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Schabbat Mezora Lesungen und Kommentar

3. Mose 14,1 bis 15,33; 2. Könige 7,3-20

    Vorab: Wir befinden uns anderthalb Wochen vor dem Erlösungs- und Befreiungsfest Pessach (19.-25. April), an dem die „Söhne Israels“ aus der Knechtschaft Ägyptens befreit wurden. Nach Generationen voll Leid und Sklaverei greift der Allmächtige ein, und es war plötzlich. Als Zeichen soll das jüdische Volk in dieser Pessachwoche keinen Sauerteig essen, und jedes Chametz (Sauerteig) soll aus den Häusern entfernt werden (2. Mose 12,17). Laut letzter Umfrage werden 78% der Israelis in diesem Jahr während diesen sieben Tage keinen Chametz essen. In den jüdischen Häusern findet derzeit der Pessachputz statt: Alles wird gründlich gesäubert. Am Vortag wird abschliessend am Morgen zeremoniell das letzte Brot mit einem Segen verbrannt und am (Vor)Abend feiert man mit der Familie den Seder-Abend. Dies wird sehr ernst genommen, in manchen Häusern bis hin zur Zwanghaftigkeit. Alles ist schön und gut und soll auch getan werden – doch nur, wenn auch das Innere gereinigt wird!! Darauf kommt es an! Es möge bei uns der „Sauerteig“ aus den Herzen entfernt werden! Denn nur dann bekommt auch die äußere Handlung Bedeutung. / Hier ein Sabbath Song▼


Auszug aus dem Kommentar von
Michael Schneider, NAI israel heute, Jerusalem:

Unsere Parascha (Mezora – den Aussätzigen), der Bibeltext für diese Woche ab Kapitel 14, spricht von der „Thora (Weisung, nicht Gesetz!!) des Aussätzigen am Tag seiner Reinigung bzw. Heilung“.
Das Wort „Tahara“, dass hier benutzt wird, weist auf körperliche aber auch geistliche Heilung hin, die nur durch die Gnade Gottes vervollständigt werden kann, wie wir später in dem Prophetenabschnitt aus 2. Könige 5 lesen.

Rabbi Israel Salanter, ein berühmter Gelehrter auf dem Feld der Ethik aus dem 19. Jh. (Gründer der Musar-Bewegung), sagte: „Wer zwar peinlich darauf achtet, auch nicht das kleinste Insekt zu essen (vorige Parascha), jedoch andere komplett mit seiner bösartigen Zunge verschluckt (hebr. laschon hara), indem er böses Gerede erzählt, kann zur Strafe Aussatz bekommen…“
Unter der „bösen Zunge“ ist nicht allein Fluchen, sondern auch Heuchelei, Nachreden, boshaftes kritisches Reden, erhobene Stimme und Lästern gemeint. Darum fragte man sich, ob die Plage des Aussatzes lediglich ein medizinisches Problem ist oder auch ein geistliches?
Laut jüdischer Tradition ist Aussatz hauptsächlich das Resultat der „bösen Zunge“.

In den „Sprüchen der Väter“ lesen wir: „Wer im Geheimen den Allmächtigen entweiht, wird die Strafe in der Öffentlichkeit erleiden“ (4,5).

Wir lesen in der Bibel von drei Handlungen, die die Aussatz-Strafe nach sich zogen:

  • Boshaftes Gerede / erhobene Stimme – bei Miriam (4. Mose 12,10)
  • Stolzer Geist / Hochmut – bei Naaman (2. Könige 5), dem stolzen assyrischen General, der an Aussatz litt und dem vom Propheten Elischa befohlen wurde, sich siebenmal im Jordan unterzutauchen. Übrigens fällt auf, dass dieser Heilsbefehl des Propheten dem Gesetz der Thora entspricht. Heißt es doch in unserer Parascha (3. Mose 14,7): „Und er soll auf den, der vom Aussatz zu reinigen ist, siebenmal sprengen und ihn für rein erklären.“ Unser Prophetenabschnitt für diesen Schabbat zeigt uns auch, dass die wahrhaftige Heilung des Naaman nicht nur an seinem Körper geschah, sondern ihn durch das siebenfache Beugen und durch das Hören auf seine Diener auch Demut lehrte. So heilt Gott: nicht nur am Leib, sondern komplett – auch am Geist!
  • Neid / Begehren / Habgier – bei Gehasi (2. Könige 5,27), dem Knecht Elischas, der nach Lob, Lohn und Ehre seines Meisters gierte und dem reichen General Naaman hinterherlief. Gott strafte ihn und übertrug den Aussatz des Naaman auf Gehasi.

Wir lesen in unserer Parascha, dass der Aussatz die drei Bedeckungen des Menschen, nämlich die Haut, die Kleider und das Haus antastet. Als Schutz für diese drei Bedeckungen, so sagen rabbinische Ausleger, stehen nun die Beschneidung (milah; an der Haut), der Gebetsschal mit Schaufäden (zizzith; am Kleid) und die Mesusah-Kapsel am Türpfosten (an Häusern).

Ist jedoch das Innere gereinigt und versöhnt, so ist auch das Äussere wieder „gesund“. Genauso ist es aber auch im Gegenteil: Wenn jemand innere Geistlichkeit und eine fröhliche Seele hat, strahlt es auch nach außen – so wie es bei Mose geschah, als er vom Berg Sinai herabstieg! Man kann es an den Augen (und der Hautfarbe) sehen.

Unsere Parascha endet in Kapitel 15 wieder mit „der Unreinheit der Frau“. Während jeder geschlechtlichen Blutung der Frau bei ihrer Menstruation (hebr. nidda), aber auch bei anderen Ausflüssen, wird die Frau laut Bibel für „unrein“ erklärt, und jede Berührung eines Mannes ist streng verboten: „Wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluß hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend.“ (3. Mose 15,19) Um sicher zu gehen, kodifizierten weise Rabbiner, dass zu den ca. 5 Tagen der Regelblutung noch sieben „reine Tage“ hinzugefügt werden, so dass insgesamt 12 Tage im Monat kein sexueller Kontakt stattfindet. Diese 12 tägige sexuelle Abstinenz ist eine gesunde von Gott gegebene Pause, die die Ehe vor lähmender Routine bewahrt. Nach ihrem rituellen Reinigungstauchbad (mikweh) nimmt die Frau rein und geheiligt, bewusst und frisch das sexuelle Eheleben wieder auf, und der Mann kommt nicht darauf, perverse „Hilfsmittel“ gegen seine sexuelle Unzufriedenheit zu suchen. Stattdessen soll der Mann an sie denken, sie erfreuen und vergnügen, denn ihr Körper soll wie sein eigener Körper betrachtet werden.

Die Prophetenstelle aus 2. Könige 7 erzählt von den vier Aussätzigen, die beschlossen, das feindliche Heerlager des Besatzers Aram aufzusuchen. Sie wussten, dass sie nichts zu verlieren hatten. Angesichts der guten Nachricht, dass das Lager auf Grund von Gottes Eingreifen verlassen war, beschlossen sie, die Stadt Samaria trotz Verbot zu betreten. Sie wollten dem König und den Bewohnern die gute Nachricht der Kapitulation Arams überbringen und stellten ihr Leben und ihr Wohlergehen hinten an.

Schabbat Schalom


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