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Chanukka Schabbat MIKEZ Lesungen und Kommentar

Hallel; 1. Mose 41,1 – 44,17; 4. Mose 7,24-29; Sacharja 2,14 – 4,7

Auszug aus dem Kommentar
von Michael Schneider, NAI israel heute, Jerusalem:

Unsere Lesung an diesem Schabbat beginnt mit dem Wort „miketz“, was übersetzt „nach Ablauf / am Ende“ heisst . Nun fängt der Zeitabschnitt der Rückkehr der Juden ins Land ihrer Väter an – ja, zurück an den Tisch des Herrschers Josef – ohne dass sie wissen, dass er ihr Bruder ist! Von nun an, von diesem Mikez, beginnt der Cowndown zur Messianischen Ära.

GSI: Am Schabbat Chanukka – dem Schabbat im Lichterfest – wird die Haftara-Lesung aus Sacharja eingeschoben, denn „siehe, ein Leuchter ganz aus Gold und sein Ölgefäß oben auf ihm und seine sieben Lampen [acht →Chanukka] auf ihm, je sieben Gießröhren für die Lampen, die oben auf ihm sind; und zwei Ölbäume neben ihm, einer zur Rechten des Ölgefäßes und einer auf seiner Linken“:

Siehe auch Entzündung des ersten Chanukkalichtes am Mittwochabend in Los Angeles auf →Current Sabbath-Reading

Im Kapitel 41 lesen wir, nachdem wir im vorigen Kapitel von der göttlichen Gabe des Traumdeutens bei Josef erfahren haben, von dem eines Nachts sehr beunruhigenden Traum des Pharao. Wieder ein Traum mit 2 Geschichten. Er handelt von sieben gesunden Kühen und sieben mageren Kühen, welche jeweils für sieben gute, reiche Jahre und sieben schlechte Dürrejahre stehen. Dann folgt der Traum über die sieben vollen und sieben kümmerlichen Ähren, die ebenfalls für diese Jahre stehen.
Nach zweijähriger Haft im Kerker wird Josef in den königlichen Palast Ägyptens berufen. Sehr kontrastreich. Doch so sind die Wege und das Eingreifen Gottes. So wie mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten: Einen Tag zuvor waren sie noch geschlagene Sklaven und binnen weniger Stunden zogen sie triumphal als freie Menschen und als Nation aus.

So wie zu Zeiten Daniels (auch ein Traumdeuter wie Josef) versuchte der Herrscher die Hilfe erst noch mit allen herkömmlichen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, zu finden – bei Wahrsagern und Magiern – bevor sie einen ‘Hebräerjungen’ herbeiriefen. Doch „… da war keiner, der ihn deuten konnte“ (41,8 und 15). Als Josef hinzugerufen wurde, gab dieser von vornherein bekannt, dass er nur ein Mund des allmächtigen Gott Israels ist (41,25). Mit Josefs Deutung konnte sich Ägypten vorbereiten: „Der Überfluss wurde zum Vorrat“ (41,34-36). So wurde der Auflöser zum Erlöser!

Der Gerechte Josef war nicht nur der Traumdeuter sondern auch -erfüller des Pharao. Durch die Jahrhunderte hindurch haben die Juden diese Aufgabe für die Nationen in der Diaspora erfüllt, was ihnen ihr physisches Überleben sicherte.

Die Josef-Geschichte wird als Prototyp des Messias, d.h. Maschiach Ben-Josef, angesehen. Mit „Messias Ben-Josef“ bezeichnet man im Judentum unter den Gelehrten das erste Kommen des Messias (Sohn Rahel), der von seinen Brüdern bzw. Juden abgelehnt wird; „Messias Ben-David“ ist die Bezeichnung des regierenden Messias – wie einst David, aus dem Stamm Juda – und stellt das zweite Kommen dar, wenn Er als „König der Könige“ zurückkehren wird. Heute erwartet das jüdische Volk den „Messias Ben David“! Die Josef-Geschichte zeigt den Übergang von einer „Erscheinung“ des Messias zur anderen auf. Josef bekam sogar einen neuen Namen, ‘Zephanat Paneah“ (41,45). Forscher rätseln um die Bedeutung des Namens. Einige sagen, es kommt aus dem Alt-Ägyptischen und bedeutet „Brot des Lebens“, da es zu Josefs Aufgabe wurde, Brotversorger des Großreiches Ägyptens zu sein. Wie sieht die (Er)rettung laut Vers 55 aus? Der Pharao, sprich Gott, antwortete: „Geht zu Josef; tut, was er euch sagt!“. Das ist das Brot, Sein Wort (weitere Deutungen des neuen Namen Josefs „Zephanat Paneah“ wären laut Rabbinern die zwei Wortwurzeln im Hebräischen „Z, PH, N“ und „P,N, E, H“, das „Entschlüsseln des Codes / Verborgenen / Traums“ ergibt).

„… nur der Thron (Pharaos) wird größer sein als du“ (41,40). Doch in den Augen der Brüder entfremdete er sich und wurde ‘ägyptisch / heidnisch’, sodass die Brüder ihn nicht erkannten.
Eine Bemerkung zu Josefs Ehe: Darin finde ich einen klaren Beweis, dass es laut Bibel nach den Vätern geht – ob man Jude ist oder nicht – und nicht so, wie es die Rabbiner seit dem Mittelalter kodifiziert haben, dass es nach der Erblinie der Mütter geht.

Josefs Kommen nach Ägypten war von Anfang an von göttlicher Hand geführt, nicht nur um das ägyptische Reich, sprich die Welt zu retten, sondern um seinem Vater Jakob (Israel) und seiner Familie in den folgenden Hungers- und Notjahren zum Retter zu werden. D.h. Heilmittel vor der Krankheit. Als sie vor ihm standen, fielen die Brüder vor dem neuen Herrscher Ägyptens, eigentlich ihrem Bruder Josef, nieder, was schon viele Jahre zuvor vom damals verhassten Josef durch den Traum der ‚elf Sterne’ vorausgesehen wurde (→GSI: Schabbat WaJechi).

In unserer Parascha erleben wir das erste Weinen Josefs, als er ‘seine Augen erhob und seinen Bruder Benjamin, den Sohn seiner Mutter, sah… Und Joseph eilte [hinaus], denn sein Erbarmen (rachamim) wurde gross über seinen Bruder, und er suchte [einen Ort], zu weinen. Und er ging in das innere Gemach und weinte dort.“ (43,29-30)

Der Tisch stellt das Land Israel heute dar. Sie kehren heim bis zum „letzten Benjamin“. Zu beachten ist, dass da noch immer eine Trennung war, durch das separat an verschiedenen Tischen Sitzen. Da muss noch der Vorhang „aufgerissen“ werden, was natürlich durch die Offenbarung Josefs stattfinden wird. Das in richtiger Reihenfolge Sitzen, ohne dass sie es wussten, kann ein Hinweis darauf sein, dass auch heute das „Sitzen“ (hebr. jischuwim, womit man heute die Siedlungen bzw. Orte bezeichnet) bzw. die Aufteilungen der Orte und ihre jüdischen Bewohner, nach Stämmen im Land vollzogen sind. Wer weiss?

Jakob wie auch Josef trennten sich für ca. 20 schmerzhafte Jahre von ihrem Vaterhaus, um die göttliche Aufgabe zu erfüllen. Die Parascha lehrt uns: Nichts in der Welt verliert Gott aus den Augen und alles dient Seinem Heilsplan! Das Geld und die ‘Königskelche’ in die Säcke der Brüder einzuschmuggeln und sie grundlos zu beschuldigen, waren – und sind leider heute noch – antisemitische Wellen in der Diaspora, die das Volk (Gottes) zum Sündenbock machen. Häufig sogar ‘im Namen Jesu’! Dies waren und sind stets Mittel zum Zweck, ein Mittel gegen Assimilation und für die Heimkehr zurück ins Land der Väter, zum Tisch Josefs. Heißt das, dass das Leiden am Ende dazu diente, die Verbindung des Volkes zu ihrem Gott nicht verlieren zu lassen? Es führte sie immer wieder zurück zu Ihm.

Noch ein Gedanke: Wer stahl und wurde nicht ertappt, und wer stahl nicht und wurde gefasst? Interessant ist, beide Personen sind eng miteinander verwandt. Rahel, die Mutter Josefs, stahl in Säcken Hausgötzen (1. Mose 32) und sie wurde nicht gefasst(!). Aber das hatte Auswirkungen auf ihre Söhne. Ihr jüngster Sohn Benjamin stahl nichts, wurde jedoch wegen nicht von ihm ausgeführtem Diebstahl in seinen Säcken gefasst. Die Brüder waren auch bei der zweiten Razzia der Soldaten des Pharao absolut sicher, dass sie unschuldig sind. So zog es sich bis heute durch die Geschichte: Die Juden waren sich ihrer Unschuld sicher. Doch oft half es ihnen nicht gegen die antisemitischen Anklagen, bis hin zu der großen Lüge der „Weltverschwörung, die Welt zu beherrschen“ in den Protokollen der Weisen von Zion. Heute hört man von der „Auschwitz-Lüge“, und der Jude glaubt weiterhin, dass dieses Inferno geschah. Immer wieder unterstellte man den Juden Schuld, die sie nicht begangen hatten (vgl. „Margaret Traub: Antisemitismus getarnt als Israelkritik“).

Ferner sehen wir, wie eine Schuld die ganzen Jahre hindurch das Gewissen der Brüder stark belastet hat. Es ist die Schuld an ihrem Bruder Josef, den sie zu der Zeit noch nicht erkannt haben. In Vers 21 in Kapitel 42 kam es deswegen sogar zum Streit unter den Brüdern: Wer ist an dem „Tod“ Josefs schuld? Und immer wieder tauchten diese Diskussionen und theologischen Debatten auf, wer an der Kreuzigung Jesu schuld war und ob es etwas es zu tun hat mit dem Leid und der Verfolgung der Juden in der Diaspora, was sich durch die ganze Geschichte hindurchzieht? (→GSI: Kolosseums-Kultur Rom vs Gottes Tempel Jerusalem)

Die Szenen dieser spannenden Geschichte spitzen sich zu!

Wir werden etwas Interessantes feststellen. im Vergleich zur Geschichte des Mose ist die Josef-Geschichte eine genaue Spiegelung. Der Sklave wurde zum König, als das Volk aus Israel nach Ägypten in die Diaspora zog. Mose dagegen, der als erster Erlöser gilt, wurde vom König zu Sklaven, und das Volk zog in die Freiheit. Die wahre Erlösung (→GSI: Gemeinsam mit den Juden aus Ägypten ausziehen)! Josef und auch Mose sind klare Vorbilder des Messias. Und all das, um uns die Erlösung zu schenken.

Schabbat Schalom und Chanukka Sameach!

    GSI = Einschub der God’s Sabbath International Redaktion

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