oder die Ganzen. Wer die Welt gegen Israel aufhetzt, kämpft auch gegen das Gesetz des Gottes Israels und damit auch gegen den Schabbat, aber nicht unbedingt gegen die Scharia. Heute redet man von Terrorismus. Wer war denn die hohe Schule aller Terroristen? Die theologische Kriminalität mit Inquisition, Kreuzzügen, Pogromen, Machtmissbrauch ohne Ende und Veränderung des Heiligen Gesetzes (s. Heilig oder unheilig, Gedanken zu Chanukka).

    Chanukka Sameach und jede Woche neu Schabbat Schalom wünscht Ihnen

    Ihr Jehonatan Kiebitz