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Schabbat Mattot Lesungen und Kommentar

4. Mose 30,2 bis 32,42; Jeremia 1,1-2,3

Auszug aus dem Kommentar
von Michael Schneider, Jerusalem:

Der Wochenabschnitt ist ein doppelte Lesung. Da wir uns jedoch im Schaltjahr befinden, lesen wir nur die Lesung „Mattot – Stämme“.

In Kapitel 31 befiehlt der gerechte Gott den Israeliten, das Volk Midian zu bestrafen, und zwar alle. 1000 Männer von jedem Stamm – insgesamt 12.000 – zogen in den Krieg. Doch als sie die Frauen verschonten, zürnte Mose und sagte: „Wieso habt ihr die Frauen am Leben gelassen?“ (Verse 14 und 15). Waren sie doch die Ursache der Plage, weil sie auf den „Rat Bileams“ hörten. Darum ließ er alle Frauen „die einen Mann im Beischlaf kannten“, d.h. nicht mehr Jungfrauen waren, töten. Wir erkennen hier, dass Bileam, auch wenn er anfangs das Volk Israel segnete, später seinem Herzen folgte. Er war es, der das Volk zum Essen von Götzenopfern und zur Hurerei anstiftete.

In Kapitel 32 befindet sich ganz Israel noch östlich des Jordans. Der Gang über den Jordan und die Einnahme des Landes stehen kurz bevor, als die Stämme Ruben und Gad mit dem Begehren an Mose herantreten, man möge ihnen das Land, in dem sie sich zur Zeit aufhalten, doch als Erbteil zusprechen. Sie begründen das Anliegen damit, dass sie sich auf Viehzucht spezialisiert hätten und das Ostjordanland hierfür besonders gut geeignet sei.

Mose reagiert mit einem Zornesausbruch. Er zieht eine Parallele zu der Situation vor 40 Jahren, als die zehn Kundschafter Kleinglauben zeigten wegen der Anakim (Riesen des Landes) und sagt, dass nun die Härte der Strafe wieder auf das ganze Volk fallen würde. Das Ergebnis des Zauderns damals war die vierzigjährige Wüstenzeit gewesen – ein Gericht Gottes. Die gesamte Generation der einst aus Ägypten Befreiten starb in der Wüste. Sollte sich das nun etwa wiederholen, indem ein Teil des Volkes ein sicheres, bequemes Leben auf satter Weide vorzog? Wollten die beiden Stämme sich dem Kampf entziehen? Die Stammesvertreter beschwichtigen Mose, indem sie zusagen, lediglich Frauen, Kinder und das Vieh in sicheren Städten zurückzulassen und mit allen waffenfähigen Männern über den Jordan zu gehen und zu kämpfen, bis das ganze Land eingenommen wäre.
Gott ließ es zu. So wird es im Volk Gottes immer einige geben, die es nicht abwarten können und sich mit der Hälfte des Segens zufrieden geben. Doch der HERR will, dass wir durchhalten, ausharren und Geduld beweisen, und „nicht kurz vor dem Ziel schlapp machen“. Der Wille Gottes ist, dass wir den ganzen Segen in Übereinstimmung mit Seinem Willen genießen.
Aber so war das damals mit den zweieinhalb Stämmen, die nicht abwarten konnten, und sofort einen Teil des Wohlhabens der Welt genießen wollten.

Der Midrasch Rabba sagt: „Drei göttliche Gaben sind der Welt gegeben: Weisheit, Heldenmut und Reichtum. Stammen diese Gaben aber nicht von Gott, dann werden sie keinen Bestand haben.“ Ruben und Gad vollzogen mit Blick auf ihr Vermögen innerlich eine Trennung von ihren Brüdern, die sich später (vgl. 1. Chronik 5,25) auch äußerlich vollzog. Wie ist heute die Haltung europäischer und amerikanischer Juden zu bewerten? Ist es nicht oft ihr materieller Reichtum, der sie davon abhält, Alijah zu machen (einzuwandern)?

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Insert of the GSI editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Hier die Alijah in einem Song ▼

Wir stehen am Ende der Wüstenwanderung, kurz vor der Einwanderung . . . aber von wo auswandernd? Natürlich aus Ägypten, da redete Gott alle diese Worte: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus dem Lande Ägypten geführt, aus dem Sklavenhause (Erstes Gebot)“. Aber nur zu den Juden? Nein, sondern zu all denen, die damals hinauf gezogen waren, denn (2. Moses 12,38): „auch viel gemischtes Volk [Nichtjuden] zog mit ihnen hinauf“. . .dorthin ▼

Denen, die nach Israel einwandern wollen, aber nicht können, kann geholfen werden. Wer aber kann und nicht will, dem kann nicht geholfen werden. Solange sie zwangsweise im Exil waren, konnten sie den Einfluss der heidnischen Umwelt abwehren. Jedoch von dem Moment an, von dem an sie freiwillig im Exil bleiben, beginnt die Assimilation an ihnen zu nagen; Mischehen und fremde Kulte lösen sie aus ihrem Volk und Glauben heraus.

Die Schoah ging von Deutschland aus, einem Land, dessen Juden einen Grad der Assimilation erreicht hatten, wie sonst nirgends. Theodor Herzls Programmschrift ,Der Judenstaat´ erschien als erstes in deutscher Sprache, daher waren die deutschen Juden die ersten, die mit der Idee des Zionismus bekannt wurden – doch sie wollten nicht, ihre Karriere und ihr Reichtum war ihnen wichtiger, als die Heimkehr ins Gelobte Land.

Möge der Allmächtige Erbarmen haben und gnädig sein, wenn wir in Richtung der amerikanischen Juden schauen.

PS. Unser Prophetenabschnitt in Jeremia 1 spricht von der Erwählung dieses Gottesmannes. Er verweigert am Anfang wegen seines jungen Alters seine Berufung. Anschließend folgt das wunderschöne Beispiel und Gleichnis des Mandelbaums mit der Treue Gottes zu Seinem Wort, dass alles erfüllt wird bis zum Letzten!! Darum auch hier, wir brauchen nur abwarten.

Schabbat Schalom


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