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Sabbat-Kommentar WA’JEZE – Und er zog aus/hinweg: 1. Mose 28,10 bis 32,3; Haftara-Prophetenlesung: Hosea 12,13 bis 14,10

Schabbat-Lesung und Kommentar für die 47. Woche 2007,
Schabbat „WA’JEZE – Und er zog aus/hinweg“: 1. Mose 28,10 bis 32,3; Haftara-Prophetenlesung: Hosea 12,13 bis 14,10
Von Michael Schneider, NAI israel heute, Jerusalem

Kommentar:
Jakob beginnt seine Wanderschaft, die am Anfang nicht leicht war. Darum wird das „Er zog aus…“ (wa-jeze) betont. In die Fremde, nach Haran, weit weg vom Vaterhaus. Um so wichtiger war es, dass ihn der von Gott zugesprochene Segen der Verheißung auf dem Weg begleitete: „Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst.“ (28,15)
Dem fliehenden Jakob wurde durch einen Traum offenbart: Eine Leiter, die Erde und Himmel verbindet und die Engel Gottes steigen auf und ab. Es war Jakobs erste persönliche Begegnung mit dem Gott seiner Väter. So neu war dies für ihn, dass er sprach: „Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte!“ Und so spricht einer, der bereits reich gesegnet wurde! Aber, so geht es doch vielen Gläubigen …
Er nannte den Ort das Haus Gottes, hebräisch Beth-El, hier öffnen sich die „Pforte des Himmels“. An diesem Ort tat Jakob sein Gelübde: „Wenn Gott mit mir ist …“ will er unter anderem den Zehnten all seiner Güter Ihm geben. (Interessant: die hebräischen Wörter für Zehnter und für Reichtum haben die selben drei Buchstaben!) Zum ersten Mal erscheint der Begriff „der Zehnte – ma’asser“. Hier liegt das Geheimnis des Erfolgs des Jakob!

In Kapitel 29 sehen wir abermals eine Begegnung eines Mannes mit seiner künftigen Ehefrau, die an einem Brunnen stattfindet. (Den unverheirateten Männern sei gesagt: Hört nicht auf, nach Brunnen Ausschau zu halten, vielleicht findet Ihr dort eure Frau!) Er verliebt sich auf der Stelle in seine Cousine Rahel, die Tochter seines Onkel Laban – eine Hirtin wie er! (29,10) Jetzt ist es an ihm, einem aus dem Hause Abrahams, die Tiere Labans zu tränken, nicht wie damals bei Rebekka und dem Knecht Abrahams. Es heißt: „Laban rannte auf Jakob zu“ (29,13) – erwartete er wieder Geschenke wie bei Elieser?

Die Wege des HERRN sind unbeschreiblich. Er zahlt Jakob mit gleicher Münze heim. Worin besteht der Betrug Labans? Die Braut ist Lea, die Ältere. Die Geliebte Rahel wird zunächst vorenthalten. Ob Jakob wohl an sein eigenes Leben denken muss? Wie er vor sieben Jahren seinen halbblinden Vater Isaak täuschte? Nun empfängt er Lea, deren „Augen matt waren“ (29,17). So arbeitet Jakob weitere 7 Jahre für Rahel. Er liebt sie so sehr, dass die lange Zeit ihm vorkommt wie wenige Tage. (29,20)
Als Jakob Laban zur Rede stellt („Warum hast du mich betrogen?“), erhält er die lapidare Antwort: „Das tut man an unserm Ort nicht, die Jüngere vor der Erstgeborenen zu geben.“ (29,25-26) Plötzlich findet sich Jakob auf der anderen Seite wieder, diesmal ist er selbst der Betrogene, wahrhaftig eine Überführung! So arbeitet Gott.

Jakob hat nun zwei Frauen. Unausweichlich führt dies dazu, dass er die eine liebt und die andere ablehnt. Gott erbarmt sich der Verachteten und segnet sie mit Nachkommenschaft, während der Mutterleib der Geliebten verschlossen bleibt. Ähnlich geht es den beiden Frauen von Elkana, vergleiche 1. Samuel 1. Der HERR ist gerecht und gnädig!

Mit den ersten drei Söhnen wollte Lea das Herz Jakobs gewinnen (29,32). Die leidende Rahel reagiert wie Sarah mit Hagar (30,3). Ein wunderbarer Trost für alle, die lange um etwas beten, steht dann in Vers 22: „Und Gott dachte an Rahel, und Gott hörte auf sie und öffnete ihren Mutterleib.“ Ja, Gott hört und erhört. Nach der Geburt des Josef will Jakob wieder fort, und Laban erkennt, „dass der HERR ihn um Jakobs willen gesegnet hat“ (30,27).



2 Kommentare to “Sabbat-Kommentar WA’JEZE – Und er zog aus/hinweg: 1. Mose 28,10 bis 32,3; Haftara-Prophetenlesung: Hosea 12,13 bis 14,10”

  1. Eike Wacha sagt:

    Sehr herzliche Grüsse aus Berlin.
    Ich liebe Ihre Kommentare! Es war das richtige heute nach dem Besuch des Shabbat Gottesdienstes in der herrlich renovierten Hauptsynagoge in der Rykestrasse, in Berlin noch mal ins internet reinzuschauen. Jetzt werde ich mich aufs Wort stürzen. WA`JEZE und er zog aus lässt mich schmunzeln………redet Gott direkt in meine Lebenssituation? Ich werde es auf mich wirken lassen!
    Shabbat Shalom aus Berlin

  2. Eric sagt:

    Herzlichste Grüße aus Köln auch zurück nach Berlin.
    Woww, durch Ihren Kommentar eingeladen konnte ich gar nicht anders, als mir Ihre Synagoge gleich im Internet noch einmal anzuschauen – einfach wunderbar schön, so viel Licht und so viel Raum, durch welchen Sein Licht fließt. Das gleiche, herrliche Licht war mir eben in meinem Schabbat-Park begegnet, wo ich die Parascha las, Sein WORT für uns. Das, welches Gott uns gegeben hat, einfach herrlich. Es macht mich so unendlich dankbar, jetzt, kurz vor dem Abschied von Seinem Schabbat (als sei das nicht schon das Größte) auch noch mit so lieben Grüßen aus der nach dem Umbau nunmehr größten Synagoge Deutschlands beschenkt worden zu sein. Ein Segen, Gemeinschaft mit Ihnen zu haben in der Freude an Seinem Schabbat. Danke! Besonders auch dem einen Gott, der immer wieder in unsere Lebenssituation hinein spricht … und wir es manchmal sogar von Herzen zulassen können. In der Freude über weiteren Kontakt mit Ihnen allen in Berlin,
    Schabbat Schalom aus Köln