cat-right

Terry Jones und der Koran des Christentums

Von Eric C. Martienssen

« Artikel Hassprediger Terry Jones: Den Juden das Maul stopfen | Sie werden mir niemals aus dem Gedächtnis gehen, die aus der dritten Reihe von mir hautnah miterlebten Bilder, wie Pastor Terry Jones auf der mit Großscheinwerfern professionell ausgeleuchteten Bühne im eigenen, mit etwa eintausend Menschen gefüllten „Lisa Jones House“ steht, mit hasserfülltem Blick in die Knie geht und mit einem Buch in den geballten Fäusten sein Zitat aus dem Paulusbrief dramaturgisch unterstreicht:

    ’Ihr sollt den Juden das Maul stopfen’, das steht hier!
    Wieder gestikuliert Terry Jones, wie genau er es meint, dass den Juden das Maul zu stopfen sei:
    Das Maul stopfen, hört ihr!“ wiederholt er. – Dieses, mein letztes Erlebnis mit Terry Jones in Köln, war im Jahre 2003. Zum geschichtsträchtigen Datum 9/11 will er nun in Florida unter Beisein der medialen Weltöffentlichkeit – ausdrücklich auch der um Barack Hussein Obama herum – den Koran verbrennen!

Damals, in Köln, hatte ich es erst nicht wahr haben wollen, dass Terry Jones mit seinem neutestamentarisch fundierten Judenhass tatsächlich die gesamte Christenheit repräsentierte. Doch dann stieß ich auf Martin Luther, der einst in gleicher Manier die Christen zur Judenvernichtung aufgerufen hatte: „Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke … solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien.“ Dessen Aufruf fand – wie die deutschen Christen hätten erkennen können – sogar vierhundert Jahre später noch, in seiner Reichskristallnacht, seine Umsetzung. Luther wird bis heute als Der Deutsche Christ verehrt. Hat Terry Jones gleiche Lobeshymnen zu erwarten, wo es doch heute nur um den „fürchterlichen Islam“ geht? Es steht zu befürchten, ja – erinnern wir uns, der christliche Hass ging von Anfang an gegen alle Semiten; siehe Kreuzzüge, in denen die christlichen Kreuzfahrer befehligt worden waren, keinen Juden noch Muslimen am Leben zu lassen.

Wenn also, dann stellt sich doch die Frage, wie kann man das Christentum befrieden? Und es könnte doch sein, dass uns der Terry Jones aus seiner Kölner Zeit ungewollt den weltweiten Lösungsansatz für die „Christenfrage“ bietet. Denn woher kommt schlussendlich der AntiSEMITISMUS aller Christen: Aus den Apostelgeschichten und Sendschreiben von Paulus & Co.!
Sie, die so genannten „Episteln“, beziehen sich auf die Tora, aber entwerten sie dann völlig. Genauso wie der Koran! Deshalb – und nur deshalb – muss Terry Jones zwanghaft wie Luther mit seinen Synagogenverbrennungen („damit Gott sehe, das wir Christen seien“) den Juden das Maul stopfen und den Muslimen den Koran verbrennen. Der Koran ist nichts anderes, als die muslimische Version der christlichen Episteln.

Diesen geht es in Wirklichkeit um nichts anderes, als die christliche Entwertung der Weisung (hebr. Tora) Gottes zu legitimieren. An kaum einem anderen Tag wird das so deutlich, wie an dem heutigen, dem biblischen Posaunenfest! Was hindert (wenn nicht Paulus und die ihn vergötternde Kirche) den Christenmenschen daran, nur einen einzigen, simplen, von jedem A-B-C-Schützen erfassbaren Satz zu verstehen, wie beispielsweise diesen zum heutigen Tag:

„Und im siebten Monat, am ersten des Monats, sollt ihr eine heilige Versammlung abhalten. Keinerlei Berufsarbeit dürft ihr verrichten; ein Tag des Posaunenschalls soll es euch sein.“

Sehen Sie, kein Christ ist am heutigen Tage seiner Berufsarbeit fern geblieben, wie es in der Tora (Fünf Bücher Moses) vom Ewigen angeordnet ist. Und anders steht es von den Christen für Gottes Versöhnungsfest Jom Kippur in zehn Tagen auch nicht zu erwarten. Hat der Rabbiner aus Nazareth die Völker vom Ewigen und Seinem Wort dieser Art entfremdet? Mitnichten, Jesus bekannte uneingeschränkt:

“Wahrlich, ich sage euch, dass, bis Himmel und Erde vergehen, weder ein Jota noch ein Strichelchen aus der Tora vergehen wird.“ (Mt. 5,18)

Wenn also nicht Jesus, wer hat dann die Christen dazu instruiert, die Tora Gottes zu verachten, oder Thilo Sarrazin Jüdische Gene zu bestimmen, oder Bundeskanzlerin Merkel einen Moslem-Karikaturisten zu ehren, oder einen deutschen Papst Juden missionieren zu müssen, oder eben Terry Jones dazu, den Juden das Maul zu stopfen und den Muslimen den Koran zu verbrennen?

Jeder Christ, der die Episteln aus seiner Bibel herausreißt, wird die Freiheit erlangen, wenigstens einen einzelnen Satz zunächst in der Tora wieder „wahr“ nehmen zu können, und dann einen zweiten oder dritten. Vielleicht schon diesen:

„Und am zehnten Tag in diesem siebenten Monat ist der Versöhnungstag. Da sollt ihr eine heilige Versammlung halten und fasten … und sollt keine Arbeit tun, denn es ist der Versöhnungstag, dass ihr entsühnt werdet vor dem Ewigen, eurem Gott.“ (3.Moses 23,27)

So erblüht Leben – wenn Sie es selber wollen. Herzlich willkommen!
Schana Tova, einen „guten Eintrag“ und Schabbat Schalom!


Stichworte zum Thema: , , , ,

Kommentarfunktion geschlossen.