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Dewarim – Worte, 5. Mose 1,1 bis 3,22; Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 1,1-27

29. Woche 2007
Schabbat-Lesung und Kommentar:
„Dewarim – Worte“, 5. Mose 1,1 bis 3,22; Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 1,1-27
Von Michael Schneider

Interessant: Gerade jetzt, in einer Zeit, in der zwischen dem israelischen Gerichtshof und dem Staatsanwalt (Ex-)Präsident Katzavs Anklage zur Debatte steht, die Mißtrauen im Volks hervorruft, lesen wir, wie Mose seine Abschlußrede in 5. Mose 1 mit Rechtsstimmungen der Richtern beginnt, wie im Vers 17: „Ihr sollt im Gericht nicht die Person kennen; den Kleinen wie den Großen sollt ihr hören. Ihr sollt euch vor niemandem fürchten, denn das Gericht ist Gottes Sache.“ Kommentar:

Die Parascha eröffnet die Lesung des Fünften und letzten Buches Mose. Die Besonderheit des Buches zeigt sich an folgender Gegenüberstellung: Im vierten Buch Mose 1,1 war es noch: „Und der HERR redete zu Mose…“, aber nun in 5. Mose 1,1: „Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel geredet hat…“ oder wie wir im 5. Vers lesen, Mose „legte ihnen nun die Thora (das Gesetz) aus“. Das Wort für Auslegen im hebräischen Urtext heisst „be’er“, kommt von der Wörterkombination „Be-Or“, d.h. ans Licht (bringen) – erleuchten/erleutern. Im Deuteronomium begegnet uns ein Mose, der aus dem Eigenen redet und dessen Worte letztlich durch Gott selbst autorisiert sind. Der unbeholfene Sprecher (vgl. 2. Mose 4,10) hat sich nun im Alter von 120 gewandelt zu einem, der sagen kann: „Horcht auf, ihr Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes! (5. Mose 32,1)“, dessen Lied seinen Platz neben dem Lied des Lammes hat (Offenbarung 15,3).

Warum wiederholt Mose die Geschehen um Israel seit dem Auzug? Weil er nun vor einer neuen Generation steht, die den Auszug nicht miterlebte. Der Text bringt in gewaltiger Exposition einen Abriss der Wüstenzeit. Es findet keine verklärende Geschichtsschreibung statt, sondern ohne beschönigende Schnörkel wird Schuld und daraus folgendes Gericht benannt. Mose weist auf die Verheißung vor knapp 40 Jahren, und wie Gott das Volk schon vermehrte und segnete, und es noch „1000fach“ tun wird. Der falsche Rat der zehn Kundschafter wird ebenso erwähnt, wie eigenmächtige Eroberungszüge ohne Gottes Auftrag. Der heutige Wochenabschnitt ist aktueller denn je, denn auf die Frage, warum die Kinder Israel 40 Jahre durch die Wüste irren mussten, nennt Mose unverhohlen die Dinge beim Namen. Es scheint, als wiederhole sich dieses Drama, denn erneut wehrt sich Israel, die Verheißung Gottes zu realisieren. Israel war 1967 so dicht am Ziel; es hätte nur das durch ein Wunder in nur sechs Tagen eroberte Eretz Israel mit Jerusalems Altstadt annektieren sollen. Weil Israel dies nicht tat, rückte alles wieder in weite Ferne.“ – Ohne spekulieren zu wollen: 1967 liegt 40 Jahre zurück…

Damals wie auch heute führte Gott sein Volk nicht in ein unbewohntes, leeres Land, sondern in ein von Heiden bewohntes Land. Selbst Jerusalem, von Gott zu seiner Wohnstatt erkoren und auf ewig zur Hauptstadt Israels ernannt, existierte schon vorher als bevölkerte Jebusiterstadt. Gottes Wille läuft oft unserer Vernunft zuwider… Israels Landnahme, damals und heute, kann man eben nur göttlich verstehen. Was Israel heute braucht, sind nicht Rhetoriker, die viel Worte und unbrauchbare Abkommen machen, sondern Menschen wie Mose, die sich als Täter, als Ausführer der Verheißungen qualifizieren.“

Die Könige Sihon und Og wurden zum Zeichen des Siegeszugs der Gesalbten (Psalm 105,15) Gottes: „Und dem Josua gebot ich zu jener Zeit und sprach: Deine Augen haben alles gesehen, was der HERR, euer Gott, diesen beiden Königen getan hat. So wird der HERR allen Königreichen tun, zu denen du hinüberziehst. Fürchtet sie nicht! Denn der HERR, euer Gott, er ist es, der für euch kämpft!“ (5. Mose 3,22)



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