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Schabbat Reeh Lesung und Kommentar

5. Mose 11,26 bis 16,17; Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 54,11 – 55,5

Aktueller Kommentar:
Israel wurde grundlos angegriffen“ resümiert WELT ○ ONLINE in der heutigen Ausgabe, denn immerhin herrsche seit gestern in einer Angelegenheit Klarheit: „Die israelischen Soldaten, die bei Wartungsarbeiten am Grenzzaun mit dem Libanon am Dienstag von der libanesischen Armee angegriffen wurden, hatten sich zwar auf der anderen Seite des Sicherheitszauns befunden, waren jedoch nicht auf libanesisches Gebiet vorgedrungen, das bestätigte die im Libanon stationierte UN-Schutztruppe Unifil. Zwischen der offiziellen Grenze und dem Verlauf des Sicherheitszauns liegt nämlich ein Grenzstreifen, der stellenweise bis zu 800 Meter breit ist und zu Israel gehört. Bei dem schwerwiegendsten Zwischenfall seit dem Libanonkrieg vor vier Jahren waren ein israelischer Soldat, zwei libanesische Soldaten und ein libanesischer Journalist getötet worden.“ In jenem „Zweiten Libanonkrieg“ war damals auch Michael Schneider von der „israel heute“, Jerusalem, der erst ein paar Monate zuvor begonnen hatte, uns Kommentare für die Schabbate des Ewigen zu schreiben (und eben an jenem Schabbat erstmals nicht, weshalb – bis heute – an dieser Stelle ein Kommentar aus Deutschland zu lesen ist).

Michael Schneider im zweiten Libanonkrieg

Michael Schneider im zweiten Libanonkrieg

Mit ihm fast der gesamte Verlag – eben „Israel heute„. Im Krieg … um zu leben, Israel Chai ! Keine Kommentare. Aber schon nach vier Jahren auch keine Erinnerung mehr daran, wie viele unserer jüdischen Geschwister ihr Leben aufs Spiel setzten, damit wir (alle Menschheit) leben können? Sogar aus dem pro-islamistischen Außenministerium Barack Hussein Obamas hieß es, aber heute erst, nachdem sich seinerseits nichts mehr zu Israels Verurteilung zurechtbiegen ließ, laut FAZ: „die Schüsse der libanesischen Soldaten wären vollkommen ungerechtfertigt gewesen. Sie seien absichtlich abgefeuert worden.“ War Libanons inszenierter Zwischenfall letztlich vielleicht doch wenigstens dazu gut, die zuletzt völlig Gott verlassen erscheinenden und immer wieder sich neue antiisraelische Hetzkampagnen (s. Kölner Klagemauer) an den Haaren herbei ziehenden Administrationen in Washington und Rom an den einen Gott des von ihnen – Obama wie Papst und Lutheraner gleichermaßen – ins Gegenteil verkehrten Ersten, Zweiten und Dritten Gebotes zu bekehren, zumindest zu der Erkenntnis Seiner, gelobt sei Er, zurück zu führen?

Es scheint fast, als sei dies die älteste Frage der Welt (→ Fragen an Gott ), die Mose am heutigen Schabbat Re’eh samt der kompletten Tora dem Volk Israel stellvertretend für alle Menschheit, zum Leben (hebr. LeChaim) jedes Menschen, vorlegt. Denn Israel ist das Demonstrationsvolk Gottes … für alle Völker! An die Völker (hebr. Gojim) legt Er, der Ewige, natürlich auch die absolut exakt gleichen Maßstäbe an, wie an Israel – heute und in Ewigkeit (Ps 106,48 „Gelobt sei der Ewige, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!“):

„Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor: Den Segen, so ihr gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; Und den Fluch, wenn ihr nicht gehorchet den Geboten des Ewigen, eures Gottes, und weichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, so dass ihr fremden Göttern nachgehet, die ihr nicht kennet…“
(11, 26 – 28)

… die euch zum Beispiel (wie Papst und Luther) predigen, den Schabbat des Ewigen am Siebten Tag zu entweihen und euch damit den Fluch (Tod) bringen. – Dieser „Ankündigungsbefehl“ – wie es militärisch heißt – ist wahrscheinlich auch der längste der Welt, denn genau genommen ist er, mit allen Einzelheiten, Ausführungsbestimmungen und Wiederholungen von Geboten und Gesetzen, 19 (in Worten: neunzehn) Kapitel lang, denn erst in Kapitel 30 hören wir (nach jüdischem Glauben werden auch irgendwann wieder die Heiden, Christen und Muslime) den definitiven „Ausführungsbefehl“, nämlich uns zu entscheiden! (5.Mo 30,14-19:) „Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt“ (aufgepasst – Ankündigungsbefehl)…

Wähle das Leben!“ (Ausführungsbefehl)

Es ist unsere Entscheidung. Hier wird das fundamentale jüdische Prinzip des „freien Willens“ bekräftigt! Der Midrasch (Devarim Rabbah 4,3) sagt: „…das Böse übermannt jene, die Böses tun, und Gutes [übermannt jene], die Gutes tun.“ Aber wie oft entscheiden wir alle uns gegen den Ewigen, gegen unser eigenes Leben?

Automatisch taucht da doch die Frage nach Gnade mit auf, zumindest in sich selbst heiligenden Institutionen, die ihren (verführten) Schäfchen weismachen wollen, „dass man nicht mehr unter dem Gesetz sondern stattdessen unter der Gnade zu stehen hätte“? Die Wirklichkeit ist: Es ist unsere Entscheidung – ist das korrekt von Gott? Genau mit dieser Frage nach der heute oft zum Gott erhobenen „political correctness“ traf mir persönlich vor etwa fünf Jahren der erste Rabbiner während des Schabbat-Gottesdienstes in mein damals noch christliches Herz – Seele vergiss es ja nicht! Dann lud er uns alle ein, ich war natürlich der einzige Goi, uns die Situation einmal plastisch vorzustellen, dort, Mose auf dem Berg, von wo aus jeder Mensch und jeder Stamm einst zur einen Seite auf seine vierzig Jahre lang persönlich durchlittene Wüste und zur anderen Seite auf seine zukünftige Herrlichkeit, das verheißene Land, blicken konnte – so er es mit dem Herzen sehen wollte – da hatte Mose Sein Volk vor jene entscheidende Wahl gestellt, die auch jeder Mensch (egal ob Jude, Ismaelit oder Christ) bis in die Gegenwart hinein zu treffen hat. Er selbst würde, nach 40 Jahren Wüste, dieses Land nicht einmal betreten dürfen – political correct? Jeder heute würde nach 40 Jahren Strapazen eine samtweiche Stimme Moses mit schönen, netten Geschichten erwarten, doch Moses stellt mit aller Härte die Frage an Dich, ob Du leben willst?

Das ist Realität und Gerechtigkeit Gottes, kein Platz für Warmduscher – weiter geht es im Text zum heutigen aktueller denn je erscheinenden Schabbat ab 13,2:
„Wenn ein Prophet oder Träumer unter euch aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt, so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der Ewige, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt.“

Ja genau, wenn es um Gebote, Verlässlichkeit und Vertrauen geht, dann geht es in erster Linie um „Liebe pur“. Jemandem die Selbstverwirklichung mit allen möglichen Freiheiten zu schenken ist keine Liebe. Deshalb „…der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, weil er euch gelehrt hat abzufallen von dem Ewigen, eurem Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich aus der Knechtschaft erlöst hat, und weil er dich von dem Wege abbringen wollte, auf dem du wandeln sollst, wie der Ewige, dein Gott, geboten hat, auf dass du das Böse aus deiner Mitte wegtust.“
Im Kapitel 15 geht es dann darum, all diese Erkenntnis von Gottes Gerechtigkeit und Geboten auch den Völkern zu bringen (Vers 15,6):

„Denn der Ewige, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir zugesagt hat. Dann wirst du vielen Völkern leihen, doch du wirst von niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen, doch über dich wird niemand herrschen.“

Gleichlautend auch folgender Vers aus der Haftara, Jes. 55,5:

(Merke, Jesaja 55 trägt die Überschrift Sabbatheiligung öffnet auch Fremden die Tür zum Volk Gottes!) „Siehe, du (Israel) wirst Heiden rufen, die du nicht kennst, und Heiden, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des Ewigen willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat!“

Schabbat Schalom
Ihr Eric C. Martienssen

Hier gehts zum Artikel über „Siehe (Re’eh), Messias vs. Knecht Gottes“ >
Und hier gehts zu einem Video-Kommentar von Rabbi Richman (englisch) >


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