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Schabbat-Kommentar BERESCHIT – Am Anfang: 1. Mose 1,1 bis 6,8; Jesaja 42,5 – 43,10

Lesung und Kommentar für die 41. Woche 2007
Schabbat “BERESCHIT – Am Anfang“:
1. Mose 1,1 bis 6,8; Jesaja 42,5 – 43,10
Von Michael Schneider

Kommentar:
Mit den Worten “Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde” beginnt das Schreiben Gottes an die Menschen. Auch beginnt die jährliche Thoralesung erneut von vorn. Die Rabbiner sagen hier, jedes Jahr wird der Gläubige neu mit Neuem aus dem selben Text von Gott erleuchtert und inspiriert. Ich füge hinzu, der Mensch ist auch jedes zusätzliche Jahr auf einer anderen geistlichen Stufe in seinem Glaubensleben mit Gott, heute sind ihm eben andere Sachen wichtiger oder anderes spricht das Herz an, was man im vorigem Jahr gar nicht so berücksichtigt und daher überlesen hatte. Darum sollte man nie in Bezug auf Gottes Wort sagen: “Das habe ich ja schon ’mal gelesen!”

In unserer Parascha, dem Schabbatabschnitt, geht es um die Schöpfung der Welt bis hin zur Zeit Noahs. Innerhalb von knapp sechs Kapiteln bündeln sich über 1500 Jahre! In dieser Zeitspanne lebten zehn Generation von Adam bis Noah. Was für eine kurze Berichterstattung für eine lange Zeit des Geschehens!

Eins muss uns jedoch im Schöpfungskapitel 1 auffallen, wie kommt es, dass es vom ersten Tag an Licht war, Gott jedoch erst am vierten Tag die Sonne und den Mond schuf? Es war das Licht und die Herrlichkeit Gottes, die schien, so wie es wieder in der Endzeit geschehen wird.
(Übrigens, das hebräische Wort für Himmel, “scham-majim” bedeutet wortwörtlich: “dort (ist) Wasser”.)

Am dritten Schöpfungstag fällt auf, dass dort zweimal “Und es ward gut” steht. Das wird so erklärt: Weil an diesem Tag das Trockene (Erde) und das Meer sowie die Samen der Frucht erschaffen worden sind. Darum wurde es ein Begriff im Volksmund unter den Juden, dass alles Dritte “doppel-gut” ist (hebr. “pa’amaim ki tov!”). Aus diesem Grund wird auch bevorzugt am “dritten Tag” der Woche zu heiraten für die Frau ein “gut” und für den Mann ein “gut”!

Der Mensch wurde als letztes geschaffen, am sechsten Tag, danach ruhte Gott “von all seinen Werken”. Auffallend jedoch ist, dass Gott den sechsten Schöpfungstag nicht wie bei der Erschaffung seiner anderen Werke mit “Und es ward gut” abschloss! Oft wird gelehrt, dass Gott nach der Erschaffung des Menschen gesagt hat “Und es ward sehr gut!”. Diesen Satz hat Gott jedoch nicht direkt nach der Erschaffung des Menschen gesprochen, sondern erst, als er ALLES ansah, was Er gemacht hatte (1.Mose 1,31). Die Juden legen das so aus: Dem Menschen gab Gott die freie Wahl, Ihm zu folgen oder gegen Ihn zu rebellieren, d.h. gut oder böse zu sein. Es liegt also in unseren Händen, ob am Ende Gott sagen kann: “Und es ward gut!”

Die ersten drei Verse im zweiten Kapitel sind der Schabbatspruch vor dem Wein- und Brotsegen, in denen die Heiligung und die Ruhe des siebten Tag zum Ausdruck kommt.

Dann lesen wir von der perfekten Gemeinschaft, die der Mensch mit seinem Schöpfer im Garten Eden (Gan Eden) hatte, die einzige Aufgabe des ersten Menschen war die Namensgebung der Tiere. Was für ein Job! Doch dann, als Adam warscheinlich gerade dabei war, die Tierpaare zu benennen, sah Gott: “Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei!” So schuf Er aus Adams Rippe die Frau. Danach aber kam die Versuchung, und die Sünde kam in die Welt und Schamloses wurde zu Scham. Adam und Eva versteckten sich hinter einem Baum, Jeschua dagegen, das sündenfreie Lamm Gottes, hing jedoch offen entblößt – nackt – VOR dem Baum (dem Kreuz)!

Jüdische Weisen sagen, dass die Frucht am “Baum des Erkenntnis des Bösen und Guten” entweder Trauben, Feigen oder die Sukkot-Zitrusfrucht Etrog gewesen sein könnte. Ende Kapitel 2 lesen wir von dem wichtigsten Dreier-Prinzip der Ehe: 1. Vater und Mutter zu verlassen; 2. seiner Frau anhängen (”dawak”, der hebräische Begriff für “kleben”) und 3. zu einem Fleisch werden. Das heisst wörtlich, wie es in anderen Bibelstellen bestätigt wird, der Mann soll seine Frau mehr und mehr kennenlernen, das ist seine Lebensaufgabe. Dies bedeutet wahre Liebe a la Bibel – die nicht immer eine Sache von Gefühlen ist! In Kapitel 4 lesen wir vom ersten Mord in der Weltgeschichte, der nur aus reinem Neid gegenüber dem eigenen Bruder geschah. So wurde Neid der Urgrund und die Wurzel jedes Mordens und allen Übels.

Eine Erklärung, warum die ersten Menschen hunderte von Jahre gelebt haben (Beispiel: Methusalem wurde 969 Jahre), bezieht sich darauf, damit sie den nachfolgenden Generationen noch aus erster Hand alles erzählen und Wichtiges weitergeben konnten, so dass es dann später niedergeschrieben werden konnte. Viele erklären sich die lange Lebenszeit mit gesundem Essen. Die eben erwähnte Auslegung meint aber, dass Gott die wenigen Gerechten mit Absicht so lange am Leben erhielt, weil mehr und mehr die Sünde sowie bösartige Menschen die Erde bevölkerten.

In unserem Prophetenabschnitt, Haftara, aus Jesaja 42 lesen wir von Lob und Preis über die Weltschöpfung Gottes, aber mit einem Atemzug zieht der Prophet den Faden zur Erwählung Israels als Volk Gottes. Von ihm soll das “Licht zu den Nation” kommen, oder wie Jeschua es der Nichtjüdin am Jakobsbrunnen sagte: das Heil kommt von den Juden!



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