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Schlach-Lecha O Wie – liberales Judentum oder deutsche Orthodoxie

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Wir müssen unterscheiden lernen. Weil Gott unterscheidet! Tanach oder Altes Testament, Gottes Plan oder eigene Pläne, Orthodoxes oder Liberales Judentum, wohin sollen/wollen wir gehen? In der kommenden Parascha → Schlach Lecha (auch: Schelach Lecha, s. Kommentar über 4. Moses 13,1-15,41) – werden 12 Kundschafter e n t s e n d e t, das Land auszukundschaften … darin (tatsächlich) Milch und Honig fließt?
Nur zwei der Kundschafter bezeugen Gottes Veheißung über das Land (14,7):
„Das Land, das wir bereisten um es zu erforschen, ist ein sehr, sehr gutes Land“
(vgl. Schöpfungsbericht: Und Gott sah an all das, was Er geschaffen hatte, und siehe, es war sehr, sehr gut),
aber zehn brachten ganz liberale Bedenken auf (13,32):
„Es ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt, und die ganze Bevölkerung, die wir darin gesehen, sind Leute von starkem Maß.“
Ist die richtige jüdische Einstellung nicht ausschließlich Israel/Ermutigung pur und rein jüdisch-orthodox, so wie es in Vers 13,20 steht: „Stärkt euch und nehmt euch von den Früchten des Landes“? Bemerke: Von den 12 einstmals entsendeten Kundschaftern, kamen 39 Jahre später nur zwei im Verheißenen Land an – weil sie sich von Gottes Wort hatten stärken lassen, und nur von diesem und keinem liberalen Gedanken getrügt?

In dem an dieser Stelle von God’s Sabbath International vor drei Wochen zu Schawuot (Gottes Tora-Übergabe an die Juden) veröffentlichten Vortrag von Oberrabbiner Sir Jonathan Sacks (Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the Commonwealth), erfahren wir, wie Gott geHorsames Entsandtsein stärkt:

Auszug aus dem aufgeschriebenen Hör-Vortrag (hier der Link) → Tora vom Himmel :

Chief Rabbi Jonathan Sacks Foto: coopermiall

Im Judentum sagt nicht das, was man sieht, die Wahrheit, sondern das, was man hört – und das ist alles. Wenn man sich auf das Sehen verlässt, geht man in die Irre.
Was sollen wir anschauen, um es richtig zu erfassen? Die „Zizit“. „ure’item oto usechartem“ – „ihr sollt sie sehen und gedenken“.
Und wie fängt der Wochenabschnitt an, in dem die Zizit eine Rolle spielen? „Schelach lecha“ [„Sende aus“! 4. Mose 13,1 – 15, 41] – es ist der Abschnitt über die Kundschafter.
Da werden dieselben Worte gebraucht: „ure’item et ha’arez“ – „und ihr sollt ansehen das Land….“ Das ist das Leitwort. „Und ihr sollt sehen“ – das Wort kommt nur drei Mal in der Tora vor, zwei Mal in diesem Abschnitt.
Die Kundschafter sahen – und zogen daraus bestimmte Schlüsse. Es waren falsche Schlüsse. Was sahen sie? Wann immer Sie eine Verteidigung des Judentums brauchen, hier ist sie. Erinnern Sie sich, dass Mose unter den vielen Dingen, die er den Kundschaftern aufgetragen hat, sagte: „Seht, was es für Städte sind, in denen sie wohnen, ob sie in Zeltdörfern oder in festen Städten wohnen!“ Und sie kamen zurück und sagten, die Städte seien befestigt und sehr groß. Im 5. Buch Mose , Kapitel 1, fügen sie noch hinzu, sie seien bis an den Himmel ummauert. Also: Was machen die Kundschafter? Sie folgerten, wenn die Städte stark sind, dann ist auch die Bevölkerung stark. Das war ihre Schlussfolgerung.
Wissen Sie, was Raschi sagt? Wenn sie in offenen Städten wohnen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung stark ist, weil sie sich nicht hinter Mauern verbarrikadieren müssen. Sie sind sich völlig sicher, dass sie bei einem Angriff gewinnen werden. Wenn sie hinter Mauern wohnen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie schwach sind. Deshalb: die Kundschafter sahen – aber was sie sahen, gab es nicht. Sie sahen ein starkes Volk, aber tatsächlich war es ein überaus ängstliches Volk.
Und ich füge als meinen Kommentar zum jüdischen Leben hinzu: Denken Sie nicht, dass die, die hinter den hohen Mauern eines selbst gewählten Ghettos leben, unbedingt die stärksten Juden sein müssen. Die stärksten Juden können ohne diese hohen Mauern leben. Im Vertrauen auf ihren Glauben können sie sich im Dialog mit anderen Glaubensüberzeugungen oder mit den Kulturen anderer Völker engagieren.

Das alles wirft doch auch die Frage auf, was ist denn Judentum, oder? Ist Judentum nicht ausschließlich auf Seinem Wort, der Tora, begründet, ergo wenn man sich liberal gerade heute in CSD-Zeiten zu den vermeintlichen schwulen Riesen, also Homosexualität, bekennt, ist Mann / Frau dann nicht mehr Jude, weil es Gottes Wort vom Leben (Schwule oder Lesben können sich nunmal nicht auf natürliche – nur per unnatürlicher – Weise vermehren) wiederspricht? Gerade zu dieser Zeit wird diese trennende Frage nach liberalen versus orthodoxen Judentum in der englischen „United Hebrew Congregations of the Commonwealth“ neu gestellt. Behalten wir in Erinnerung: Wir müssen unterscheiden lernen. Weil Gott unterscheidet! Die jüdische ZUKUNFT, Informationsblatt des Zentralrats der Juden in Deutschland, berrichtet aktuell darüber in ihrem Artikel → Spitzenamt. Darin wird u.a. bekundet, dass:“seinerseits Sacks aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber den liberaleren Strömungen kein allzu großes Geheimnis macht“.

Aber sollte es nicht auch in Deutschland zu einem solch unterscheidenden und offenen Diskurs statt momentanem Einheitsbrei kommen können? Denn am Schluss unserer Parascha (auch Schluss des Schma Israel) wird Gott ganz unliberal, undemokratisch und streng (ein echter Vater, Awinu Malkeinu): „Schaut nicht nach eurem Herzen und euren Augen, denn dann werdet ihr MIR untreu. Damit ihr all MEINER Gebote gedenkt und sie erfüllt und eurem Gott heilig werdet. ICH bin der Ewige, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten geführt hat, um euer Gott zu sein. ICH bin der Ewige, euer Gott.“

Schabbat Schalom

Rubrikbild © Chief-Rabbi Jonathan Sacks by coopermiall, Wikimedia-Commons


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