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Sabbat-Lesung und Kommentar für die 31. Woche 2008 (beginnend am 27. Juli), Schabbat Mattot – Stämme:

4. Mose 30,2 bis 32,42; Jeremia 1,1-2,3
von Michael Schneider, NAI israel heute, Jerusalem

Kommentar:
Im Kapitel 32 lesen wir, wie sich das Volk Israel östlich des Jordans auf die Einnahme des Landes vorbereitet. Zwei Stämme, Ruben und Gad, bitten von Mose, man möge ihnen das Vieh-reiche Land, in dem sie sich zur Zeit aufhalten, doch als Erbteil zuerkennen.

Mose reagiert mit einem Zornesausbruch, es würde „das Herz des Volkes vom Landeinzug abhalten“. Es entmutigt, und kann andere Stämme zu gleichem führen. Er zieht eine Parallele zu der Situation, als die zehn Kundschafter vor den Riesen und den befestigten Städten gewarnt hatten und nur Kaleb und Josua an der Einnahme des Landes festhalten wollten. Das Ergebnis dieses Zauderns war die vierzigjährige Wüstenzeit gewesen – ein Gerichtshandeln Gottes, denn die ganze Generation der einst aus Ägypten Befreiten starb in der Wüste. Soll sich das etwa wiederholen, dass Teile des Volkes ein sicheres, bequemes Leben auf satter Weide vorziehen? Die Stammesvertreter beschwichtigen, indem sie zusagen, lediglich Frauen, Kinder und das Vieh in sicheren Städten zurücklassen zu wollen und mit allen waffenfähigen Männern über den Jordan zu gehen, bis das ganze Land eingenommen wäre.

„Der Midrasch Rabba sagt: Drei göttliche Gaben sind der Welt gegeben: Weisheit, Heldenmut und Reichtum. Stammen diese Gaben aber nicht von Gott, dann werden sie keinen Bestand haben.“ Ruben und Gad vollzogen mit Blick auf ihr Vermögen innerlich eine Trennung von ihren Brüdern, die sich später (vgl. 1. Chronik 5,25) auch äußerlich vollzog. Wie ist heute die Haltung europäischer und amerikanischer Juden zu bewerten? Ist es nicht oft ihr materieller Reichtum, der sie davon abhält, Alijah zu machen (einzuwandern)? „Denen, die nach Israel einwandern wollen, aber nicht können (oder konnten), kann geholfen werden. Wer aber kann und nicht will, dem kann nicht geholfen werden. Solange sie zwangsweise im Exil waren, konnten sie den Einfluss der heidnischen Umwelt abwehren. Jedoch von dem Moment an, von dem an sie freiwillig im Exil bleiben, beginnt die Assimilation an ihnen zu nagen; Mischehen und fremde Kulte lösen sie aus ihrem Volk und Glauben heraus.“

Die Schoah ging von Deutschland aus, einem Land, dessen Juden einen Grad der Assimilation erreicht hatten, wie sonst nirgends. „Theodor Herzls Programmschrift ,Der Judenstaat´ erschien als erstes in deutscher Sprache, daher waren die deutschen Juden die ersten, die mit der Idee des Zionismus bekannt wurden – doch sie wollten nicht, ihre Karriere und ihr Reichtum war ihnen wichtiger als die Heimkehr ins Gelobte Land.“

In Bezug auf den dieswöchigen Prophetenabschnitt lässt sich eine interessante Parallele ziehen: Wie es im Jahr des Zweiten Libanonkrieg vorletzten Sommer, und neu mit der Hisbollah und dem Iran über Israel im Norden schwebt, steht im Prophetenabschnitt aus Jeremia 1 geschrieben: „Vom Norden her wird das Unglück losbrechen über alle Bewohner des Landes“ (Vers 14). Interessant und sicherlich kein Zufall.

Was für einen Trostwort erhielt Jeremia im Vers 5: „Ehe Ich dich im Mutterschoß bildete, kannte Ich dich, und ehe du aus dem Mutterleib hervorkamst, habe Ich dich geheiligt: zum Propheten für die Nationen…“ – er brauchte diesen Trost, da er der „leidende Prophet“ wurde – ihm wurde „das Wort Gottes in den Mund gelegt!“

… und zum Schluss der Trost über Jerusalem aus unsere Haftara:
„Ich, der HERR, erinnere Mich – dir zugute – an die Treue deiner Jugendzeit, an die Liebe deiner Brautzeit, wie du hinter Mir hergingst in der Wüste…“


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