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Parascha Schabbat Behar–BeChukkotei Kommentar

3. Mose 25,1 – 27,34; Haftara-Prophetenlesung: Jeremia 16,19 – 17,14
von Michael Schneider, NAI israel heute, Jerusalem

Kommentar:
Diesen Schabbat schließen wir die Lesung eines weiteren Buches der Thora ab, nämlich des dritten Buchs Mose, und die Lesung der drei Kapitel ist wieder eine doppelte Parascha (Behar – BeChukkotei / Auf dem Berg – In meinen Satzungen).
Hauptthema unserer Lesung ist das Schemitta-Jahr, das Erlassjahr, an dem keine Feldarbeit getan wird, weder Säen noch Ernten.
Jedes siebte Jahr soll dieses Glaubensgebot in Eretz Israel eingehalten werden. Vers 4: „Aber im siebten Jahr soll ein ganz feierlicher Sabbat für das Land sein; ein Sabbat dem HERRN. Dein Feld sollst du nicht besäen und deinen Weinberg nicht beschneiden, den Nachwuchs deiner Ernte sollst du nicht einernten… “ eine geistliche Pause für den einzelnen Menschen ist.
Die erste Frage drängt sich auf: „…Was sollen wir im siebten Jahr essen?“ (Vers 20) Die Antwort lautet, dass Gott im sechsten Jahr einen besonderen Segen geben wird, der den Ertrag für drei Jahre reichen lassen wird (Vers 21). So das Versprechen Gottes, warum also sollen wir uns dann sorgen? Es ist ein Akt des Glaubens, absolutes Vertrauen in Gott! Und es ist eine Erinnerung daran, dass „das Land Mir (Gott) gehört!“ (Kapitel 25, Vers 23).

Die Glaubensherausforderung geht jedoch darüber noch hinaus, denn nach 7×7 Jahren folgt ein Jobeljahr (hebr. jowel; Vers 10). Das 50. Jahr ist ein Erlassjahr, in dem Gefangene entlassen und Schulden erlassen werden sollen. Es wird am 10. Tischri, so heißt der 7. Monat, am Jom Kippur unter Posaunenschall ausgerufen. Die ursprünglichen Besitzer des Landes haben wieder alle Rechte über ihr Land! Auch im 50. Jahr soll das Feld unbearbeitet bleiben, „…denn das Jobel[jahr] soll euch heilig sein.“ (Vers 12) Das erfordert eine entsprechende Vorratshaltung: Schon im 48. Jahr muss für knapp drei Jahre vorgesorgt werden, denn erst im 51. Jahr erntet man wieder neu den Nachwuchs der Felder.
Gott verspricht, dass Er für sie sorgen wird bis zur „Sättigung“, und „das Land wird in Sicherheit wohnen“, wird mehrmals betont.

Die Nichteinhaltung dieses Gebots wird mit einer drakonischen Strafe bewehrt, nämlich der Vertreibung des Volkes aus Eretz Israel! Gott ist konsequent, für jedes nicht eingehaltene Schemitta Jahr wird ein Exiljahr verhängt, so dass Gottes geliebtes Land Israel seine Ruhe bekommt, notfalls durch Verödung. (Verse 26,33 35)

Die 70 Jahre Babylonischer Gefangenschaft folgen genau diesem Prinzip, so lehrt Raschi, denn seit Bestehen des Ersten Tempels in Jerusalem (ca. 1000 v. Chr.) wurde das Schemitta Gebot nicht beachtet. So ergaben sich genau 70 Jahre, von 586 v. Chr. bis 516 v. Chr., bis der Tempel von Nehemia wieder aufgebaut wurde. (Die eigentliche Rückkehr von Juden hatte schon früher begonnen.)

Ein weiser Rabbi vor der ottomanischen Epoche sah voraus, dass das türkische Imperium genau 8 Jobeljahre über das Land Israel herrschen würde, was denn auch eintrat: von 1517 bis 1917. Das Jahr 1917 ist in der jüdischen Geschichte bedeutsam, weil in ihm die Balfour-Deklaration den Juden nach knapp 2000 Jahren in der Diaspora wieder eine Heimat in Eretz Israel zusagte. Das darauf folgende Jobeljahr brachte 1967 die Befreiung Jerusalems von Fremdherrschaft. Andere zählen die Jobeljahre so, dass auf 1897 (erstes von Herzl initiiertes Zionistentreffen in Basel) fünfzig Jahre später die Gründungsphase Israels 1947-1948 folgt. Auch bei dieser Variante enden im gregorianischen Kalender die Jahreszahlen jeweils mit der Ziffer 7.

Hielte man doch nur diese Sonderjahre ein! Friede würde in Israel herrschen, und jeder Feind würde verjagt, sogar „fünf von euch werden hundert nachjagen, und hundert von euch werden zehntausend nachjagen…“. „Und ich werde mich zu euch wenden und euch fruchtbar machen und euch mehren und meinen Bund mit euch aufrechterhalten.“ (Verse 26,8 9) Diese wunderbare Verheißung ist genau das Gegenteil von Vertreibung und Exil. Es braucht nur Vertrauen und Glauben.

Schabbat Schalom!
P.S. Im Prophetenabschnitt sind die Verse Jeremia 17,7-10 und 13 besonders lesenswert.


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