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„Mattot – Stämme“ 4. Mose 30,2 bis 4. Mose 32,42

30. Woche 2006
Schabbat-Lesung und Kommentar:
„Mattot – Stämme“ 4. Mose 30,2 bis 4. Mose 32,42
„Massei – Wanderungen“ 4. Mose 33,1 bis 4. Mose 36,13
Von: s. Vorbemerkung

Vorbemerkung: Michael Schneider, der den wöchentlichen Kommentar zur Parascha schreibt, wurde zum Einsatz in die israelische Armee einberufen. Ersatzweise greifen wir heute zu Ludwig Schneiders Buch „Schlüssel zur Thora“, welches den Leser in 54 Abschnitten durch den Jahreszyklus der Thora-Lesungen führt. Den folgenden kurzen Auszug hat Ulrich Feldmann zusammengestellt. Gekennzeichnete Zitate stammen aus „Schlüssel zur Thora“.

Kommentar:
Der Wochenabschnitt ist mit seinen sieben Kapiteln ein zweifacher und schließt die Lesung des Buches Bamidbar (oder Numeri) ab. Im Kapitel 32 sehen wir ganz Israel noch östlich des Jordans. Der Gang über den Jordan und die Einnahme des Landes stehen kurz bevor, da treten die Stämme Ruben und Gad mit dem Begehren an Mose heran, man möge ihnen das Land, in dem sie sich zur Zeit aufhalten, doch als Erbteil zuerkennen. Sie begründen das Anliegen damit, dass sie sich auf Viehzucht spezialisiert hätten und das Ostjordanland hierfür besonders gut geeignet sei.

Mose reagiert mit einem Zornesausbruch. Er zieht eine Parallele zu der Situation, als die zehn Kundschafter vor den Riesen und den befestigten Städten gewarnt hatten, und nur Kaleb und Josua an der Einnahme des Landes festhalten wollten. Das Ergebnis dieses Zauderns war die vierzigjährige Wüstenzeit gewesen – ein Gerichtshandeln Gottes, denn die ganze Generation der einst aus Ägypten Befreiten starb in der Wüste. Soll sich das etwa wiederholen, dass Teile des Volkes ein sicheres, bequemes Leben auf satter Weide vorziehen? Wollen die beiden Stämme sich dem Kampf entziehen? Die Stammesvertreter beschwichtigen, indem sie zusagen, lediglich Frauen, Kinder und das Vieh in sicheren Städten zurücklassen zu wollen und mit allen waffenfähigen Männern über den Jordan zu gehen, bis das ganze Land eingenommen wäre.

„Der Midrasch Rabba sagt: Drei göttliche Gaben sind der Welt gegeben: Weisheit, Heldenmut und Reichtum. Stammen diese Gaben aber nicht von Gott, dann werden sie keinen Bestand haben.“ Ruben und Gad vollzogen mit Blick auf ihr Vermögen innerlich eine Trennung von ihren Brüdern, die sich später (vgl. 1. Chronik 5,25) auch äußerlich vollzog. Wie ist heute die Haltung europäischer und amerikanischer Juden zu bewerten? Ist es nicht oft ihr materieller Reichtum, der sie davon abhält, Alijah zu machen (einzuwandern)? „Denen, die nach Israel einwandern wollen, aber nicht können, kann geholfen werden. Wer aber kann und nicht will, dem kann nicht geholfen werden. Solange sie zwangsweise im Exil waren, konnten sie den Einfluss der heidnischen Umwelt abwehren. Jedoch von dem Moment an, von dem an sie freiwillig im Exil bleiben, beginnt die Assimilation an ihnen zu nagen; Mischehen und fremde Kulte lösen sie aus ihrem Volk und Glauben heraus.“

Die Schoah ging von Deutschland aus, einem Land, dessen Juden einen Grad der Assimilation erreicht hatten, wie sonst nirgends. „Theodor Herzls Programmschrift ,Der Judenstaat´ erschien als erstes in deutscher Sprache, daher waren die deutschen Juden die ersten, die mit der Idee des Zionismus bekannt wurden – doch sie wollten nicht, ihre Karriere und ihr Reichtum war ihnen wichtiger als die Heimkehr ins Gelobte Land.“

Kapitel 33 rekapituliert die Stationen der Wüstenwanderung, erwähnt den Tod Aarons und schließt mit dem göttlichen Auftrag, alle Bewohner des Landes Kanaans zu vertreiben und die Relikte fremden Kultes vollständig zu beseitigen. Es wird vorhergesagt, dass Überbleibsel zum Dorn im Auge werden müssen. Diese Vorhersage hat sich wie man bis heute sehen kann, bestätigt.

Kapitel 34 zeichnet die Grenzen Israels und nennt die von Gott bestimmten Stammesführer, die an der Aufteilung des Landes mitwirken sollen. „Mit Moses Worten DIES IST DAS LAND beginnt die Realität. … Für manche ist Israel ein Minderheiten diskriminierendes Monster, für andere ein Vorzimmer zum Himmel. Beides entspricht nicht der Realität. Daher ist es wichtig, über Israel nicht Inspirationen, sondern Informationen zu bekommen. Dies ist das Land! Ein anderes Israel gibt es nicht.“

In Bezug auf den dieswöchigen Prophetenabschnitt läßt sich eine interessante Parallele ziehen: Gerade jetzt, in der Woche, in der Israel zum Krieg im Norden mit der Hisbollah „entführt“ wurde, steht im Prophetenabschnitt aus Jeremia 1 geschrieben: „Vom Norden her wird das Unglück losbrechen über alle Bewohner des Landes“ (Vers 14). Interessant und sicherlich kein Zufall.



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