cat-right

Offener Brief zu Hintergründen Luthers Lutherdekade

Zu unserem am 12. März 2012 veröffentlichten Artikel über
Martin Luther und die Juden in der antisemitischen deutschen Lutherdekade erreichte uns ein Offener Brief von Jehonatan Kiebitz, johakiso-edition, Ramat Bet Shemesh, Israel, als kritische Reflektion unserer dort getätigten Aussage:
„Die Bibel hatte Luther übersetzt, ohne ein Wort hebräisch zu beherrschen“ ???

BS“D

Schalom, lieber Herr Martienssen!

Einer der eigentlichen Unterschiede zwischen der Wahrheit und der Lüge besteht doch darin, dass die Existenz der Wahrheit von nichts abhängt, dass sie keinen Einflüssen unterworfen ist und keine Verbindungen eingehen kann, also nicht veränderbar, nicht manipulierbar, auch keinem Zeitgeist, Zweifel bzw. Interesse anpassbar ist. Sie hängt auch von keinerlei Glauben ab, besteht also, egal ob sie geglaubt wird oder nicht. Vergleichbar ist die Wahrheit dem im Heiligtum Israels vorhandenen Gold, dem Edelmetall, das keine chemischen Verbindungen eingehen kann, aber als Katalysator chemische Reaktionen zwischen anderen Stoffen auslöst.
Anders ist es mit der Lüge. Wo es keinen Glauben gibt, kann auch keine Lüge aufkommen, denn die Lüge ist wie nicht existent, also lächerlich, wo sie nicht geglaubt sondern durchschaut wird.

Im → Hawdala-Kalender 5772 wies ich auf Glossar-Seite (10) mit dem Ausdruck „Geburtsstunde des Glaubens“ auf den Sündenfall hin. Die Lüge wird da zur Macht, wo es ihr gelingt, geglaubt zu werden. Der Glaube ist also das Mittel der Verführung. An der zitierten Stelle habe ich fortgesetzt, wie der Gottes-Gehorsam durch den „Glaubens-Gehorsam“ ersetzt wurde (Anm.: Ersatztheologie!), und dann: „Seit es im Paradies gelungen war, das Wort Gottes in Zweifel zu bringen, sind Religionen entstanden, die Gottes Wort und Gesetz verändern bzw. meinen korrigieren oder ersetzen zu müssen. Das führt zum Glaubens-Absolutismus lutherischer Prägung, bei dem die unverzeihlichste Ungeheuerlichkeit auf der Welt der Unglaube ist. …

An anderen Stellen habe ich schon wiederholt darauf hingewiesen, dass der Begriff Lutherübersetzung im Zusammenhang mit der Heiligen Schrift eine Irreführung ist, was Sie aber leider nicht hindert, davon zu sprechen, dass Luther die „hebräische“ Bibel übersetzt hätte, obwohl er kein Hebräisch konnte. Vielleicht sind Sie selber da auch noch dem Glauben an eine Lüge erlegen? Erlauben Sie mir bitte, Sie ein wenig hinter die Kulissen der lutherischen Welt zu führen, aber auch in die weitgehend ungekannte Welt des jüdischen Verständnisses der Geschichte in den Ländern, in denen sie, die Juden, Zeitzeuge waren, hier speziell der Reformationszeit:
Die beiden lutherischen Hochburgen im deutschen Sprachraum in Auswirkung der Reformationszeit wurden zusammenhängend Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schlesien, aber auch Württemberg und Hessen.

Kraft des Potsdamer Abkommens 1945 hatten die Amerikaner, unterdessen zur lutherischen Weltmacht geworden, Mitteldeutschland mit seinen historischen „Lutherstätten“ wieder geräumt und den Russen überlassen und damit der Behandlung des Atheismus preisgegeben (dem eigentlichen Wesen des Esau-Nachkommen Amalek). In Württemberg richteten sie dann ihr European US-Headquarter ein.

+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + +

GSI – redaktionelle Anmerkung:
Um ein Überschwappen des nunmehr offensichtlich gewordenen lutherischen Ursprungs von Holocaust mit ähnlichen Folgen auf die fast ausnahmslos lutherischen USA zu vermeiden, ließen die Amerikaner damals alle von den Deutschen im Dritten Reich millionenfach wieder aufgelegten Lutherbücher mit judenvernichtendem Inhalt verbrennen. Kaum zu glauben, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die Lutherdekade nicht vor die UNO bringt, um sie zu verbieten . . . nur langsam (ob jedoch noch rechtzeitig, um die Deutschen Lutheraner – diesmal vorher! – zu stoppen?) begreifen die Amerikaner, aber immerhin → hier erste Erkenntnisansätze aus dem amerikanischen Wikipedia »

Dass sich im Mittelalter der Einfluss Luthers für die Juden in Württemberg besonders verhängnisvoll ausgewirkt hatte, haben die Amerikaner wahrscheinlich nicht gewusst.

Die „Reformationszeit“ war in den romanischen Ländern die grausame Zeit der Juden-Vertreibungen. Dieselben Kaiser, die das betrieben, voran Karl V., verboten den Ländern nördlich der Alpen, ihre Juden ebenfalls zu vertreiben, was aber auch durch Rechte begründet war, die bereits Kaiser Maximilian den deutschsprachigen Juden garantiert und Karl V. bestätigt hatte. Karl Begründete seine Vertreibungen mit der Glaubenseinheit, die er herstellen wollte, hatte also religiöse Motive. In der Folge trieb man die Juden regelrecht den Ländern der Reformation in die Arme, die nicht begreifen wollten, warum sie „ihre“ Juden auf jeden Fall nicht vertreiben durften. Die Juden bevorzugten als Zuflucht die Türkei und Polen, wo sie willkommen waren, und bald auch das damals neu entdeckte Amerika.
In Süddeutschland vertrieben dennoch einige Reichsstädte die Juden. Württemberg setzte ab einem Stichtag das Betreten seines Landes für Juden unter Todesstrafe. Davon wurden die Juden außerhalb Württembergs auch hart betroffen, denn das Reichs-Kammergericht mit Sitz in Rottweil, das oft den Juden zu ihrem Recht verholfen hatte, lag nun in einem Gebiet, das zu betreten für Juden den Tod bedeuten würde. Später wurden dafür Wegrechte eingerichtet, aber mit für die Juden
erniedrigenden und teuren Bedingungen.

Nun lade ich Sie ein, lieber Herr Martienssen, mir einmal nach Thüringen zu folgen, und zwar auf die Wartburg. Es war in der DDR anfangs der 70-er Jahre. Ich reiste mit meiner Frau gemeinsam. Die „Bibel“, wie Sie die Luther-Übersetzung nannten, war ja in der DDR-Ideologie etwas Lächerliches. In einer Fabrikhalle in Leipzig sah ich einmal eine Parole auf einen Spruchband von gigantischer Länge: „Die Macht der Arbeiterklasse ist die Wahrheit!“. Auf der Wartburg erlebte ich dazu ein ideologisches Paradox. Wir, meine Frau und ich, nahmen zunächst einmal an der offiziellen Burgführung teil. Dass die Frau, die die Besucher dort hindurch geleitete, ein „Bonbon“ anstecken hatte, verriet zwar ihre Partei-Zugehörigkeit, war aber im DDR-System völlig selbstverständlich. Bei dem, was sie dann aussprach, traute ich aber zunehmend meinen eigenen Ohren nicht mehr. Sie musste ja dem Hintergrund des Aufenthaltes vom Martin Luther auf dieser Burg gerecht werden. Sie war ja auch Gäste aus anderen Ländern gewöhnt, denen gegenüber sie mit Stolz präsentieren wollte, was es in der DDR alles von internationaler Bedeutung gibt. Sie hatte Erfahrung im Umgang mit historischen Fragen und konzentrierte sich auf das Problem der Vielzahl an deutschen Dialekten im Mittelalter, das wie durch ein Wunder durch Luthers Versteck auf der Wartburg plötzlich durch eine einheitliche hochdeutsche Sprache überbrückt wurde, und zwar durch dessen Bibel-Übersetzung.
Nun, als die anderen Besucher es schon nicht mehr mithören konnten, hielt ich diese Frau noch auf und fragte, wie sie sich das denke, das so etwas Lächerliches wie die Bibel zu einer einheitlichen deutschen Sprache führen kann, was doch sowieso keiner liest, oder woraus sie doch zumindest nicht einmal zitieren dürfte, auch wenn sie es könnte.
Dann stieg ich allein auf den Bergfried. Meiner Frau war es zu kalt. Am Rennsteig lagen noch Schneereste. Ich versuchte der Geschichte von damals etwas näher zu kommen bei diesem Rundblick über Burg und Landschaft. Die Burg gehörte ja dem Kurfürst Friedrich „dem Weisen“ von Sachsen, für den dieser Mann in der Kutte der Augustinermönche von Interesse war.
Mich beschäftigte die Frage, wer eigentlich der Reformator war, der Kurfürst oder der Mönch von seinen Gnaden?
Was hätte denn der Mönch ohne den Kurfürst ausrichten können?
Hätte denn der Kurfürst mit seiner Verantwortung im Reichstag als Reformator erscheinen können?
Er war ja in Worms vor Karl V. einer der größten Fürsten gewesen.
(1547 im Krieg an der Elbe wurde ein Protestantischer Aufstand der Böhmen vom Kaiser Karl V. niedergeschlagen, der Kurfürst von Sachsen gefangen genommen und der Landgraf von Hessen, der sich ergeben hatte, verhaftet und beide danach auf dem Reichstag zu Augsburg vor Gericht gestellt.)
War denn die ganze Reformation überhaupt ein religiöses oder vielmehr ein politisches Geschäft der Kurfürsten nördlich der Alpen, die doch vom Papst unabhängig werden wollten? Mussten sie nicht einen Weg finden, ihre Untertanen vom Papst abzunabeln?
Was hatte also auch der Kurfürst für ein Interesse an der Bibel-Übersetzung?

Der Mönch hat schließlich die Wartburg gegen den Willen seines Fürsten selbst verlassen. Warum? Er war mit seiner Übersetzungsarbeit auf dieser Burg am Ende! Er hatte nur die christliche Bibel übersetzen können, sprich das sogenannte Neue Testament, denn das gab es nicht in Hebräisch, der Sprache der Heiligen Schrift. Luther konnte nur Latein und Griechisch. Die Heilige Schrift hätte ein Luther also niemals übersetzen können. Was hatte ihm dazu gefehlt? Die Juden!
Die konnte er in Wittenberg dafür gewinnen, aber auch nicht ohne die finanzielle Gnade seines Kurfürsten. Die berühmte Luther-Übersetzung war also nicht das Werk des Mönches sondern von 13 Juden, wobei der Leiter des Teams ein Urenkel des Raschi (Rabbi Schlomo Ben Jizchak) von Troyes war, des berühmten jüdischen Gelehrten des Mittelalters.
Wie war es nun möglich, dass dieses Verdienst der Juden unter dem Namen Luthers verkauft wurde? Man konnte nicht unterscheiden zwischen der Heiligen Schrift und der Bibel. Die Lutherbibel enthielt ja in einem Band die Heilige Schrift, die jüdische Übersetzung, und das Neue Testament, die Luther-Übersetzung zugleich. Von einem Teil war Luther nur der Auftraggeber und vom anderen Teil der Übersetzer.
Insofern war es eine dreifache Vermischung:

    1.) Das NT selbst und zwar Vermischung der Wahrheit unter die Lüge, hier der Heiligen Schriften Israels, entnommen der Septuaginta, unter griechisch-römische Götzendienste.
    2.) Die Vermischung beider Übersetzungen zu einem Buchband und dadurch
    3.) erneute Fortsetzung der bereits im NT vorhandenen Vermischung zwischen heiligen und unheiligen Schriften.

Andererseits war das Ganze nur möglich, weil gerade in Mainz die Buchdruckerkunst erfunden worden war. Gesetzliche Regelungen über Copyright etc. waren da noch nicht zu erwarten. Nur bei den Juden stand es schon immer außer Frage, dass man zu erkennen gibt, wem man etwas zu verdanken hat, wessen Ausspruch man zitiert, wem man die Ehre zu geben hat.

Mit den Juden, die ihm die Übersetzung machten, hatte Luther aber ganz andere Absichten. Ihn beschäftigte ständig die „Judenfrage“. Wo das hinführen kann, hat man am Ende bei den Nazis gesehen, die Luther zum Idol des Staates gemacht haben, während er es schon lange vorher in den ihm nachfolgenden Kirchen war.

. . . . . . . . Ergänzung der GSI-Redaktion – unser “Graues Kasterl” . . . . . . . . .

Kristallnacht: man feierte in Luthers Geburtstag – GSI Aktuelles vom 3.11.2011
1938 – Indem die demokratisch gewählte deutsche Regierung Martin Luthers Geburtstag (10. November) zur Reichskristallnacht machte, konnte sie sich sicher sein, mit diesem “Hineinfeiern” alle deutschen Lutheraner hinter sich zu einen, die gesamte Evangelische Kirche. Und heute noch feiern diese deutschen evangelischen Christen, sogar Menschen bei denen man Verstand und Geist vermutet hätte, diesen einen der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte wieder:
Die Lutherdekade – NS-Antisemitismus der Kirche heute !

Er verband mit seiner Reformationspolitik immer die Absicht, die Juden zur christlichen Taufe zu bringen. Das war für ihn die Lösung der Judenfrage. Von den jüdischen Gelehrten erwartete Luther, weil sie ihm die Übersetzung machen durften, dass sie sich dafür von ihm schließlich taufen lassen müssten. Weil sich das als völliger Trugschluss erwies und stattdessen christliche Leute es vorzogen zum Judentum überzutreten, wurde Luther zum Judenfeind.

Mit dem Begriff „heilig“ → Heilig oder unheilig, Gedanken zu Chanukka – nahm er es im Umgang mit der Übersetzung der Juden auch nicht so genau. Was ihm nach seinem augustinischen Verständnis nicht passte, scheute er sich nicht, zu verändern. Als die Juden, denen die Übersetzung zu verdanken war, das merkten, haben sie Luther zur Rechenschaft gezogen, worauf er mit Hass reagierte und sich schließlich in Feindschaft gegen alle Juden verging. Diese Praxis gehört heute zur Gewohnheit der christlichen Kirchen, die auch keinen Hehl daraus machen.
Wo findet man heute im deutschen Sprachgebiet einen Hinweis dafür, dass Deutschland seine hochdeutsche Sprache seinen Juden zu verdanken hatte? Die DDR war extrem Israel-feindlich und die Burgführerin hätte dazu wahrscheinlich keine Beziehung haben können.

Bemerkenswert wird immer die Tatsache bleiben, dass die Kirchen durch die lateinische bzw. griechische Sprache die „Laien“, die auch fast nur Analphabeten waren, vom selbstständigen Zugang zum Verständnis ausschlossen und die Menschen mit Zwang manipulieren konnten. Insofern erscheint nichts besser, als eine Übersetzung, die alle verstehen können. Solche Übersetzungen gab es in anderen Ländern längst vorher. Wenn man aber bedenkt, wie es den Juden
am Ende ergangen ist, als in Deutschland die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen worden war, dann kann man sich doch nur noch fragen, welche Frage Jahrhunderte lang konsequent übergangen wurde, die eigentlich zuerst hätte gelöst werden müssen!

Unabhängig von den Hintergründen ihrer Entstehung war die deutsche Übersetzung der Heiligen Schrift eine glückliche Folge der Reformation. Auch dass ein Mönch und eine Nonne aus der Kutte gesprungen sind um zu heiraten, also mit dem Eheleben das Klosterleben abgeschafft haben, gehört zu den Verdiensten der Reformation.
Bedenkt man jedoch die Reformationskriege und das nicht enden wollende Morden danach, dann kommt man wieder nicht an der Frage vorbei, ob mit dem Wort Reformation eigentlich nur eine politische Absicht getarnt wurde. Wäre es eine Reformation hin zur Heiligen Schrift gewesen, zu Moses und den Propheten, hätte man mit der Trennung der Lüge von der Wahrheit im NT beginnen müssen. Wie hätte dann der weitere Verlauf der Geschichte tröstlich aussehen können und das auch für die Juden?

Schalom und alles Gute, lieber Herr Martienssen,

Ihr Jehonatan Kiebitz


Stichworte zum Thema: , , , ,

3 Kommentare to “Offener Brief zu Hintergründen Luthers Lutherdekade”

  1. Birgit Zeller sagt:

    . . . wer diese Lutherübersetzung wirklich machte, weiss wohl niemand (s. dazu auch Ruth Lapide korrigiert Luthers Übersetzungsfehler). Sie ist keine richtige Übersetzung, sondern eine Fehlinterpretation. Aus dem Sabbatgebot wurde einfach Feiertag und das Gebot gegen den Bilderdienst fiel raus. Das 10 Gebot wurde dann zu 9 und 10 gemacht. Das ist Absicht und niemals ein Übersetzungsfehler.

    Ich las anlässlich dieses bösen Marsches gegen Jerusalem, der am 30.3.2012 bzw am 7. Nissan 5772 sein soll, Zacharia 12 oder Sacharia 12, nochmal genau durch. Und zwar in einer der üblichen deutschen Übersetzungen, und verglich es mit einer Tanach-Übersetzung aus dem Hebräischen. Es ist auch da ein sehr großer Unterschied.

    Gruß Birgit Zeller

  2. […] Abend und an jedem Schabbes – Erinnerungsreligion! (… hat den Vorteil, dass man zwischen → Wahrheit und Lüge [Offener Brief zu Hintergründen Luthers Lutherdekade] unterscheiden kann) Genau diesen Auszug aus Ägypten, aus diesem Sklavenhause, feiern wir […]

  3. […] Beginnen mit der ersatzlosen Streichung der antisemitischen Lutherdekade. Hier ein → Offener Brief zu Hintergründen Luthers Lutherdekade von Jehonatan Kiebitz aus Ramat Bet Shemesh in […]