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JITRO Topmanagers Übertritt zum Judentum

Parascha: 2. Moses 18 – 20;
Haftara: Jesaja 6,1-7; 7,1-6; 9,5-6

Kommentar von Eric Martienssen

Am 15. Schwat ist / war der Neujahrstag der Bäume →Tu biSchwat.
Es beginnt also quasi ein ganz neues Leben (-sjahr).
Auch gleich der →erste Satz des Tora-Wochenabschnittes beginnt mit den drei wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen eines Menschen (hier Jitros) in der Beziehung zu seinem Schöpfer:
dem eigenen Namen,
dem „Wahr“ nehmen des Auszugs aus Ägypten,
der Überzeugung, dass dieser Gott allein Israel dort herausgeführt hat.

Genau genommen begegnen wir in diesem Satz auch den Namen der drei Topmanager des Judentums überhaupt: Israel (Volk Jisrael), Jitro und Moses. Auffallend jedoch ist der Mittlere, weil er – Jitro (auch Jethro oder Jetro) – gar kein Jude war. Eher das komplette Gegenteil: Vorstandsvorsitzender eines Götzenvolkes. Eben dieser Aspekt eröffnet den nichtjüdischen Menschen eine besondere Perspektive Gottes, sowie den weit über alle Horizonte hinaus zu blicken gewohnten Top-Führungskräften dieser Völker zudem einen Auftrag, den sie, und alleine nur sie, ausführen können.

Denn Topmanager sind trainiert darauf, so eigenständig groß und weit, kreuz und quer zu denken, dass es durchschnittlichen Menschen nach nur fünf Minuten schon schwindelig würde. Zudem beruht der Erfolg von Topmanagern darauf, Dinge und menschliche Charakteren lange im Voraus präzise einschätzen zu können. So ist davon auszugehen, dass Jitro alleine schon aus den Berichten seiner Töchter über „den ihnen beistehenden ägyptischen Mann“ (2. Moses 2,19) das Potential Moses für Weltbewegendes erkannte, wenngleich sicher nicht, dass dieser Mann einmal das → Volk Gottes überhaupt erst zur Einheit als Volk formen und in das Land der Verheißung für alle Menschheit führen würde. So der letzte Satz der gesamten Bibel (2. Chronik 36,23): „Wer nun unter euch von Gottes Volk ist, mit dem sei der Ewige, sein Gott, und er ziehe hinauf!“

Jitro, der Götzenpriester, hatte diesem Mann aus Ägypten, Moses, der zudem ein Hebräer aus dem Stamme Levi war, nicht nur viele Jahre Unterkunft und Aufgabe, sondern auch seine Tochter Zippora zur Frau gegeben. Das ist es, was die alles überragende Größe dieses Menschen & Topmanagers Jitro ausmacht – globaler Weitblick gepaart mit emotionaler Intelligenz (EQ). Bis zum heutigen Tag ist es einer der spannendsten Momente, die man überhaupt erleben kann, wenn ein Anführer der nachbiblischen Götzenreligionen (heute besonders der, die sich eigenmächtig Gottes Volk nennt und einen von ihrem eigenen römischen Pontifex vor 2000 Jahren hingerichteten jüdischen Rabbiner als Gott anbetet) auf einmal den → Gott Israels erkennt und zu diesem hinaufzieht. Das muss gar nicht geistlich verbrämt sein, sondern einfach nur damit zusammenhängen, dass man als Topmanager einer weltlichen Organisation Welt umfassend denken und so die Wunder Gottes von getürktem Auferstehungszauber unterscheiden kann.

Hier beginnt unsere Parascha: Jitro hatte alles gehört, was Gott an seinem Volk Israel getan, als er es → aus Ägypten herauf geführt ( < klick in diesem Link auch Erstes Gebot). Er packte Zippora – Moses Frau – und deren gemeinsame Söhne, und zusammen zogen sie zu Moses in die Wüste, wo das Volk Israel am Fuß des Berges Sinai lagerte. Jitro kommt seinem Schwiegersohn gerade zum rechten Zeitpunkt zu Hilfe, denn Moses ist völlig überfordert mit seinem Richteramt über ein Volk von 600.000 Mann Stärke. Der Topmanager Jitro aber bewahrt sofort den Überblick und tut zu allererst das, was für seine eigene mentale Ertüchtigung – für ihn persönlich in seiner Beziehung zu Gott – das Wichtigste ist. Er bekehrt sich von seinen heidnischen Götzen und vollzieht den ersten Giur der Bibel (→Bewusster Übertritt zum Judentum – auch Übertritt zum Gott Israels, Konversion): „Und Jitro sprach: Gelobt sei der Ewige, der euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand Pharaos gerettet, der das Volk aus dem Joch Ägyptens gerettet hat. Nun erkenne ich, dass der Ewige größer ist als alle Götter […] und Jitro, Moschehs Schwiegervater, brachte Brandopfer und Mahlopfer für Gott herbei, und Aharon und alle Ältesten Israels kamen, um mit Moschehs Schwiegervater vor Gott ein Mahl zu halten.“

Eines sticht bei diesem ersten Übertritt zum Judentum ins Auge, nämlich dass kein Rabbinatsgericht darüber entscheidet, niemand der sich als Hüter des heiligen Grals „Judentum“ aufspielt. Sondern allseits herrscht einfach nur Freude. Warum so schnörkellos das alles, damals, beim ersten Übertritt zum Judentum im Vergleich zu einem heutigen Rabbinatsgerichte / Beit Din ? (Eine mögliche Antwort könnte die sein, dass damals die Vertikale: „Mensch ↔ Gott“ noch die erste Rolle spielte und dieser Gott gerade kurz zuvor, beim Auszug aus Ägypten erst, in 11 schlichten Versen (2. Moses 12,38-49) ausgedrückt hat, unter welchen Bedingungen ER einen Nichtjuden in SEINEM Volk als jedem anderen Juden völlig gleichgestellte Persönlichkeit anerkennt. Und bei IHM, gelobt sei Er, ist außer, was Beschneidung / Brit Mila angeht, von offiziellem Übertritt keine Rede, und von Rabbinatsgerichten der Horizontale „Mensch ↔ Mensch“ (bei oft gleichzeitigem Ausschluss von Gott) schon gar nicht ! Doch man muss verstehen, dass in der Zwischenzeit viel passiert ist. Hier seien nur der Erste Holocaust (Kreuzzüge der Römischen Kirche) und der letzte Holocaust (der deutschen Lutheraner) genannt, der in ganz besonders „feurigen“ Christen bis heute der Natur weiterlebt, dass diese mitunter zum Judentum konvertieren, um das Judentum von innen heraus auzulöschen – was in deren „Diktion der Liebe“ Mission heißt, im End-Effekt jedoch auf das Gleiche hinausläuft.

Ganz umgekehrt der erste Konvertit Jitro. Er preist exakt den Gott,

  • der Israel aus Ägypten heraus geführt hat, emotionale Erkenntnis !
  • (… des Ersten Gebots, wie oben bereits verlinkt)

  • der nach seiner Überzeugung größer als alle Götzen ist, sachliche Überlegung !
  • Daraus resultiert die Überlegenheit des Topmangers. Und damit hilft er seinem Schwiegersohn, dem Leviten Moscheh und immerhin größten Propheten aller Zeiten, aus der Bredouille, aus dessen Organisations- und Führungsschwäche. Der frühere Nichtjude Jitro schafft mit seinen überragenden Führungsqualitäten – erworben als Götzenanbetungspräsident – die Grundlage für das Judentum schlechthin, nämlich die nachfolgende Gesetzgebung am Berge Sinai. Denn die Grundlage für Gottes Gesetzgebung sind gottesfürchtige Richter. Seinem Schwiegersohn Moscheh aber fehlen trotz allem Glaubensgehorsam sowohl Organisationsgenie wie auch Führungserfahrung, wahre Leader für sein Volk zu erkennen. Entsprechend unbeirrt fallen Jitros klare Anweisungen an Moscheh aus: „Die Sache ist nicht gut, wie du es machst. Du wirst dich ganz aufreiben, sowohl du als auch dieses Volk, das bei dir ist. Die Aufgabe ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein bewältigen. Höre nun auf meine Stimme, ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein: Vertritt du das Volk vor Gott, und bringe du selbst die Rechtssachen vor Gott. Belehre du sie über die Gesetze und Lehren und tue ihnen kund den Weg, den sie gehen, und das Werk, das sie tun sollen, suche aber auch aus dem Volke

      tüchtige – gottesfürchtige – wahrhaftige – uneigennützige Männer

    und setze diese über sie als Vorsteher … sie mögen mit dir tragen! Wenn du dies tust und Gott es dir befiehlt, dann wirst du bestehen können, und auch dieses ganze Volk wird in Frieden an seinen Ort gehen.“

    Wir erkennen hier die Wichtigkeit des ganz nüchtern und sachlich zum Gott Israels bekehrten Nichtjuden für die Entwicklungspläne des Ewigen. Eben so, wie es in den letzten beiden Sätzen des Schma Israel zum Ausdruck kommt:

    Schaut nicht nach eurem Herzen und euren Augen, denn dann werdet ihr Mir untreu. Damit ihr all Meiner Gebote gedenkt, und sie erfüllt und eurem Gott heilig werdet. Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten geführt hat, um euer Gott zu sein, Ich bin der Ewige, euer Gott.

    Das ist geradezu die Kontra-Diktion zu dem Schmusekurs der „Götzen der Liebe“ manch einer anderen Religion (wenn man von Liebe nach deren zig-millionenfachen Morden im Namen ihrer Götzen reden kann). Beim Ewigen aber, dem Gott Israels, ist die sachliche Überzeugung des wahren Leaders mit klarem Verstand, Gerechtigkeitssinn und vor allem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Tora, → Gottes Wort, Voraussetzung dafür, dass man später auch Seinem Gesetz folgen können wird . . . und zwar bevor man es versteht (vgl. Kernfrage des Judentums: Tun oder verstehen, was kommt zuerst?). Vielleicht wird an dieser Stelle auch deutlich, warum Nichtjuden keine Affinität zu, noch Kenntnis von Jitro und Gottes Gesetzgebung für die Seinen inklusive der zu Seinem Volk Übergetretenen haben, und auch nicht haben wollen. Denn beim Ewigen und Seinem Tora-Bericht Jitro geht es um Termini wie Tüchtigkeit, Sachlichkeit, Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Erkenntnis und Wahrhaftigkeit, die in den Nationen eher keine oder bestenfalls eine vereinnahmende doch nie verbindliche Rolle spielen. Da nehmen Nichtjuden viel lieber die Schrift von Ruth an, jedoch meist ebenfalls ohne sich zum Ewigen und Seinem Volk zu bekehren, wie Ruth es von Herzen und bedingungslos tat. Es fehlt im Buch Ruth die Einsicht da hinein, dass man Götzen diente, Sklave war in Ägypten, das ist es aber, was den Auszug, den vollkommenen Paradigmenwechsel hin zu Gott in der Tora ausmacht. Und das macht Ruth so sympathisch insbesondere für Nichtjuden, die in ihren Religionen oft keinen Unterschied zwischen ihren einzelnen Götzen machen, keiner von ihren Götzen hat eine Persönlichkeit, eine wahrhaftige differenzierende Identität, eine geschlossene Einheit mit dem Menschen, und so brauchen sie auch selber keine neue Identität und Persönlichkeit anzunehmen, bleibt sogar das Lesen der Megillat Ruth für sie vollkommen konsequenzlos. Das darf jedoch niemals als Vorwurf verstanden werden, sondern ganz im Gegenteil, ihnen fehlt (nicht durch eigenes Verschulden sondern durch die Behinderung der Götzen, wie sie im Hallel Psalm 115 beschrieben sind) die Fähigkeit, einen Gott alleine anzubeten und nur ihm allein zu dienen, sie können nicht einfach ausziehen aus ihrem Ägypten, weil es (noch) ihre Heimat ist. Dafür muss man Verständnis haben.

    Doch eines Tages – möge es doch morgen sein – da wird der uns verheißene Messias kommen. Und dann (Jesaja 25,7) „wird der Herr der Heerscharen auf diesem Berg die Hülle verschlingen, die das Gesicht aller Völker verhüllt, und die Decke, die über alle Nationen gedeckt ist.“ Dann werden sie sehen – und in diese Prophetie mündet die Haftara der ganzen Parascha Jitro – „ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Groß ist die Herrschaft, und der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Ewigen der Heerscharen wird dies tun.“

    Das wird ein herrlicher Schabbat, Schabbat Schalom !


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    1 Kommentar to “JITRO Topmanagers Übertritt zum Judentum”

    1. […] Im ersten Abschnitt geht es um die Freigabe des Hebräersklaven im siebten (Schabbat-)Jahr und seine Rechte. Mancher entschloss sich, für seinen Herrn ein ewiger Knecht zu sein, weil ‘er seinen Herrn liebte’. Als Zeichen wurde sein Ohr durchbohrt (hebr. nirza). Wieder ein Bundeszeichen am Fleisch (siehe auch GSI-Redaktionskommentar → Übertritt zum Judentum). […]