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Papstrücktritt, Amtsauflösung – wie Ostern und Pessach an einem Tag

In der Karwoche gab es im Mittelalter für Juden regelrechte Ausgangsverbote, weil christliche Prediger so heftig die Juden als Gottesmörder anklagten, dass es für sie gefährlich war, die Häuser zu verlassen. Die Folge waren über Jahrhunderte harte Demütigungen und Ausschreitungen nach dem Karfreitagsgottesdienst,“ so schrieb uns der em. Theologieprofessor und katholische Vorsitzende im Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken Hanspeter Heinz ( → Störung der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit) im März 2008.

Papstrücktritt, AmtsauflösungDamals, also vor knapp zwei Jahren, hatte der deutsche Papst die noch bis 1970 praktizierte Karfreitagsfürbitte nach vorkonziliarem Ritus unter Inkaufnahme des Abbruchs des weltweiten jüdisch-katholischen Dialogs wieder zum Beten freigegeben, in der die Juden als verblendet, verstockt und perfide bezeichnet wurden. Dabei hatte sich der zuzeiten des → Zweites Vatikanisches Konzils sehr junge Theologie-Professor Joseph Ratzinger damals selbst noch für eine Reform dieser maßlos Juden verachtenden lateinischen Messe ausgesprochen und war aber – wie Martin Luther ( → Luthers Holocaust wird 70) – dann mit den Jahren selber zum Judentum-Verachter mutiert, wenngleich stets mit einem versöhnlichen Lächeln auf den Lippen.

Exkurs: Dürfte man ein solches Verhalten nicht viel eher als „spätrömische Dekadenz“ bezeichnen, Herr Dr. Westerwelle, als durch solche Bezeichnungen von dem durch Sie selbst verkörperten und aktiv betriebenen Werteverfall abzulenken?

Vor knapp einem Jahr jedenfalls knallte dem gleichen Papst – einst „unser Papst,“ dieser Zauber ist der verheerenden Realität gewichen – die gleiche antisemitische Sicherung durch, in dem er wiederum unter dem heiligen Deckmäntelchen der Versöhnung die Exkommunikation von Williamson sowie drei weiterer Bischöfe der Piusbruderschaft scheinbar kurzerhand aufhob. Doch halt, gar nicht kurzer Hand, sondern sehr alter, genau: „Mittelalter“, in welchem bekanntlich die von Päpsten (und niemand anderem!) angezettelten Kreuzzüge und die Inquisition fallen. Und die deutschen Katholiken stehen heilig betend daneben und schauen auch heute wieder zu, wie ihre Kinder vergewaltigt und sie selbst geistlich missbraucht werden, während der deutsche Papst Benedikt XVI. genau jenen Papst Pius XII. zum Hohn aller Juden („es soll sichtbar werden, dass die Kirche auch damals unfehlbar handelte“) wild entschlossen ist selig zu sprechen, der mit allem Fleiß weg guckte, als die Deutschen 6 Millionen Juden vergasten, erschossen und qualvoll niedermetzelten?

Woher kommt diese Mentalität besonders bei gläubigen Katholiken, scheinbar anstandslos sogar ihre Kinder solchen „Menschen“ zu opfern? Muss man nicht spätestens an dieser Stelle fragen, wer die Kinder denn zu diesen „Menschen“ brachte? Waren das nicht Eltern, die selbst von ihren eigenen Eltern in einen „Glauben“ hinein erzogen wurden, der eine Bewahrung von Höllenqualen versprach, indem man den geistlichen Führern der katholischen Kirche folgte – tradierte Heiligkeit? Welchen Sinn macht heute noch eine Opferung der eigenen Kinder, wenn man dafür doch wahrscheinlich eher nicht einmal selbst in den katholischen Himmel kommt, zumal es den ebenso wenig zu geben scheint, wie einen Gott, der damals NAZI-Päpste bevorzugte und heute Päpste, die sich für etwas Besseres halten, als Juden, das Volk also, das Gott heilig ist? Kein Mensch wird sich jemals zwischen die exklusive, biblisch verbriefte Liebe zwischen Gott und seinem auserwählten Volk stellen können. Warum versuchen es gerade deutsche Führer dennoch immer wieder und ziehen dabei skrupellos Millionen und gar Milliarden Menschen mit in genau jenen ewigen Abgrund, in dem sie selber landen werden? Kann es sein, dass die Krux darin liegt, dass die Kirche schon im 4. Jahrhundert, mit ihren ersten Päpsten aufhörte, Heiliges, also von Gott sich Ihm eigen Erklärtes (→ Heilig oder unheilig) überhaupt wahrnehmen zu wollen und sich folglich selber heiligen musste? Denn Heiliges fängt mit der Schöpfungsbeziehung Eltern – Kind an. Kein Kind hat jemals darüber bestimmen können, wer seine leiblichen Eltern sind – das ist Heiligkeit im Bilde des Ewigen, gelobt sei Er, Sein Heiliger Name, den dieser Papst mit seiner ganzen Gesinnung in den Schmutz zieht. Ob es dafür wohl das Ewige Leben gibt, möchte man fragen?

Erste zaghafte deutsche Antworten (das erzkatholische Frankreich ist „Gott sei Dank“ schon viel weiter und sogar Österreichs → Reform-Katholiken fordern Rücktritt des Papstes) trudeln ein:
Gemäß einer vorgestern veröffentlichten Umfrage des «Stern» bewerten nach dem Skandal um pädophile Priester nur noch knapp ein Drittel aller Bürger die Arbeit des Papstes als gut. Doch selbst das scheint den deutschen Papst nicht zu stören, denn es geht ihm schließlich um die (sich selbst) heiligende Rückkehr zu „katholischen Werten“ – zurück ins Mittelalter. Da waren diese „katholischen Werte“ zwar ebenso Menschen und Gott verachtend wie heute, aber damals konnten die Päpste das Volk einfach niedermetzeln, wenn es nicht spurte. Oder etwas von einer (kirchenintern erdachten) Hölle erzählen, freilich ohne anzumerken, dass die katholische Kirche genau diese auf Erden höchstselbst personifiziert und „katholische Werte“ genau dort auf ewig hinführen, alsbald ein Kirchengläubiger die Erde verlässt. Göttliche Werte scherten die katholische Kirche im Mittelalter nicht und heute scheinbar nicht mehr. Oder ist Gottverlassenheit, Verschmähung des Gottesvolkes (dafür war er als Hitlerjunge schon auf die Straße gegangen), Zucht durch Unzucht und Gotteslästerung durch Verkehrung göttlicher Prinzipien zugunsten kirchlicher Macht und Zerstörung von Kindern usw. ein Wert?

Jetzt steht Deutschland vor der Wahl, Gott oder der Kirche nachzufolgen!
Und genau in dieser Wahl, dieses und das vergangene Deutschland im tiefsten Kern
betreffend, liegt ein großer Segen verborgen – wenn nicht gar der größte der Mensch-
heitsgeschichte?

Schon vor einem Jahr versuchten wir uns einem solchen Gedanken anzunähern (→ Rom, waren die wahren Gottesmörder nicht überhaupt Römer? – Papst Rücktritt Amtsauflösung), um letztlich zu dem Schluss zu kommen:
Es ist keine Blasphemie, darüber nachzudenken, das Amt des Papstes überhaupt als Ganzes einzustellen und den Vatikanstaat aufzulösen, sondern es ist Blasphemie, es nicht zu tun!
Gerade am Sonntag, dem Ostersonntag – warum?
Wenn in der Kirche, egal in welcher

…auch der evangelischen Kirche, dass muss ich leider mit meinem eigenen Blut bezeugen und dem meiner drei von ihr – zur Durchsetzung ihrer Gott verdammten lutherischen Wahrheit – missbrauchten Kinder…

und an welchem Ort der Welt auch immer, auch der hinterletzten Kirche in Tikwambukto, die gleichen Worte der Einsetzungsworte der Auferstehung Jesu von der Kanzel erschallen, dann wird deutlich, was die Kirche in Ihrem eigenen – ja, Sie sind gemeint – Kopf vermocht hat, zu zerstören:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Hier bezeugt das von der Kirche sich selbst „kanonisierte“ so genannte Neue Testament im Ostergeschehen, dem Auferstehungstag Jesu, dass der „erste Tag der Woche“ der Sonntag ist. Folglich ist der Siebte Tag nach wie vor der Schabbat des Ewigen, Ihres Schöpfers, Ihres Gottes. Und dieser Gott Israels will, dass Ihr Kopf wieder angeschaltet und auf Ihn, gelobt sei Sein heiliger Name, ausgerichtet ist. Von ganzem Herzen, ganzer (heiler) Seele und ganzer Kraft. Der Preis Ihres Seelenfriedens: Kirchenaustritt!

Befreien Sie sich von den Lügen, Morden und Misshandlungen der Kirche und wenden sich stattdessen Gott dem EINEN wieder zu. Geben Sie die eingesparte Kirchensteuer weltlichen Organisationen, aus deren Töpfen sich die Kirche nicht mehr ihre Kreuzzüge gegen Juden, Muslime und Verbrechen gegen Gottes Schöpfung im freundlichsten Antlitz eines kleinen Kindes sich liebevoll spiegelnd finanzieren kann oder geben Sie Gott mit Spenden an die an Ihn und sein Wort befreit und herzlich glaubenden Initiativen die Ehre.

Werden Sie persönlich wieder frei – frei für Gott. „Befreiung“, seine eigene Befreiung aus der Knechtschaft persönlich zu erleben (und Gott zu danken), das ist die biblisch vorgeschriebene und herrlichste Bedeutung von Pessach. Der siebte Pessachtag, wie der erste ein Vollfeiertag, fällt in diesem Jahr auf den Ostermontag. Und wir dürfen hoffen, wenn wir es uns wirklich von ganzem (wieder heilem) Herzen wünschen, dass der Papstrücktritt und die Amtsauflösung dieses ganzen gotteslästernden Amtes eben an diesem Tag stattfindet, DEM ersten Vollfeiertag der Welt, Ostern und Pessach an einem Tag.

Chag Pessach Sameach
Eric Martienssen

Bild: © stock.xchng (SXC) und Fabio Pozzebom, Wikepedia



4 Kommentare to “Papstrücktritt, Amtsauflösung – wie Ostern und Pessach an einem Tag”

  1. Birgit sagt:

    Schade, ich hab bei der Überschrift schon das Schönste erhofft und meinte der Papst sei zurückgetreten.

    Kann nur wünschen dass die Kirchen bald weg sind.
    Zurück zu Gott und seinen Feiertagen und Zusammenarbeit von Juden und Christen in Liebe zum Herrn.

    Viele Kirchen feste und Feiertage sind leider aus Antisemitismus entstanden. Sogar der Sonntag. Das Fest des babylonischen Sonnengottes

    http://kochministry.wordpress.com/2010/03/29/deutschland-vollende-die-reformation/

    . Am 7. Tag sollen wir ruhen.
    Viel Christlichen Feste wie auch Ostern sind nur so gemacht worden. wir sollten eingentlich Passah feiern und die Vollendung dessen durch Jesus. Nicht Ostern!

    Naja der Auftakt zum Untergang Babylons ist geschehen.

  2. Sehr geehrter Herr Martienssen,

    zunächst danke ich Ihnen für die Aufnahme in den Verteilerkreis Ihrer Kommentare zu den Sabbatlesungen. Wir trafen uns kurz am 12.03.2009 bei dem Vortrag des Ehepaars Busmann (Architekt und Schauspielerin) im Lehrhaus der Kölner Jüdischen Gemeinde, standen auch ein paar Minuten an der Straßenbahnhaltestelle zusammen.

    Seither schaue ich immer wieder in Ihre Kommentare, lese nicht alles, halt das, was mich besonders reizt. Seit August 2009 bin ich als Mitarbeiter des Deutschen Vereins vom Hl. Lande hier in Jerusalem, zusammen mit Frau und 14-jährigem Sohn. Ich arbeite als Fachkraft und Koordinator des katholischen Teils des deutschen Regierungsprogramms „Ziviler Friedensdienst“ (Ihnen sicherlich bekannt; sonst googeln Sie einfach mal nach!)- mit etwa zwei Dutzend anderen Fachkräften (des DED, der AGEH, des WFD, der Kurve Wustrow und des forumZFD) als Zeugen und Förderer des Friedens, eines Friedens, den dieses Land mit seinen Religionen, politischen Systemen und Institutionen, so vielen klugen und weisen und liebenswerten, aber auch nicht wenigen vor allem privatisierenden und leider auch nicht wenigen tief verängstigten und bornierten Menschen nicht finden kann.

    Ihre Sehweisen, Meinungen, Positionen, lieber Herr Martienssen, erscheinen mir da immer wieder als eine Verkörperung, ein Querschnitt aller o.g. Arten, hierzulande oder als Parteigänger dieses Konflikts vom Ausland her Mensch zu sein. Sie verknüpfen die wahren und sehr bedenkenswerten, tiefen Ansichten zur Lage zwischen Judentum und (vor allem) Christentum oder Kirchentümern mit meines Erachtens furchtbar extremen, friedensunfähigen Gefühlsausbrüchen und wenig menschlichen (und daher auch kaum wirklich jüdischen oder christlichen) Totalangriffen. Nicht daß ich Ihre Argumente nicht in weiten Teilen nachvollziehen und in ihrer kritischen Schärfe mir zu eigen machen könnte – Sie haben ja in vieler Hinsicht durchaus Recht. Doch Ihre gesamte Gedankenführung sprüht doch so sehr eine tiefe Verletztheit, ja, so etwas wie blinde Ideologie, Haß und Gewalt aus, daß ich mich frage: Was muß der Eric Martienssen Schreckliches erlebt haben und wie muß er als Person gestrickt sein, daß er derart gewaltbereit, fast vernichtungsgewillt argumentiert?

    Vielleicht gehören Sie aber ja wie Saulus/Paulus von Tarsus zu den Menschen, die eine ätzend spitze Feder führen und in der Rede wesentlich duldsamer und nicht scharfmacherisch wirken. Ich selber jedenfalls sehe in Ihren Ausführungen zu wenig gute menschliche Zukunft und zu viel von dem verderblichen Altbekannten: exklusives Erwählungsbewußtsein (kirchlich-christlich, jüdisch, auch islamisch, jedenfalls völlig ethnozentrisch), übersteigerte Identifizierung mit dem eigenen Trauma (der Diskriminierung, Verfolgung und Massakrierung bis zum industriellen Vernichtungsversuch der Nazis) und – verzeihen Sie, wenn Sie können, aber ich kann zurzeit nicht anders! – Abwehr des eigenen Vernichtungstraumas durch Dämonisierung und Vernichtung des Anderen (v.a. der rk und ev Kirchen und ihrer Vertreter). Simone Weil, diese grandiose Denkerin und politische Aktivistin jüdischer Herkunft und rk Neigung, hat es sinngemäß und fast wörtlich mal so gesagt: Die Spitze des Schwertes, das dem Opfer Gewalt antut, steckt das Opfer an und macht es zu einem Teil des Bösen. Da Sie ein gläubiger Mensch sind, will ich nicht glauben, daß sich diese tiefe Einsicht in Ihnen erfüllt. Sie sind reflexionsgeschult und in der Lage, sich selber kritisch zu sehen.

    Ihre Einsprüche und Motive erscheinen mir zwar sehr klar und klären die geistige, religiöse und politische Landschaft, aber doch so, als würde man mit einem Vorschlaghammer die verklemmte Tür zur Wahrheit reparieren und gangbar machen wollen.

    In diesem Sinne: einen guten Übergang weiterhin zu dem von Gott gewollten Menschsein in Frieden, zu dem wir alle nur, aber doch unterwegs sind!

    Ihr

    Michael van Lay

  3. Eric GSI sagt:

    Schalom nach Jerusalem, zu Ihnen, lieber Herr van Lay,
    sehr gerne erinnere ich mich an Sie, erfreue mich daran, Sie und Ihre Lieben im Heiligen Lande zu wissen und empfinde es als wunderbar schön, wie umsichtig Sie – auch in der Kritik an meinen Positionen – den Zivilen Friedensdienst des deutschen Regierungsprogramms in Israel „wahr“nehmen.
    Gerade mit den Stichwörtern Frieden, Regierung und Wahrheit Israel (im Sinne „Erez – Land“ als auch als „Jakob – VOLK GOTTES“) sind wir, die ganze Welt, gerade heute, am Ostersonntag, jedoch durch den Antisemitismus des Vatikans wieder um 1.600 Jahre zurück geworfen.
    Glauben Sie mir, ich bin selber entsetzt über das unvorstellbare Ausmaß, die Skrupel- und Gottlosigkeit des päpstlichen Antisemitismus, welches heute in der Ostermesse auf dem Petersplatz vom Vatikanvertreter Angelo Sodano offenbart wurde:

    „Das VOLK GOTTES lässt sich nicht vom Geschwätz
    des Augenblicks beeindrucken.“ (DIE WELT)

    Da hatte man sich selber glauben machen wollen, die Ersatztheologie der Kirche – Entwertung Israels als Volk Gottes um sich selbst an dessen Stelle einzusetzen – sei überwunden, da kommt da die Katholische Kirche, die Täterin, und prahlt sogar sich als katholisch selbsternanntes VOLK GOTTES über alle Menschheit erhebend an einer Stelle, wo Erschrockenheit über sich selbst und Flehen um Vergebung angesagt wäre, denn es ging um die von ihr vertuschten Missbrauchs-Skandale. Ja, es wird Zeit für den Papst Rücktritt. Ich fühle mich Ihnen sehr verbunden, lieber Herr van Lay, gerade weil Sie Ihre Aufgabe so würdevoll wahrnehmen, wie es für die Katholische Kirche wünschenswert wäre, wollte sie es denn überhaupt noch – aber sie hat sich verrannt und will es nicht mehr. Man muss leider die Dinge beim Namen nennen.
    Chag Pessach Sameach, verbindlichst, Ihr Eric Martienssen

  4. […] so drängte es sich auf, ist es als bittere Konsequenz aus Luther, Holocaust und nunmehr deutschem Papst willentlich nicht mehr möglich, zwischen bösen Geist von gutem Geist zu unterscheiden, alles eine […]