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Vom wahren Passafest: Sind Sie eine Jüdin, ein Jude?

Eine Geschichte, wie sie sich in Wirklichkeit zugetragen haben könnte, eine vielleicht ermutigende Geschichte für all jene, die durch Tod oder Scheidung einen Elternteil verloren haben. Mögen sie versichert sein, dass jemand mit zärtlichen, sorgenden Gedanken für sie ist und sie niemals verlässt, wozu menschliche Väter oder Mütter leider manchmal gezwungen sind. Von Eric Martienssen.

Eigenartig, wenn große Leute vor diesem Kreuz knien, sind sie immer so traurig, wohingegen ich mich bei dessen Anblick immer gleich an die kräftigen, segnenden Arme meines himmlischen Vaters erinnert fühle. Wollt ihr wissen, wie das kommt? – Verzeihung, mein Name ist Saskia Fee. Bin natürlich keine richtige Fee, nur mein Vater hatte mich immer so bei meinem Namen gerufen (Jes 43,1). Heute bin ich eine sechzehnjährige Teenagerin und ich würde dich gerne mit mir zurückführen in die Zeit meiner frühen Kindheit zu einem Ereignis, welches mein ganzes Leben verändern sollte.

Es war der Abend des Gründonnerstags. Damals, 1996, wurde das jüdische Passafest und das christliche Ostern in der gleichen Woche gefeiert. Dies ist wichtig zu erwähnen, wie du gleich sehen wirst.

Ich war vier Jahre alt und wurde wach durch das laute Geschrei meiner Mutter, was mich zum Fenster rennen ließ. Die Sonne lag schon in ihrer späten Dämmerung, als ich unten auf die Veranda blickte. Meine Geschwister, Patric Steven, vier Jahre älter, und Bea Sissy, zwei Jahre jünger als ich, schliefen so fest wie in Abrahams Schoß, sodass sie nichts mitbekamen von alldem. Im rötlichen Licht des Sonnenuntergangs sah ich Mutter wie sie meinen Vater anbrüllte: „Du wirst deine Kinder nie, nie, niemals mehr wieder sehen.“

Hatte ich das richtig verstanden? Ich würde meinen Vater, den ich mehr liebte als jeden anderen Menschen auf der Welt, niemals mehr wieder sehen? Mit meinem kindlich unschuldigen Herzen war es mir noch schwer vorstellbar, wie um Himmels Willen sie uns Kinder für immer von unserem Vater trennen wollte.

Heute weiß ich, dass sie es mit der größtmöglichen christlichen Heimtücke überhaupt getan haben musste, so oft schon passiert in der Menschheitsgeschichte, um „Kinder vom Vater / VATER zu trennen“. Denn, wie ich später erfuhr, hatte unser Vater eine persönliche Erfahrung mit einem → Erstgeborenen Sohn Gottes gemacht, dem, den man nach → römisch fehlgeleitetem Glauben zum Messias stilisierte und dann für aller Menschheit Sünde und Missetat martern und zerschlagen ließ (Jesaja 53,5).

So war meine Mutter zu ihrer „heiligen Kirche“ gegangen und hatte meinen Vater wie seinen Glauben von dieser per Gutachten – er könne womöglich geisteskrank sein, hieß es dann später „im Namen des (deutschen) Volkes“ – zur Gefahr für seine Kinder erklären lassen. Und das war’s dann!

Über die Jahre zum Teenager heranwachsend, litt ich mehr und mehr unter dem Verlust meines Vaters und vermisste ihn schrecklich. Eines Tages wurde meine Sehnsucht nach ihm so stark, dass ich einen Tagtraum hatte. Tatsächlich wurde dieses Ereignis so wirklich, dass ich es als eine Antwort von dem Einen betrachtete, der versprochen hatte, sich um alle zerschmetterten Seelen und Waisen zu sorgen – ja, damit meinte Er mich.

So lernte ich in meinem Tagtraum einen Jungen kennen. Er war sehr hübsch mit starken Armen, hellen, wasserblauen Augen – so wie mein Vater – und einem Herzen aus Gold, fast königlich, dachte ich. Sein einziger Nachteil war seine Armut, und darüber hinaus – er war ein Jude.

Ungeachtet dessen mochte, ja liebte ich ihn mit ganzem Herzen, ein Tag um Tag tiefer werdendes Gefühl überwältigte mich. Da meine Mutter aber meinte, so ein Junge sei kein Umgang für ein „evangelisches Mädchen“, trafen wir uns heimlich.

Bald lernte ich auch seine Freunde kennen und lieben, beim Spielen, draußen, vor der Stadt, in der Nähe von einem großen, glitzernden See, der aussah, als wäre er ganz aus Glas. Mein Freund und seine elf Kameraden waren, wie er selbst auch, alle von den Stämmen Israels. Mein Freund gehörte zu dem Stamm Juda und alle andern hatten ihre Herkunft in den übrigen elf Stämmen Israel. Mit sehnsüchtigen Herzen erwähnten sie den Namen „Neues Jerusalem“.

Ganz in der Ferne, weit hinter dem gläsernen Meer, lag so etwas Ähnliches wie ein Berg. Im hellen Sonnenschein sah es aus wie ein güldener Thron. Mein Freund erklärte, dass dies der Ort sei, wo sein Vater wohnte, meinte, er selbst sei mein Bruder, und war geradezu beseelt von der Idee, mich schnellstens mit seinem liebenden Vater bekannt zu machen. Ich zögerte, aber bald kam der Tag, dass ich einverstanden war, ihn zu treffen.

Dieses Treffen war nur ein kurzer Moment, dennoch spürte ich, ich hatte mit meiner kindlichen Seele die Ewigkeit berührt, das, was niemals mehr vergeht. Mein Bruder sagte nur einen einzigen Satz zu seinem Vater: „Vater, das ist Dein Kind, MEINE Schwester“, dann war alles vollbracht, ich war ein Jude geworden, ein adoptierter. „Welch erstaunliche Gnade“, dachte ich. (Auch alle aus Geblüt Nichtjuden [Gojim] können zum EINEN G-tt finden [Juden sind ja schon bei IHM], wenn sie sich von all ihren Götzen, z.B. des Christentums, befreien. So hat Jesus – von seinen Anhängern als Rabbiner betrachtet und liebevoll Rabbi genannt – vielfach darauf hingewiesen, dass „du den HERRN, deinen G-tt, anbeten und ihm allein dienen sollst“. Wie es dazu kommen konnte, dass die Christen später, entgegen dessen ausdrücklicher Warnung, Jesus anbeteten, ist ungeklärt. Fest steht, dass nicht einmal die Mohammedaner Mohammed anbeten).

Von meinem himmlischen VATER zurückgekehrt, spielten wir ganz neue Spiele. Mein Lieblingsspiel hieß „Verheißung auf Erden“. Wir spielten es jeweils nur an einem Tag in der Woche, am „heiligen Schabbat“. Da kamen dann zwölf Geschwister aus den zwölf Stämmen Ismaels dazu, die auf der früheren Erde den Freitag, und somit einen anderen Gott als den Gott Israels geheiligt hatten, wie umgekehrt meine frühere Familie durch das Halten ihres Sonntags. Beseelten Herzens fiel mir eine Frage in den Geist: Freitag – Schabbat – Sonntag, lag das ewig Heilige tatsächlich immer schon im Zentrum, für jedermann sichtbar und doch verborgen, bis dass der Messias kommt? Jedenfalls wir vierundzwanzig nunmehr vereinten Stämme (zwölf Stämme Israels plus zwölf Stämme Ismaels) tanzten dann zusammen um einen großen, mächtigen Baum, den mein Freund und Bruder den Baum des Lebens nannte.

Er sagte, es wird der Tag kommen, da würde Er jeden Menschen adoptieren, dem von ganzem Herzen, ganzer Seele und allem Gemüt danach dürstete, und aus der Knechtschaft der Kirchen und anderen Götzendiensten herausführen. Ich weinte vor Glück, ich hatte wieder einen Vater, und fiel meinem Bruder um den Hals. Er aber wischte mir alle meine Tränen ab mit den schönsten Worten, die ich jemals gehört hatte.

Pessach 5768 (2008):

Diese Geschichte ist Dir gewidmet, mein Sohn,
und Euch, meinen geliebten Töchtern, wo immer Ihr auch lebt, vertraut’!
Ich flehe Euch an, wisset:
Wirkliche Liebe endet niemals. Ich, Eric Martienssen, bin Euer Vater
und höre niemals auf, an Euch zu denken noch für Euch zu beten.
Und lasst es einen Traum sein oder nicht:
Nichts ist unmöglich für die, welche an IHN glauben.
Ich grüße Euch mit meinem Jüdischen Herzen und hoffe,
Euch eines Tages wieder zu sehen, vielleicht:
Nächstes Jahr in Jerusalem.

( LA’SHANA HA’BA BE’YERUSHALAYIM )



3 Kommentare to “Vom wahren Passafest: Sind Sie eine Jüdin, ein Jude?”

  1. […] schön bist du. Als nächstes Fest feiern wir dann vielleicht (Seder ist 2009 am 8. April) Pessach schon vereint zu dritt, G-tt, Juden und Christen? Ein Baum des Lebens (Spr 13,12). Stichworte zum Thema: Bischof […]

  2. […] Söhne kommen von fern her, und deine Töchter werden auf den Armen herbeigetragen, meine Jüngste wird an diesem Schabbes Sechzehn, Schabbat Schalom, Ihr Eric Martienssen Stichworte zum Thema: ARD, […]